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Manche Dinge ändern sich nie

In der Oberen Mühle in Wil hat sich in den vergangenen 40 Jahren viel verändert. Der Grundgedanke, Jugendliche zu fördern und zu unterstützen, ist jedoch bis heute geblieben.
Seit 1976 ist die Obere Mühle beim Wiler Stadtweiher ein Treffpunkt für Jugendliche. (Bild: PD)

Seit 1976 ist die Obere Mühle beim Wiler Stadtweiher ein Treffpunkt für Jugendliche. (Bild: PD)

Eine Gitarre lehnt neben dem Schreibtisch, und dort, wo später einmal ein Computermonitor stehen wird, erfreut sich ein kleiner Philodendron der Zuwendung von Walter «Wulli» Wullschleger, seines Zeichens erster Leiter des Freizeithauses Obere Mühle. «Hier kann man von ihm zum Kaffee eingeladen werden und die grossen und kleinen Sorgen loswerden», heisst es in der Beschreibung zur Fotografie in der ersten Broschüre des Freizeithauses aus dem Jahr 1976. Grosse und kleine Sorgen loswerden – diesem Anliegen ist man in der Oberen Mühle bis heute treu geblieben, auch und erst recht im Wandel unserer Gesellschaft.

Ein Spinnrad zum freien Gebrauch

Der Gründungsgedanke sah vor, einen Ort für verschiedenartigste Begegnungen in der Freizeit zu schaffen. Aus dem Broschüren-Vorwort von «Wulli» spricht Herzlichkeit, sogar ein handgemaltes Herz ist im Text eingebaut. Im Teestübli entstand eine Diskussionsrunde, die Küche diente als Beizli für Treffs zum Reden und Schweigen. In der Bibliothek standen ein Webstuhl und ein Spinnrad zum freien Gebrauch. Von der Verbundenheit des Leiters mit den Besucherinnen und Besuchern zeugt das schlichte Zitat des sechsjährigen Rouven: «Wills döt äs Schlagzüg hät. Und säb Rüümli, wo amigs de Wulli hockt.» Auch Räume für Kinderspielgruppen sowie ein Billardzimmer, ein Malatelier und eine Werkstatt mit einer Grundausstattung an Material und Werkzeugen standen zur Verfügung. Ebenso wie ein Fotolabor, in dem nach einer Einführung selbständig Schwarzweissbilder entwickelt werden konnten.

Da die Obere Mühle als Freizeithaus von der Wiler Bevölkerung immer weniger genutzt wurde, wurde sie 1986 vor allem den Bedürfnissen Jugendlicher angepasst. Im Herbst 1997 wurde sodann eine ausführliche Bedürfnisanalyse mit den regelmässigen Besucherinnen und Besuchern des Jugendtreffs sowie mit Eltern, Lehrpersonen und der zuständigen Fachstelle lanciert. Daraus ergab sich die «soziokulturelle Animation» als grundlegendes Arbeitsprinzip. Fragen in der Jugend- und Freizeitarbeit sollten nicht isoliert, sondern aus dem Verständnis der Jugendlichen als Teil der Gesellschaft heraus betrachtet werden.

Nebst der Jugendbeiz waren nun in der Oberen Mühle eine Jugendarbeiterinnen- respektive Jugendarbeiterstelle und eine Koordinationsstelle für die Organisation von Kursen und Veranstaltungen eingerichtet. Nun klang es in der Leitbildbroschüre anders. Im Inhaltsverzeichnis standen Begriffe wie «soziokultureller Hintergrund», «Prävention im Jugendalter» und «interkulturelle Jugendarbeit». Die Gesellschaft und ihre Auswirkungen auf die Jugendlichen wurden analysiert: «Wir befinden uns im Wandel von einer Arbeits- in eine Konsum- und Freizeitgesellschaft. Konsumhektik und Reizüberflutung sind gross.» Es gelte sich wieder auf eigene, innere Werte zu besinnen, speziell für Jugendliche in der Pubertät, in der sie ihren Platz als Mensch in der Gesellschaft finden müssen. Der Ansatz der «sozialkulturellen Animation», die ressourcen- statt defizitorientiert arbeitet, wurde beispielsweise mit Kursen umgesetzt, in denen Jugendliche ihre eigenen Fähigkeiten und Talente als Kursleiter einsetzen konnten.

«Billard ist oft nur Mittel zum Zweck»

2014 wurde das Leitbild neu ausgearbeitet, doch am Auftrag der Oberen Mühle und ihrem Team hat sich nichts geändert: Jugendliche bei ihrer Entwicklung fördern und sich als Vermittlerin zwischen den Jugendlichen und der Erwachsenenwelt zu verstehen. Unterstützung in der Entwicklung der Identität und in der Auseinandersetzung mit Werten und Normen, Informations- und Beratungsangebote sowie Handlungs- und Gestaltungsräume stehen im Vordergrund. Die Obere Mühle ist mittlerweile mit Billard, Darts und Tischfussball ausgerüstet, dazu kommen ein Jugendcafé und ein Bandraum mit Beamer und Grossleinwand, Internet, Infothek, DJ-Equipment und Lichtanlage, zudem steht eine Küche zur Verfügung. Nebst alldem steht jedoch der persönliche Kontakt im Vordergrund. «Billard ist oft nur Mittel zum Zweck», erzählt Sabina Fejzulahi, Leiterin der Jugendarbeit Wil.

Plakate und Fotos erzählen von den Aktivitäten und Erfolgen wie Young Charity. «Hier erleben Jugendliche, dass sie ihre erwachsenen Bezugspersonen frei wählen dürfen», so Sabina Fejzulahi weiter. In Gruppen- ebenso wie in Einzelgesprächen sind Themen wie Ausbildung, Schule und das Beziehungsnetz Schlagworte. Aber auch anstehende Abstimmungen werden zur Sprache gebracht. Terminiert sind diese Gespräche nicht, sie entstehen spontan im Zusammensein. Der Vergleich zum damaligen Freizeithaus ist also gar nicht so abwegig. (cn)

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