Mangel an Wasserflächen und an Lehrkräften: Wo lernen Kinder schwimmen?

Schwimmen sorgt nicht nur für Wohlbefinden, es kann auch Leben retten. Schwimmkurse sind gefragt, vor allem für Kinder. Trotzdem wird das Angebot in der Region Wil nicht ausgeweitet. Eine Schwimmlehrerin erklärt die Gründe.

Zita Meienhofer
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Gemäss Statistik ist Ertrinken eine der häufigen Todesursachen bei Unfällen von Kindern. Deshalb ist es wichtig, schwimmen und sich nach einem Sturz ins Wasser selber an den Rand oder ans Ufer retten zu können. (Bild: Michel Canonica)

Gemäss Statistik ist Ertrinken eine der häufigen Todesursachen bei Unfällen von Kindern. Deshalb ist es wichtig, schwimmen und sich nach einem Sturz ins Wasser selber an den Rand oder ans Ufer retten zu können. (Bild: Michel Canonica)

Jrène Mancino aus Oberbüren unterrichtet seit über 22 Jahren Schwimmen, seit elf Jahren führt sie ihre eigene Schwimmschule –Jrène’s Schwimmschule. Vor ihrer Zeit als Schwimmlehrerin war sie Wettkampfschwimmerin. Sie und ihr sechsköpfiges Team erteilen Kurse in den Hallenbädern in Gossau, im Buecherwäldli in Oberuzwil im Oberstufenzentrum Sproochbrugg in Zuckenriet. Vor allem sind es Schwimmkurse für Kinder. Die Kurse sind meist früh ausgebucht. Jrène Mancino könnte das Angebot erweitern. Doch es gibt zwei wesentliche Gründe, das nicht zu tun: «Einerseits gibt es nur noch wenig bis keine freien Wasserflächen in den Hallenbädern der Region, anderseits fehlen mir die Lehrkräfte.» Es habe zu wenig Schwimmlehrkräfte, da der Aufwand für die Ausbildung sehr gross und intensiv sei, erklärt Jrène Mancino.

Ausbildung zur Schwimmlehrkraft ist aufwendig

Diese Erfahrung macht auch Marcel Schneller, Geschäftsführer der Wiler Sportanlagen AG (Wispag). Im Hallenbad Bergholz werden die Schwimmkurse von der Wispag selber angeboten, externe Schwimmschulen können sich nicht einmieten. «Es ist nicht einfach, Schwimmlehrkräfte zu finden», sagt er. «Die Ausbildung braucht Zeit und es müssen Wiederholungskurse absolviert werden.» Die Schwimmschule der Wispag wie auch jene von Jrène Mancino sind «aQuality.ch»-zertifiziert. Ein Label, das von Lehrkräften verlangt, dass sie über eine aktuelle Sicherheits- und eine methodisch-didaktische Ausbildung im Schwimmunterricht nach neuesten Kriterien verfügen. In der Region sind nebst diesen beiden Schwimmschulen nur die Schwimmorganisation der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg und die Schwimmschule Gossau zertifiziert.

Oberuzwil: Wenig freie Wasserflächen

Die andere Tatsache, welche die Erweiterung des Angebots unmöglich macht, ist die Belegung der Hallenbäder in der Region. Die vorhandenen Wasserflächen sind meist besetzt. Fast ausgebucht ist das Hallenbad Oberuzwil. Das 2017 sanierte Bad steht tagsüber vorwiegend den Schulen der Gemeinde und den umliegenden Gemeinden für den Schwimmunterricht zur Verfügung. Ebenso sind Externe für verschiedene Kurse eingemietet. Ab 17.30 Uhr hat die Öffentlichkeit Zutritt. «Wasserflächen können noch vereinzelt angeboten werden», heisst es bei der Bauverwaltung. Die Miete einer Bahn für eine Stunde pro Woche kostet 400 Franken pro Jahr.

Bergholz Wil: Nicht mehr viel freien Platz

Ähnlich wie im Hallenbad Oberuzwil ist die Situation im Hallenbad Bergholz in Wil. «Es gibt noch vereinzelt Möglichkeiten für die Miete von Wasserflächen», sagt Marcel Schneller, Geschäftsführer der Wiler Sportanlagen AG. «Wir haben jedoch nicht mehr viel Platz.» Im Hallenbad Bergholz absolvieren Schülerinnen und Schüler von der Primar- bis zur Kantonsschule ihr Schulschwimmen. Zudem sind Vereine eingemietet wie PluSport oder die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft (SRLG). Auch die eigenen Schwimm- und Aquafitnesskurse benötigen Wasserflächen. Die Bahnmiete kostet für Einheimische 30 Franken pro Stunde, Auswärtige bezahlen fünf Franken mehr.

Buecherwäldli und Sproochbrugg ausgebucht

Marianne Halter, Leiterin Dienste des Schwimmbads Buecherwäldli in Oberuzwil, sagt: «Wir haben schon lange keine Wasserflächen mehr zu vermieten, obwohl wir immer wieder Anfragen bekommen.» Zugenommen hätten diese vor allem, als die Bäder rundherum – Wuppenau, Psychiatrische Klinik Wil und Degersheim – geschlossen wurden. Das Bad, das zur Heimstätte Buecherwäldli gehört, ist ein Therapiebad, das Wasser 31 Grad warm. Es ist kein öffentliches Bad und steht vor allem den Bewohnenden des Buecherwäldlis zur Verfügung. Wasserflächen werden unter anderem an die Rheumaliga, an Pro Senectute, den Behinderten-Sportverein sowie für externe Kurse vermietet.
Ausgebucht sind die Wasserflächen auch im Schwimmbad Sproochbrugg in Zuckenriet – zumindest bis Ende Schuljahr. Jeweils auf Beginn eines Schuljahrs plant Freddy Noser, Schulleiter der Oberstufenschule Sproochbrugg, die Belegung der Wasserflächen neu. Interessenten können sich bis April bei ihm melden. «Es gibt immer wieder Vereine oder Organisationen, die ihre Flächen nicht mehr benötigen», sagt Noser. Es gebe zudem freie Zeiten, die nicht belegt werden können, erklärt er. «Die technische Anlage ist alt; damit die Wasserwerte gehalten werden können, braucht es mehr Zeit.»
Dieses Schwimmbad ist ein Lernschwimmbecken und nicht öffentlich zugänglich. Das Schwimmbad Sproochbrugg kann nur in Gruppen zu mindestens fünf Personen gemietet werden. Es werden pro Person und Lektion fünf Franken als Eintritt in Rechnung gestellt.