MEDAILLEN: Abstinenzauszeichnungen im Hinterthurgau

Über 150 Jugendliche wurden am Mittwochabend vom Kodex-Verein Südthurgau in Wängi für ihr standhaftes Fernbleiben von Drogen, Alkohol und Zigaretten ausgezeichnet. Nur die Hälfte übersteht das erste Jahr.

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Artist Nicolas Fischer überreicht Chiara-Mey Wagner aus Wallenwil die Bronzemedaille für ein Jahr ohne Drogen. (Bild: Christoph Heer)

Artist Nicolas Fischer überreicht Chiara-Mey Wagner aus Wallenwil die Bronzemedaille für ein Jahr ohne Drogen. (Bild: Christoph Heer)

Seit drei Jahren gibt es den Kodex-Verein Südthurgau – und er zeichnet jährlich Jugendliche aus. Diese stammen aus den Gemeinden Sirnach, Wängi, Eschlikon, Fischingen, Bichelsee-Balterswil und Münchwilen.

72 Teenager erhielten am Mittwoch die bronzene Auszeichnung für ein Jahr ohne Alkohol, Tabak, illegale Drogen und Medikamentenmissbrauch. 56 die silberne für zwei Jahre und 30 die goldene für deren drei. Die Grundidee entstammt der Suchtprävention. Will heissen: Jugendliche ab Mitte des siebten Schuljahres verzichten auf freiwilliger Basis, ohne Kontrollen, auf den Missbrauch von Suchtmitteln. Das dreistufige Programm scheint beliebt zu sein, denn aus den erwähnten Gemeinden nehmen einige Hundert teil. Die Präsidentin des Vereins, Sandra Müllhaupt, weiss, dass es insbesondere die Silberanwärter nicht einfach haben. «Sie durchleben während der Teilnahme die Schulabschlussfeier, und da brauche es einiges, um der Ver­suchung nicht zu erliegen. Umso stolzer können jene sein, die es ohne einen einzigen Kontakt zu Suchtmitteln bis zur Goldauszeichnung schaffen. Dieses Jahr sind das rund 30 Jugendliche.»

Die Hälfte übersteht das erste Jahr

Sandra Müllhaupt sagt, dass sich jährlich etwa 150 Teilnehmer entschliessen, am Programm teilzunehmen. «Bis zur ersten Auszeichnung nach einem Jahr ist dann etwa die Hälfte nicht mehr dabei», sagt sie mit einer Spur Bedauern in ihren Worten. Seit 1994 steht es den Goldgewinnern frei, einen Lebensbaum als Belohnung für drei Jahre der Abstinenz zu pflanzen. Wobei es im dritten Jahr gestattet ist, im Rahmen des Gesetzes kleine Mengen Alkohol zu sich zu nehmen. Müllhaupt bestätigt auf Anfrage, dass es keinen Kontrollmechanismus gibt. «Da wird zu hundert Prozent auf die Ehrlichkeit und den Charakter eines jeden Einzelnen gebaut.» Dass sich einige jeweils selber aussortieren, wird dem Gruppendruck zugeschrieben. «Ehrlich währt auch hier am längsten. In der Gruppe wird aufeinander geachtet, und da erfährt man dann jeweils schon, wer sich nicht an die Regeln hält.»

Christoph Heer

redaktion@wilerzeitung.ch