Mann ist, wie er sich kleidet

Im ersten Jahr nach ihrer Namensänderung gastierte die Trachtengruppe Degersheim für ihren Unterhaltungsabend zum zweitenmal in der Mehrzweckhalle ihres neuen «Heimatorts».

Michael Hug
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Die zehn Paare der Trachtengruppe zeigten am Unterhaltungsabend traditionelle Tänze. (Bild: Michael Hug)

Die zehn Paare der Trachtengruppe zeigten am Unterhaltungsabend traditionelle Tänze. (Bild: Michael Hug)

DEGERSHEIM. «Sag mir, wie du dich kleidest, und ich sage dir, wer du bist.» Dieser Satz, irgendwann in der Mitte des zweiten Teils des Unterhaltungsabends der Trachtengruppe Degersheim geäussert, war nicht nur symbolisch gemeint. «Wer man ist», drückt man oft mit der Kleidung aus. Auch die Mitglieder der Trachtengruppe tun dies. Und sie sagen damit: Wir sind dem Bauernstand und der Heimat verbunden. Wie stark diese Bindung ist, zeigt auch der Umstand, dass diese Mitglieder zum Teil jede Woche zur Probe und erst recht zum Unterhaltungsabend von weit her anreisen. Vorwiegend stammen sie aus Degersheim und Umgebung (früher: Flawil und Umgebung, daher auch der frühere Name), aber Einzelne kommen auch aus Urnäsch oder Schänis.

Zehn Frauen und zehn Männer

Zehn Frauen und zehn Männer bilden die zehn Paare, die den ersten Teil des Abends gestalteten. Mit traditionellen Tänzen wie der «Nüt Neus» oder dem turbulenten «Krawall im Stall» vermochten sie das Publikum in der Mehrzweckhalle in Degersheim zu begeistern. Unterbrochen wurden die Tanzvorführungen am Nachmittag durch die Jodellieder und Zäuerli des Buebechörli Urnäsch.

Am Abend waren es der Trachtenverein Schwarzer Grat aus dem Allgäu und das Jodelquartett Männertreu aus Teufental/BE. Insbesondere die Deutschen zeigten mit ihrem Auftreten, wie variabel Kleidung sein kann und trotzdem die gleichen Rückschlüsse zulässt. Die Allgäuer, die Männer zumindest, traten in den typischen kurzen Lederhosen ihrer Heimat auf.

Die einheimischen Tänzerinnen und Tänzer liessen sich vom Handorgelduo Marianne Schildknecht und Laverne Schweizer, unterstützt von Bassist Kilian Schönenberger, begleiten. Der neue Präsident der Trachtengruppe, Hans Stark aus Urnäsch, meinte zur neuen Heimat Degersheim: «Auf dieser Bühne haben wir viel mehr Platz und auch das Publikum kann sich hier besser bewegen.» Stark sprach damit die Namensänderung vom letzten Jahr und das Bekenntnis zu Degersheim an: «Ja wir fühlen uns hier zu Hause.» Dass auch das Publikum die Neuorientierung goutiert, zeigte es am Nachmittag mit einem halbvollen, am Abend mit einem vollen Saal.

Kleider machen Leute

Natürlich wartete man nachmittags wie abends auf das Theater im Anschluss an Tanz- und Jodelvorträge. Mit «Umstiige bitte» zeigte das siebenköpfige Ensemble, das sich aus den Mitgliedern der Trachtengruppe rekrutiert, einen Einakter, bei dem es um das Thema «Kleider machen Leute» ging. Bankdirektor Alois Räber (Andreas Looser) wird schneller als erwartet von seinem Wunschdenken eingeholt. Er wollte doch nur mal aussteigen aus dem Tagesgeschäft, und er gerät dabei in die Fänge eines Gauners (Christoph Eisenring). In der Kleidung des Bänklers treibt dieser sein Unwesen, überfällt reihenweise Leute (Laverne Schweizer als Sekretärin, Ernst Bohl als Polizist), und verwirrt damit auch den vermeintlichen Vagabunden Ruedi Fuchs (Ueli Meier), Räbers Frau Susi (Heidi Meier) und das Fräulein Süessli (Rita Ehrbar). Es war Laverne Schweizers 20. Auftritt an einem Theater der Trachtengruppe, bei der fast ebenso lang Hans Frehner Regie führt.

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