Mammut-Trommeln am Bodensee

DEGERSHEIM. Oliver Lüttin gibt Baumstämmen eine Seele, weist ihnen – transformiert zu Skulpturen oder Instrumenten – den Weg in eine neue Zukunft. Vom 12. bis 27. September ist der Degersheimer mit Trommeln aus Sequoia an der Arbonale präsent.

Andrea Häusler
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Scheibenweise hat der Degersheimer Künstler den zersägten Stamm mit der Kettensäge ausgehöhlt. (Bild: Urs Anderegg)

Scheibenweise hat der Degersheimer Künstler den zersägten Stamm mit der Kettensäge ausgehöhlt. (Bild: Urs Anderegg)

Lüttin, der Baumkünstler, wirkt sichtlich zufrieden. Entspannt lehnt er an einer Sequoia-Trommel, deren Holz aus dem Garten von Frank A. Meyer stammt und die jetzt in seinem Klangatelier in Degersheim steht. Glückliche Zufälle, sagt er, hätten sich richtiggehend summiert. Damit meint er die Teilnahme an der Arbonale und den Zeitpunkt im Herbst dieses Jahres: «Ich hatte ohnehin vor, wieder aktiver in die Öffentlichkeit zu treten.»

Zugefallen sei ihm auch die kapitale Sequoia, der Trommelbaum, der nun in Arbon auf das kunstinteressierte Publikum wartet. Das war vor sieben Jahren. «Während einer Führung hier in der Klangarena machte mich ein Teilnehmer auf einen vertrockneten Mammutbaum vor dem Konstanzer Casino aufmerksam.» Lüttin liess sich nicht bitten. Denn die Idee, aus einer Sequoia riesige Trommeln zu bauen und ihr damit wieder Leben einzuhauchen, hatte er schon länger. Mit vereinter Kraft wurde der rund 30 Meter hohe und rund 26 Tonnen schwere Gigant etappenweise gefällt und schliesslich nach Degersheim überführt.

Umgang mit den Ressourcen

Während wie vieler Stunden Oliver Lüttin die Stammteile mit einer Kettensäge ausgehöhlt hat, weiss er nicht. Der Aufwand war und ist ihm auch ziemlich egal. Denn für ihn ist der Trommelbau weit mehr als die Herstellung eines Instruments. «Und, Profitdenken kann bei einem solchen Projekt ohnehin nicht die Triebfeder sein», sagt der Künstler und räumt ein: «Einige Trommeln eignen sich nicht einmal wirklich zum Spielen, sind eher exklusive Möbelstücke.» Jene beispielsweise, die nicht mit Haut, sondern mit langhaarigem Fell bespannt seien.

Die Freude am Trommeln zu wecken, sei sowieso nur ein Ziel des Mammuttrommeln-Baus, sagt Lüttin. Mit Fellen verschiedenster Tiere wolle er auf die Biodiversität hinweisen und mit der Verarbeitung des Sequoia-Holzes zum sorgsamen Umgang mit den Ressourcen mahnen. Zumal das Holz des Mammutbaums im Gewerbebereich kaum Verwendung finde. Obwohl die Struktur, die leicht rötliche Farbe und die Dauerhaftigkeit für verschiedenste Produkte geradezu prädestiniert wären. «Keine Sägerei kann das Holz des Mammutbaums verarbeiten», sagt Oliver Lüttin.

Schmetterlingsschwärme

Neun Trommeln sind vom 12. bis 27. September an der Arbonale auf dem Zikzakzuk-Areal von Arbon ausgestellt – mit den übrigen, nicht verarbeiteten Stammteilen zu einer Art Installation zusammengeführt. Was er mit den noch nahezu jungfräulichen Holzrondellen anfangen will, weiss Lüttin noch nicht. Sicher ist nur, dass er sie künstlerisch verarbeiten wird – irgendwann. Wenngleich er sich zu Hause in Degersheim immer wieder mit Platzproblemen konfrontiert sieht. Genauso wie in Arbon. Bereits vergangenes Jahr hätte er die Möglichkeit gehabt, dort auszustellen, aber es fehlte schlicht eine passende Halle.

Kreativ «verwertet» werden übrigens auch die Bretter, die nach dem Aushöhlen des Stamms zurückgeblieben sind. Der Degersheimer Baumkünstler fertigt daraus Schmetterlinge – ganze Schwärme von Faltern.

Der 30 Meter hohe Mammutbaum stand einst vor dem Casino in Konstanz. Jetzt präsentiert Oliver Lüttin den Stamm – verarbeitet zu 28 Trommeln – an der Arbonale 2015 in Arbon. (Bilder: pd)

Der 30 Meter hohe Mammutbaum stand einst vor dem Casino in Konstanz. Jetzt präsentiert Oliver Lüttin den Stamm – verarbeitet zu 28 Trommeln – an der Arbonale 2015 in Arbon. (Bilder: pd)