MATURAARBEIT VIII: Extreme Wetterphänomene häufen sich

Michael Krähenbühl untersucht in seiner Abschlussarbeit die Veränderungen des Niederschlags in den vergangenen 50 Jahren. Die Menge hat sich kaum verändert, jedoch ist eine Verschiebung zu mehr Regen im Herbst feststellbar.

Gianni Amstutz
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Für seine Arbeit zum Thema Niederschlag an der Kantonsschule Wil erhielt Michael Krähenbühl die Höchstnote. (Bild: Gianni Amstutz)

Für seine Arbeit zum Thema Niederschlag an der Kantonsschule Wil erhielt Michael Krähenbühl die Höchstnote. (Bild: Gianni Amstutz)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Anhaltende Dürreperioden und Starkniederschläge, die zu massiven Überschwemmungen führen: Im Zuge des Klimawandels scheinen solche Wetterphänomene zugenommen zu haben. Das hat den Maturanden Michael Krähenbühl dazu veranlasst, sich näher mit dem Thema auseinanderzusetzen. «Auf einer Reise durch die südwestlichen Staaten der USA sah ich das ungeheure Ausmass der Trockenheit mit eigenen Augen. Und auch Ereignisse in unserer Region wie die Überschwemmungen in Wil 2015 weckten mein Interesse für das Thema», erzählt er. Deshalb hat der Schüler der Kantonsschule Wil in seiner Maturaarbeit die Entwicklung des Niederschlags und der Trockenperioden in der Region untersucht. Dazu benutzte er die Daten zahlreicher Wetterstationen der Kantone St. Gallen, Thurgau und Appenzell, die über den Zeitraum der vergangenen 50 Jahre aufgezeichnet wurden. Entstanden ist eine Excel-Tabelle enormen Ausmasses mit mehr als zwei Millionen Zeilen, die Krähenbühl für seine Arbeit auswertete. «Der Aufwand war ziemlich gross, aber mit Urs Gruber, der die Betreuung der Arbeit übernahm, hatte ich jemanden, der mir bei Schwierigkeiten stets weiterhelfen konnte.»

Regionale Unterschiede feststellbar

Entsprechend zur grossen Datenmenge fielen die Resultate sehr unterschiedlich aus. «Das hat damit zu tun, dass die untersuchten Wetterstationen in Gebieten mit verschiedenen geografischen Bedingungen liegen und dies trotz ihrer geringen Distanz zueinander», erklärt Krähenbühl. Der Säntis oder der Bodensee etwa könnten einen markanten Einfluss auf die Niederschlagsmenge und -häufigkeit haben. Trotzdem seien einige generelle Aussagen über die Entwicklung von Trocken- beziehungsweise Niederschlagsperioden in den vergangenen 50 Jahren möglich, sagt der Maturand. So konnte er eine Zunahme der Trockenphasen feststellen, überraschenderweise bei einer gleichzeitigen Zunahme der Starkniederschläge. Starkniederschläge definierte Krähenbühl anhand der Literatur mit einem Wert von 20 Millimetern pro Tag und Trockenperioden als Tage mit einer Niederschlagsmenge von bis zu einem Millimeter. Betrachte man das Gesamtbild, könne man feststellen, dass es im Frühling mehr Trockenperioden gebe, während es im Herbst dagegen öfter regne. «Bei der Analyse des Gesamtvolumens des Niederschlags über die vergangenen 50 Jahre konnte ich jedoch keine signifikanten Änderungen registrieren.»

Einen Zusammenhang der Niederschlagsmenge zum Klimawandel untersuchte Krähenbühl im Rahmen seiner Arbeit nicht. Das sei beinahe unmöglich. «Es gibt neben der Temperatur zu viele Faktoren, die einen Einfluss auf den Niederschlag haben können, als dass man einen direkten Zusammenhang zwischen einer Erhöhung der Temperatur und dem Niederschlag beweisen könnte.» Fest stehe jedoch, dass eine Erwärmung der Erdatmosphäre dazu führe, dass diese potenziell mehr Wasser aufnehmen könne und so die Klimaerwärmung Starkniederschläge und länger anhaltende Trockenperioden zwar nicht verursache, aber sie zumindest begünstigen würde, sagt Krähenbühl.

Zukünftige Entwicklungen seien schwierig vorauszusagen, aber aufgrund der Tendenzen, die Krähenbühl in seiner Auswertung der Daten der vergangenen 50 Jahre feststellen konnte, sei es wahrscheinlich, das extreme Wetterbedingungen wie längere Trockenperioden oder einzelne Tage mit Starkniederschlag sich häufen würden. Müssen sich die Ostschweizer also auf ausgedörrte Landschaften, wie sie im Südwesten der USA vorkommen, gefasst machen? «Das denke ich nicht», sagt Krähenbühl, «denn wir haben das Glück, dass die Niederschlagsmengen bei uns konstant relativ hoch sind», fügt er nicht ohne Ironie hinzu.