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Dienstälteste Wiler Wirtin: «Man muss für die Gäste da sein»

Carmen Oberkofler ist seit 30 Jahren Wirtin im Restaurant Schiff. Im Interview redet die 62-jährige Wilerin über die wertvolle Fastnachtzeit, das veränderte Konsumverhalten der Jungen und das aktuelle Beizensterben.
Nicola Ryser
O’ zapft is in Wil: Seit 30 Jahren bedient Carmen Oberkofler die Gäste des Restaurants Schiff. Vor allem während der Fastnachtszeit hat sie alle Hände voll zu tun. (Bild: Nicola Ryser)

O’ zapft is in Wil: Seit 30 Jahren bedient Carmen Oberkofler die Gäste des Restaurants Schiff. Vor allem während der Fastnachtszeit hat sie alle Hände voll zu tun. (Bild: Nicola Ryser)

Carmen Oberkofler, wissen Sie, dass Sie aktuell die dienstälteste Gastwirtin der Stadt sind?

Ich musste zuerst auch kurz überlegen, aber tatsächlich ist das der Fall. Unglaublich. Als ich hierherkam und das Restaurant Schiff übernahm, war ich eine der jüngsten. So jung, dass die anderen Wirten mir gerade mal ein halbes Jahr gaben, bis ich wieder aussteigen würde. Nun sind 30 Jahre daraus geworden.

1988 sind Sie in die Gastwirtschaft eingestiegen. Da haben Sie das Haus an der Mattstrasse gekauft. Was waren Ihre Beweggründe?

Meinem Mann gehörte damals bereits der Coiffeur-Salon. Eines Tages kam der Besitzer und sagte, dass er das Haus verkaufe. Da haben wir natürlich reagiert. So konnten wir das ganze Haus nutzen, mein Mann im Coiffeurgeschäft und ich im Restaurant. Wie sich später herausstellte, war das die ideale Ergänzung.

Wie war für Sie der Einstieg in die Branche?

Ich wusste zu Beginn nicht, ob ich es schaffen würde. Ich war 32 Jahre alt, Mutter zweier Kinder und hatte ursprünglich Damenschneiderin gelernt. Zwar hatte ich bereits im Service gearbeitet, doch war das Wirten schliesslich wohl einfach meine Berufung. Das Elternhaus meiner Mutter war bereits ein Gasthaus. Vielleicht hatte ich es schon immer im Blut. Das Restaurant lief dann sehr schnell sehr gut. Auch weil wir an der Fastnacht das erste Mal geöffnet hatten.

Wie wichtig war und ist die Fastnacht für das Restaurant Schiff?

Jedes Geschäft hat seine eigene Saison. Bei uns ist die Fastnacht der absolute Höhepunkt, die schönste Jahreszeit. Ich kenne die Fastnacht in Wil bereits aus meiner Jugend, darum habe ich auch damit begonnen. Für diese Zeit dekorieren wir jeweils das ganze Restaurant, das zieht die Leute an. Es herrscht Hochbetrieb, im Service arbeiten statt einer plötzlich drei oder vier Frauen. Hier geht dann die Post ab. Vor allem junge Menschen kommen während der Fastnacht zu uns.

Haben Sie sonst nicht so viel junge Kundschaft?

Die Kundschaft ist mit mir älter geworden. Damals als ich angefangen habe, waren die meisten zwischen 40 und 50 Jahre alt. Heute kommt es immer wieder vor, dass der eine oder andere plötzlich verstorben ist. Natürlich kommen immer wieder Vereine oder Jasser am Abend vorbei, aber irgendwie scheint es, als ob die Jungen ein anderes Konsumverhalten haben, sie gehen am Wochenende lieber in einen Club nach St.Gallen oder Winterthur als in eine Beiz.

Was hat sich sonst in den vergangenen 30 Jahren in der Gastwirtschaft-Szene verändert?

Die Dynamik ist anders, heute muss alles kurzfristig sein. Man muss sofort für die Gäste da sein, die stehen nämlich nicht gerne vor geschlossenen Türen. Darum haben wir ab halb acht Uhr durchgehend geöffnet, bieten Mittagsmenus an und schliessen abends erst spät. Einschneidend war das Rauchverbot in Restaurants sowie die Einführung der 0,5-Promille-Limite, die das Konsumverhalten nochmals gravierend beeinflussten. Ausserhalb der Fastnachtzeit müssen wir nun mehr um die Gäste kämpfen.

Ist das der Grund, warum heute so viele Restaurants schliessen und man deswegen von einem regelrechten Beizensterben spricht?

Ich glaube, immer mehr Leuten, die in den Betrieb einsteigen, mangelt es an Wissen und Durchhaltewillen. Sie denken, ein Hygiene-Kurs reicht, um für die Branche gefestigt zu sein. Zudem fehlt einigen auch das finanzielle Polster. Trotzdem kann ich mir das Beizensterben auch nicht ganz erklären. Rochaden gab es ja schon immer, also dass ein Kollege eine Beiz vom einem anderen übernahm. Heute will wohl einfach niemand die frei gewordenen Liegenschaften übernehmen.

Was braucht es dann, um als Gastwirtin oder Gastwirt zu «überleben»?

Man muss es natürlich gerne machen und den Kontakt zu anderen Menschen mögen, der Gast ist schliesslich König. Erfahrung ist ebenfalls sehr wichtig.

Von dieser haben Sie mehr als genug. Schielen Sie nicht langsam auf den Ruhestand?

Nein, im Gegenteil, ich denke nicht ans Aufhören. Drei Jahre werde ich mindestens noch arbeiten, vorausgesetzt die Gesundheit lässt dies zu. Danach schauen wir weiter.

Was bleibt Ihnen aus den vergangenen dreissig Jahren im Schiff am meisten im Kopf?

Es gab viele Feten und lustige Abende, doch die Fastnachtstage sind für mich die denkwürdigsten. 33 Tage Rambazamba – und das jedes Jahr. Die Leute sind dann offen und herzlich. Sie sind dankbar, dass ich das mache und ich bin dankbar, dass sie vorbeikommen.

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