Mehr als ein Weihnachtskonzert

Drei Mal erklang an diesem Wochenende in der Stadtkirche St. Nikolaus weihnachtliche Volksmusik. Einer Tradition folgend, trat der Männerchor Concordia Wil mit einer Gastformation aus dem Südtirol auf.

Christof Lampart
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Der Auftritt des Männerchors Concordia in der Stadtkirche St. Nikolaus wusste in sämtlichen Belangen zu gefallen. (Bild: art.)

Der Auftritt des Männerchors Concordia in der Stadtkirche St. Nikolaus wusste in sämtlichen Belangen zu gefallen. (Bild: art.)

Irgendwie verhält es sich mit den jährlichen Weihnachtskonzerten des Männerchors Concordia ähnlich wie mit dem englischen Silvester-TV-Sketch-Klassiker «Dinner for one». Man weiss, wie es sein wird – und ist doch jedesmal aufs neue fasziniert. Der Männerchor Concordia singt unter der musikalischen Leitung von Kurt Pius Koller advents- und weihnachtszeitliche Weisen aus dem Alpenraum, Oskar Stalder rezitiert und Werner Baumgartner begleitet an der Orgel. Und dann ist da noch jeweils die Gastformation. Dieses Jahr hiess sie «afzeitn», stammte aus dem deutschsprachigen Italien, weshalb die drei Konzerte am Samstagabend, am Sonntagnachmittag und -abend wenig überraschend unter dem Titel «Südtiroler Weihnachten» aufgeführt wurden.

Am Ende der Adventszeit

Dem Volksmusikensemble aus Bozen war es zu «verdanken», dass die diesjährigen Auftritte viel weniger Bekanntes enthielten als auch schon. Gespielt wurden Werke, die der Gründer von «afzeitn», Josef Dentinger, in einer alten Orgelbuch-Handschrift gefunden und für die Besetzung Querflöte, Geige, Gitarre, Harfe, Zither und Bass bearbeitet hat. Da gab es vieles zu entdecken, was in unserer Gegend nicht bekannt ist. Tatsächlich haben Titel wie «I spür schon, i woass schon», «Anklöpflied», «Aus einer schönen Rose», «Tuets eilends erwachen», «Bozener Dui» oder «Geh Hansei, pack dei Pinei z'samm» hier keine Tradition und muteten somit für Ostschweizer Ohren ziemlich exotisch an, was zur Folge hatte, dass man sich halb verstehend, halb erratend durch das fremdartige Deutsch tasten musste. Was ist ein Pinei? Da ist es nur gut, dass man dasselbe Lied auch im bayrisch-österreichischen Gebiet kennt. Dort heisst der «Pinei» «Pinggerl» – und damit ist nichts anderes als ein Rucksack gemeint, den der Hirt nun schnell packen soll. Wer die Botschaft, die dahintersteckt, versteht, weiss, dass die Adventszeit sich nun schon bald ihrem Ende nähert und dass Weihnachten naht.

Beseelte Verkündigung

Und gerade diese Botschaft durchwebte das ganze Musizieren in der Stadtkirche, womit die künstlerische «Dreifaltigkeit» von Gesang, Musik und gesprochenem Wort weit mehr entstehen liess als «nur» ein Weihnachtskonzert. So war es beispielsweise Oskar Stalder zu jedem Zeitpunkt ohne Wenn und Aber anzumerken, dass er seine Texte mit Liebe und Bedacht auswählt. Dass im Mittelpunkt seiner Texte der Friede des Menschen mit Gott, die gemeinsame Feier und ein gutes Miteinander mit den Nächsten und Angehörigen steht. Die «Concordia» selbst trug mit ihrem selbstbewussten und sehr differenziert ausgestalteten Gesang ebenso wesentlich dazu bei, dass alle, die am Samstagabend in der Stadtkirche weilten, im Grunde genommen keinem Weihnachtskonzert, sondern einer musikalischen Verkündigung mit alpenländischem Kolorit beiwohnten.