MATURAARBEIT V «: Die Modeläden stehen unter Druck

Bekleidungsdetailhandel im Umbruch»: Unter diesem Titel ging die Kantonsschülerin Valerie Wittibschlager den Fragen nach: Wird der Onlinehandel Einkaufsläden verdrängen? Wie wirkt sich der Einkaufstourismus auf lokale Detailhändler aus?

Joel Räbsamen
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Valerie Wittibschlager befasste sich in ihrer Maturaarbeit mit dem stationären Modehandel. Ein typisches Beispiel für dieses Segment ist die Fussgängerzone Obere Bahnhofstrasse in Wil. (Bild: Joel Räbsamen)

Valerie Wittibschlager befasste sich in ihrer Maturaarbeit mit dem stationären Modehandel. Ein typisches Beispiel für dieses Segment ist die Fussgängerzone Obere Bahnhofstrasse in Wil. (Bild: Joel Räbsamen)

Joel Räbsamen

joel.raebsamen@wilerzeitung.ch

Die 18-jährige Valerie Wittibschlager möchte nach einem Zwischenjahr ein naturwissenschaftlich geprägtes Studium angehen, obschon sie bei der Maturaarbeit ein Thema aus dem Bereich ihres Kanti-Schwerpunktes Wirtschaft und Recht gewählt hat. Die Wilerin sagt, sie habe immer wieder vom Einkaufstourismus und dem Wachstum des Onlinehandels gelesen. Wie sehr diese beiden Faktoren die einheimische Detailhandelsbranche unter Druck setzten, wurde vor allem nach der Aufhebung des Euromindestkurses laufend in den Medien diskutiert. Stichhaltige Begründungen geschweige denn Lösungsansätze waren jedoch selten.

Valerie Wittibschlager wurde schnell klar, dass der Detailhandel als gesamte Branche betrachtet zu gross ist für eine Maturaarbeit. Aus diesem Grund, und aus Interesse an Mode, hat sie sich auf den Bekleidungsdetailhandel beschränkt. Im Zug ihrer Arbeit hat sie mit Vertretern von drei Modegeschäften aus der Region Wil Interviews geführt. Zusammen mit der Literatur, die sie hauptsächlich in der Universitätsbibliothek St. Gallen fand, ergab sich in der Arbeit eine ansprechende Mischung aus Theorie und lokalem Praxisbezug.

Die Zukunft ist ungewiss

Im Grunde beschreibt die Theorie kein rosiges Bild für den einheimischen Modehandel. Die Bevölkerung wächst zwar, der Umsatz im Bekleidungssegment nimmt aber nicht im entsprechenden Mass zu. Die Hauptgründe sind: Onlineanbieter gewinnen immer mehr Marktanteil und der Einkaufstourismus hat stark zugenommen. Im Jahr 2015 haben 50 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer einmal monatlich den Weg ins Ausland auf sich genommen, um günstiger einzukaufen.

Für Schweizer Geschäfte ist vieles teurer als für die ausländische Konkurrenz, das zieht sich bei den Modehäusern von den Einkaufspreisen bis zu den Lohnkosten durch. Zudem ist der Eintritt in den Onlinehandel nur für wenige, grosse Unternehmen lohnenswert, da der Onlinehandelsgigant Zalando bereits zu gross ist. Das sogenannte Cross-Channel-Business, das den Kunden auf mehreren Kanälen zu erreichen versucht, wie zum Beispiel online und via stationäre Läden, ist somit für lokale Unternehmen zu schwierig und zu teuer. Die Folge ist ein Rückgang beim Umsatz.

Mögliche Lösung: Qualität vor Quantität

Als Lösungsansatz setzen die interviewten Geschäftsführer auf Qualität und Image. Zudem wird mit persönlicher, freundlicher Beratung auf die Stammkundschaft gesetzt. Eines der Geschäfte sucht in Preisfragen stärker das Gespräch mit den Lieferanten, während ein anderes sich mehr auf ein Sortiment beschränkt, das online nicht leicht erhältlich ist. Als letztes Mittel ist man gewillt, auf Rabattaktionen zurückzugreifen. Valerie Wittibschlager sieht folgende Ansätze für einheimische Bekleidungsdetailhändler: Dem Kunden müsse ein Erlebnis geboten werden. Durch Werbung soll der Kunde angesprochen werden, Kundenkarten und Events sollen ihn halten. Auf langfristige Preissenkungen sei möglichst zu verzichten. Qualität vor Quantität sei für lokalverankerte Unternehmen essenziell. Grössere Unternehmen bräuchten zudem einen Onlineauftritt. Auch Einkaufsgemeinschaften hält Valerie Wittibschlager für sinnvoll. «Der stationäre Handel ist nicht dem Untergang geweiht», ist sie überzeugt.

Hinweis

Die «Wiler Zeitung» präsentiert in loser Folge Maturaarbeiten von Schülern aus der Region. Der erste Teil ist am 12. April erschienen, weitere folgten am 22. und 27. April sowie am 10. Mai.

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