Interview
Präsident Jürg Schadegg vor dem letzten NLA-Hinrundenspiel des BC Uzwil: «Man sollte uns noch nicht abschreiben»

Der Badmintonclub Uzwil ist nach sechs Partien auf dem zweitletzten Tabellenrang klassiert. Das ist weit unter den Erwartungen des dreifachen Schweizer Meisters. Präsident Jürg Schadegg bleibt dennoch optimistisch. Im Interview nimmt er die Führungsspieler in die Pflicht und äussert sich zum Nachwuchs.

Interview: Urs Nobel
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Haben ihr Lachen nicht verloren (von links): Jürg Schadegg, Spielertrainer Iztok Utrosa und der Ukrainer Artem Pochtarev. (Bild: Matthias Zindel)

Haben ihr Lachen nicht verloren (von links): Jürg Schadegg, Spielertrainer Iztok Utrosa und der Ukrainer Artem Pochtarev. (Bild: Matthias Zindel)

Vor dem letzten Hinrundenspiel gegen Zürich ist der Badmintonclub Uzwil auf dem ungewohnten zweitletzten Rang der NLA klassiert. Der Vorsprung auf den Tabellenletzten Lausanne beträgt nur zwei Punkte. Die Uzwiler waren sich bewusst, dass ihnen nach dem dritten Meistertitel eine schwierige Saison bevorstehen würde, setzen sie doch vermehrt auf Spieler aus dem Nachwuchs. Trotzdem: Mit dem Fall bis fast ans Tabellenende haben auch die Untertoggenburger kaum gerechnet. Präsident Jürg Schadegg weiss um die Gründe dieser Situation, aber auch was zu tun ist, um daraus herauszukommen.

Wie kommt der Verein mit der Tabellenlage zurecht?

Jürg Schadegg: Natürlich sind wir mit dieser Platzierung nicht zufrieden. Unsere Ansprüche und Ambitionen als Schweizer Meister sind deutlich höher. Wir waren uns bewusst, dass der Saisonstart eine Herausforderung wird. Wir haben uns das Ganze aber doch etwas anders vorgestellt. Wir konnten bisher kaum einmal in Vollbesetzung spielen und spürten die Abgänge von Christian Bösiger, Cendrine Hantz und Tenzin Pelling doch deutlicher als erwartet. Weil wir aber unsere Führungsspieler im Verein halten konnten, gingen wir davon aus, dass diese doch die notwendigen Punkte für den BC Uzwil liefern würden.

Genau diese Führungsspieler haben jetzt aber doch mehrheitlich enttäuscht?

Ja, das kann man so sagen. Aber man muss auch sehen, dass uns beispielsweise unsere Nummer eins, der Ukrainer Artem Pochtarev, in den ersten vier Spielen fehlte – weil er internationale Turniere bestritt, um sich für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu qualifizieren. Man hat es Anfang November gesehen: Jetzt, wo er wieder da ist, kommt es bereits besser. Pochtarev spielte ausgezeichnet und übernimmt Verantwortung. Nun müssen einfach die anderen Führungsspieler auch noch mitziehen.

Welche Gewichtung wird den Nachwuchsspielern beigemessen?

Unsere Strategie ist klar: Wir wollen mit ihnen den eingeschlagenen Weg weitergehen. Sie spielen eine wichtige Rolle, weil wir mittelfristig doch ein komplett neues Team aufbauen möchten. Uns ist dabei bewusst, dass sie auch jenen Formschwankungen unterliegen, denen junge Spieler ausgesetzt sind. Auf jeden Fall wollen wir ihnen die nötige Zeit geben. Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass wir das Blatt noch wenden können.

Heisst das, dass das Playoff für den BC Uzwil immer noch realistisch ist?

Trotz dem zweitletzten Rang sind wir lediglich zwei Punkte hinter dem Tabellenzweiten. Und wenn ich sehe, wie viele Punkte wir bisher unnötig vergeben haben, liegt noch was drin. In der Rückrunde dürfen wir die engen Spiele einfach nicht mehr verlieren. Wir werden auf jeden Fall die nötigen Schlüsse für die Rückrunde ziehen, aber auch alle Spieler in die Verantwortung nehmen.

Die Schwierigkeit dabei dürfte sein, dass der grosse Teil der ersten Mannschaft gar nie in Uzwil trainiert – ausgenommen das Abschlusstraining. Immerhin könnten die Führungsspieler auch eine Vorbildfunktion auf andere junge Spieler in der Halle ausüben?

Die Spieler täglich bei uns im Training zu haben, ist ein grosser Wunsch. Aber schwierig umzusetzen. Die Verbände geben klar vor, dass nationale Führungsspieler in ihren Leistungszentren trainieren müssen. Ich hätte gerne immer alle Leistungsspieler bei uns, als Vorzeigeathleten und Idole für unseren Nachwuchs. Gleichzeitig gilt es aber auch zu bedenken, dass dann die finanziellen Forderungen der Akteure steigen würden. Aber daran arbeiten wir.

Zum Schluss noch eine Prognose: Auf welchem Rang befindet sich der BC Uzwil nach dieser Saison?

Die Zielsetzung ist vorgegeben. Im Vorstand und bei den Spielern. Wir wollen das Playoff erreichen. Und ich bin ebenso davon überzeugt, dass dies möglich ist. Wenn wir ins Playoff einziehen, dann ist alles möglich. Das haben wir vergangene Saison mit dem Meistertitel bewiesen. Wenn wir in Bestbesetzung antreten, können wir jedes Team schlagen. Man sollte uns also noch nicht abschreiben.

Letztes Spiel der Hinrunde am Sonntag in Zürich

Mit einer starken Leistung am Sonntagnachmittag, ab 14 Uhr, gegen Zürich kann sich der BC Uzwil in dieser Runde zurück in die Playoffränge  spielen, also unter die ersten vier Mannschaften. Das ist durchaus ein realistisches Ziel. Zürich war in dieser Saison im Frauendoppel, im zweiten Männerdoppel und im Mixeddoppel stark. Doch in den weiteren Disziplinen taten sich die Zürcher schwer. Besonders in den Männereinzeln fehlte die Überzeugung. Diese Chance müssen die Uzwiler packen. Das weiss auch Spielertrainer Iztok Utrosa. Für ihn und seine Mannschaft zählt am Sonntag nur der Sieg. Fraglich ist noch die Personalie von Julien Scheiwiller. Er kämpfte zuletzt mit Knieproblemen und verzichtet allenfalls weiterhin auf Einsätze. (zin)