«Feiert eure Maskottchen auf Instagram»: Ein Internetsoziologe zeigt in Flawil, wie Vereine Social-Media-Kanäle nutzen können

Social-Media-Kanäle sind für Vereine wichtig. Nur werden sie wenig genutzt, stellte Internetsoziologe Marc Böhler in Flawil fest.

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Marc Böhler, Internetsoziologe/Mediencoach (links) und Gemeinderat Eddie Frei. (Bild: Andrea Häusler)

Marc Böhler, Internetsoziologe/Mediencoach (links) und Gemeinderat Eddie Frei. (Bild: Andrea Häusler)

Ab der Leinwand grüsst rot gewandet St. Nikolaus – von den hochsommerlichen Temperaturen gänzlich unbeeindruckt. Das Chlausen, sagt Marc Böhler, sei sein Bezug zur Freiwilligenarbeit. Das Foto veranschauliche jedoch auch die Wirkung von Augen auf die Betrachter: «Gesichter wecken Aufmerksamkeit.» Auch solche, die bloss aus Stoff und Zwirn sind. Deshalb riet er den Vereinsvertretern an der jährlichen Vereinskonferenz im Lindensaal:

«Feiert eure Maskottchen auf Facebook, Instagram, Twitter usw.»

Social-Media-Kanäle bleiben wichtig

Dafür muss allerdings erst eine Vereinswebsite online sein. In Flawil ist, dies zeigte eine Umfrage, nur gut die Hälfte der Vereine mehr oder weniger konsequent auf sozialen Netzwerken unterwegs. Aus verschiedenen Gründen. Weil Zweifel am Bedürfnis bestehen, die Zeit oder die Fähigkeiten für den Aufbau und die Betreuung einer Site fehlen. Schade, findet Marc Böhler, der überzeugt ist, dass Facebook, Instagram, Whatsapp, Twitter oder Snapchat den Zenit erreicht haben, jedoch noch lange wichtig bleiben werden. Denn die Entwicklung im Bereich der elektronischen Kommunikation verlangsame sich. «Der massgebliche Wandel hat 2007 mit dem Smartphone stattgefunden.» Damit sei die technische Konvergenz der Medien weitgehend abgeschlossen. Die Vereinsvertreter ermuntere er deshalb, sich mit der Materie zu befassen: «Was jetzt im Umgang mit Social Media gelernt wird, ist euch auch in zehn Jahren noch nützlich.»

Der 47-jährige Zürcher hatte auch gleich einige Einsteiger- und Fortgeschrittenen-Tipps in der Hinterhand oder auf den Präsentationsfolien. Erst einmal motivierte er zum Ausprobieren. «Das tun alle, wenn es um den Bau von Sites geht – es gibt keine wirklichen Experten im Dschungel der Funktionen.» Eine klare Strategie hingegen empfiehlt er bei der Wahl der Plattform (welches Angebot eignet sich für welche Zwecke und Zielgruppen) sowie der Inhalte. Soll Schweizerdeutsch oder Deutsch gepostet werden? Setzt man Emojis ein?

Die Sache mit den Kinderfotos

Wofür sind Hashtags gut? Wieso ist es besser, Veranstaltungen zu erfassen statt einen Flyer als Bild zu posten? Reicht eine Gratis-Site auf Facebook und wozu wird idealerweise ein zweiter Administrator eingesetzt? Böhler suchte und fand auf fast alle Fragen eine Antwort. Letztlich auch auf jene mit dem Datenschutz, beziehungsweise dem Posten von Kinderfotos. Da sei Sensibilität gefordert, sagte er und riet, das Einverständnis der Eltern einzuholen oder die Sprösslinge nur von hinten zu zeigen. Wissend, dass damit der magische «St. Niklolaus-Effekt» verloren geht.