Maturafeiern in Zeiten von Corona erfordern spezielle Massnahmen: Das war in Wil und Wattwil am Mittwochabend offensichtlich

In Wattwil wurde das Zeugnis mit Handschuhen überreicht, in Wil mussten sich die Maturandinnen und Maturanden mit Abstand aufstellen. Der Abend wird den Absolventen in vielerlei Hinsicht in Erinnerung bleiben.

Ruben Schönenberger und Tobias Söldi
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Die Maturafeier der Kantonsschule Wattwil fand in der Markthalle in Wattwil in zwei Durchgängen statt.

Die Maturafeier der Kantonsschule Wattwil fand in der Markthalle in Wattwil in zwei Durchgängen statt.

Bild: Ruben Schönenberger

17.18 Uhr

Kurz vor dem Verlassen der Wattwiler Redaktion trifft eine Unwetterwarnung ein. Von «ennet em Ricke» soll es bis kurz nach 18Uhr in Richtung Toggenburg ziehen. In Wil ist es vor allem feuchtwarm. Hier findet im Stadtsaal die Maturafeier gleichzeitig wie in Wattwil statt.

17.30 Uhr

Beim Eintreffen bei der Markthalle Toggenburg in Wattwil ist das Wetter noch schön. Vor der Halle stehen die Maturandinnen und Maturanden der ersten Feier. Die Veranstaltung findet wegen Corona in zwei Durchgängen statt. Auch Wil hat seine Maturafeier zweigeteilt. Ein Plakat am Eingang weist darauf hin: Wer an beiden Feiern teilnimmt, muss eine Maske tragen. Auf zwei Stehtischen am Eingang stehen Desinfektionsmittel und Schutzmasken bereit.

17.32 Uhr

Beim Betreten der Markthalle wirkt die Szenerie so gar nicht festlich. Stallgeruch steigt in die Nase. Noch gestern fand hier ein Viehmarkt statt.

17.35 Uhr

Die Gäste sowie Maturanden strömen in den Wiler Stadtsaal. Die Plätze sind luftig besetzt, die Zahl der Maskenträger ist, abgesehen von einigen älteren Gästen, den Rednern und dem Kantipersonal, eher gering.

17.40 Uhr

Prorektor Johannes Horschick begrüsst den Toggenburger Journalisten, den Schreibenden. Und fragt, ob dieser nicht einmal bei ihm zur Schule ging. Der Journalist verneint, um später herauszufinden, dass das wohl doch der Fall war.

Die Maturafeier in Wil:

Ungewöhnlicher Empfang.
5 Bilder
Hannah Kohlmeyer, Marc Steinemann und Alissa Knopp geben einen humorvollen, rasanten Einblick in den Schultag.
Mit Abstand auf die Bühne.
Fürs Bild wird dann aber doch etwas zusammengerückt.
Wer beide Durchgänge der Maturfeier besuchte, musste eine Maske tragen.

Ungewöhnlicher Empfang.

Bilder. Tobias Söldi

17.45 Uhr

Beide Maturafeiern beginnen mit Musik. In Wattwil spielt das Jugendorchester Vivaldissimo unter der Leitung von Hermann Ostendarp, in Wil spielt Maturandin Julia Engel auf der Blockflöte, Klavierlehrer Guido Keller begleitet sie. Die Musik verleiht den Feiern trotz besonderer Umstände etwas Festliches.

17.50 Uhr

Doris Dietler Schuppli, Rektorin der Kanti Wil, zieht ihre Schutzmaske ab, desinfiziert sich die Hände und stellt sich vor das Mikrofon auf der Bühne. Mit jedem Redner erhält es eine neue Schutzhülle. Sie ist froh, dass die Feier überhaupt stattfinden kann. Und: «Ich freue mich, mitteilen zu können, dass alle bestanden haben – trotz erschwerter Bedingungen.»

17.55 Uhr

Dietler Schupplis Toggenburger Pendant Martin Gauer tritt zur Begrüssungsrede an. Er kommt nicht darum herum, den speziellen Austragungsort zu thematisieren: «Sie finden selber heraus, was gestern hier noch für eine Veranstaltung war.»

17.57 Uhr

Das Gewitter hat den Weg über den Ricken früher geschafft als prognostiziert. Es regnet so intensiv auf das Dach der Markthalle, dass man Rektor Gauer trotz Lautsprecher kaum noch versteht. In Wil ist es noch immer vor allem eins: warm. Die Maturanden fächern sich mit dem Programmflyer frische Luft zu. Das Rednerpult gehört jetzt Barbara Kobelt, Kommunikationsfachfrau und ehemalige Maturandin der Kanti Wil. Viel habe sie vergessen aus der Kantizeit, aber, ergänzt sie mit einem Augenzwinkern: «Das Wissen, einmal etwas gewusst zu haben, ist geblieben. Und die Freundschaften.»

18.05 Uhr

Wil macht vorwärts. Bereits werden die ersten Maturazeugnisse verteilt. Mit mehr oder weniger Abstand stellen sich die herausgeputzten Maturandinnen und Maturanden auf der Bühne auf. Fürs Klassenfoto wird dann aber doch etwas näher zusammengerückt.

Die Maturafeier in Wattwil:

Rechts im Bild: Johannes Horschik, Prorektor.
7 Bilder
Die musikalische Umrahmung übernahm das Orchester Vivaldissimo.
Festredner Frédéric Zwicker.
Die Zeugnisse wurden mit Handschuhen überreicht.
Rektor Martin Gauer.

Rechts im Bild: Johannes Horschik, Prorektor.

Bilder: Ruben Schönenberger

18.13 Uhr

In Wattwil blickt Frédéric Zwicker auf seine Abschlussfeier an der Kanti zurück. 17 Jahre ist das her, trotzdem kann er sich noch genau erinnern, was der damalige Festredner ihm auf den Weg mitgegeben hat. Er blickt auch voraus und warnt die Maturi und Maturae, dass sowieso vieles anders komme. «Machen Sie sich in Bezug auf die Zukunft viele Gedanken und wenig Sorgen», schlussfolgerte er.

18.22 Uhr

Mittlerweile haben alle Schüler der Kanti Wil ihre Abschlusszeugnisse erhalten. Die drei Maturi Alissa Knopp, Hannah Kohlmeyer und Marc Steinemann geben einen humorvollen, rasanten Einblick in den Schultag. «Bioberichte kommen und gehen, Pandemien kommen und gehen – hoffentlich.»

18.34 Uhr

Nach einem weiteren Stück des Orchesters folgt auch in Wattwil, worauf alle gewartet haben: die Zeugnisübergabe. Die Jugendlichen erhalten von der Klassenlehrperson das Zeugnis, von Prorektor Horschick eine Rose – beides coronakonform mit Handschuhen. Gleichzeitig werden in Wil die Besten ausgezeichnet.

18.51 Uhr

Keine 20 Minuten später sind auch in Wattwil alle Klassen durch, Rektor Gauer leitet zum Apéro über. Die Türen der Markthalle öffnen sich, draussen strahlt wieder die Sonne und begleitet die Jugendlichen in eine hoffentlich glänzende Zukunft. In Wil kommt das Gewitter erst später am Abend. Aber die Maturandinnen lassen sich davon wohl kaum die gute Laune an diesem in vielerlei Hinsicht besonderen Tag verderben.