Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Markus Eugster vom Künstlerkollektiv Ohm 41 zieht ein Fazit nach der Artwil: «Keines unserer Kunstwerke ist jemals verschont worden.»

In der Wiler Einkaufsmeile ist der graue Alltag eingekehrt: Die «Artwil» ist vorbei. Markus Eugster, Mitglied von Ohm41, über Vandalismus, angeleintes Brot und das kulturelle Potenzial der Oberen Bahnhofstrasse.
Claudio Weder
Eine von zahlreichen Kunstinstallationen in der Oberen Bahnhofstrasse. (Bild: PD)

Eine von zahlreichen Kunstinstallationen in der Oberen Bahnhofstrasse. (Bild: PD)

Markus Eugster. (Bild: PD)

Markus Eugster. (Bild: PD)


Unter der Leitung des Künstlernetzwerks Ohm41 verwandelte sich die Obere Bahnhofstrasse für einen Monat vom Konsumraum in eine Kunstmeile. Mit Werken von 21 Künstlern sowie 27 Rahmenveranstaltungen wollte das Künstlerkollektiv zum Nachdenken anregen und neue Perspektiven zum Thema Konsum vermitteln.

Markus Eugster, das Künstlernetzwerk Ohm41 ist bekannt für seine ausgefallenen und provokativen Kunstaktionen. Mit der «Artwil» an der Oberen Bahnhofstrasse waren Sie aber vergleichsweise brav unterwegs. Was war los?

Das stimmt. Dieses Jahr haben wir keinen Fluss rot gefärbt und keine tonnenschwere Betonfigur im Wiler Weier versenkt. Wir wollten unserem Publikum keine «Stolpersteine» in den Weg legen, sondern sie mit dezenten, unaufdringlichen Kunstobjekten zum Nachdenken anregen. Aber das Lauchbeet auf dem Schwanenkreisel war schon auch ein bisschen provokativ.

Genauso wie das Brot an der Leine.

Ja. Das hat ziemliches Empören ausgelöst. Das Brot an der Leine sollte symbolisch vergegenwärtigen, dass unser Konsumverhalten gesteuert wird – wie ein Hund, den man an der Leine führt. Es soll gemeinsam mit allen anderen Kunstobjekten die Leute dazu bringen, sich vertieft mit dem Thema Konsum auseinanderzusetzen. Die Leute sollten aufhorchen und dabei neue Perspektiven, Ideen oder Meinungen entwickeln.

Wie gut ist das gelungen?

Das ist schwierig zu sagen. Mit einzelnen Aktionen wie der Theateraufführung «Shopping-Tour» oder dem Brot an der Leine konnten wir bestimmt etwas bewirken. Ob wir das auch mit der gesamten Ausstellung geschafft haben, wird sich noch zeigen.

Die Kunstaustellung wurde durch diverse Rahmenveranstaltungen ergänzt. Was kam besser an?

Die Rahmenveranstaltungen wurden sehr positiv aufgenommen. Die Freude darüber, dass in der Oberen Bahnhofstrasse endlich mal wieder was los war, war deutlich zu spüren. Viele Leute waren sogar der Meinung, dass mehr solche Veranstaltungen stattfinden sollten. Auch die ausgestellten Werke stiessen auf Anklang – vor allem beim jüngeren Publikum. Die Kinder und Jugendlichen fanden die Werke spannend und cool.

Und die Erwachsenen fanden die Ausstellung etwas weniger «cool».

Genau. Beim älteren Publikum lösten die ausgestellten Objekte eher Kopfschütteln als Begeisterung aus. Manche fragten sich, was das solle oder ob das überhaupt Kunst sei. Möglicherweise liegt dies daran, dass den Erwachsenen – im Gegensatz zu den Kindern und Jugendlichen – der nötige Forschergeist und die gesunde Portion Neugierde fehlte, die es brauchte, um einen Zugang zu dieser Art von Kunst zu finden.

Nach dem WM-Spiel Schweiz gegen Serbien wurde eine Ihrer Kunstaktionen, das Lauchbeet auf dem Schwanenkreisel, von Fussballfans niedergetrampelt. Werten Sie dies als Zeichen der Missbilligung Ihrer Kunst?

Keines unserer Kunstwerke ist jemals verschont worden. So gab es auch während der «Artwil» den einen oder anderen Zwischenfall, nicht nur am Schwanenkreisel: Der Superman ist ein paar Mal umgekippt, das angeleinte Brot wurde gestohlen, und der Goldene Krebsbach wurde einige Male als Kotzkübel missbraucht. Aber das sind Kleinigkeiten. Mit solchen Vorfällen muss man rechnen, wenn man eine Ausstellung im öffentlichen Raum durchführt. Unsere Kunstwerke wurden schon viel übler in Mitleidenschaft gezogen, deshalb werten wir das noch nicht als Zeichen der Missbilligung. Und was den Vandalismus am Schwanenkreisel betrifft: Diesen konnten wir nicht vorausplanen. Doch dank der Polizei, unserem Freund und Helfer, konnte an jenem Abend Schlimmeres verhindert werden.

Sie bezeichnen die Polizei als Ihren Freund und Helfer. Schwingt da nicht ein leicht ironischer Unterton mit?

Zugegeben: Wir Öhmler haben mit unseren Aktionen in der Vergangenheit einen eher schlechten Eindruck bei der Polizei hinterlassen. Daher kann ein solch wohlmeinendes Dankeschön an die Polizei schnell – und unfreiwillig – einen ironischen Unterton erhalten. Nein, der Dank ist tatsächlich ernst gemeint. Ohne die Polizei, die den tobenden Mob am Schwanenkreisel auf Abstand hielt, wäre innert kurzer Zeit alles dem Erdboden gleichgemacht worden.

Mit der «Artwil» wurde der Oberen Bahnhofstrasse Leben eingehaucht. Glauben Sie, dass die Shoppingmeile auch in Zukunft vermehrt als Kulturraum genutzt wird?

Ich würde es der Oberen Bahnhofstrasse wünschen. Ein bisschen mehr Leben würde ihr guttun, vor allem abends. Denn bekanntlich ist nach 18.30 Uhr dort nichts mehr los. Wir hoffen, dass wir mit der «Artwil» den Nährboden für künftige kulturelle Veranstaltungen in der Oberen Bahnhofstrasse liefern konnten. Die Einkaufsmeile hätte auf jeden Fall grosses Potenzial, vom Konsumraum zum Kulturraum zu werden. Warum nicht ein «Rock in der Bahnhofstrasse» anstelle eines «Rock am Weier»?

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.