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«Malen ist wie meditieren»: Niederuzwilerin geht ihrer Leidenschaft nach

Für die Dora Koller ist Malen mehr als ein Hobby. Sie spricht über ihre Inspiration, wie sich ihr Stil verändert hat und was ihr das Malen gibt. Ihre Werke werden ab 20. Oktober in der Galerie zur alten Bank gezeigt.
Angelina Donati
Das abstrakte Zeichnen und Malen sagt Dora Koller besonders zu. (Bild: Angelina Donati)

Das abstrakte Zeichnen und Malen sagt Dora Koller besonders zu. (Bild: Angelina Donati)

Ein künstlerisches Werk braucht seine Zeit. Nur mal einen Blitzbesuch im Atelier reicht nicht aus, um richtig in die Welt des Malens einzutauchen, ist Dora Koller aus dem thurgauischen St. Margarethen überzeugt. Um richtig hineinzufinden, seien mehrere Stunden am Stück vonnöten, sagt die 66-Jährige. Ihren Ruhestand sieht die einstige Sekundarlehrerin denn als grosses Privileg an.

Malen und Zeichnen hatten seit jeher einen hohen Stellenwert in ihren Leben. «Malen war für mich schon immer mehr als nur ein Hobby.» Mehr als ein schöner Ausgleich zur Mutterrolle dreier Kinder. So besuchte sie in früheren Jahren fortlaufend Weiterbildungen an der Schule für Gestaltung in St. Gallen. Besonders das freie Malen, also einen eigenen Stil entwickeln zu können, sagte ihr zu.

Raum genauso wichtig wie die Figur

Bald stellte sich heraus, dass sich Dora Koller in ihrem Schaffen vor allem für menschliche Figuren interessiert. Fast 30 Jahre habe sie mit grosser Leidenschaft Akt gemalt. Das Betrachten und das Abbilden des nackten Körpers eines fremden Menschen sei für sie spannend gewesen, erzählt sie. Es geht dabei um eine Person, die in einer möglichst diskreten Position auf einem Stuhl oder einem Tisch sitzt. Genau diese Sitzgelegenheit und die Umgebung waren es, denen die Künstlerin eine immer noch grössere Bedeutung einräumte. Sie gab dem Raum sozusagen mehr Raum. «Ich stellte fest, dass der Raum genauso wichtig ist wie die Figur selbst», sagt Dora Koller. Nach und nach wurden ihre Skizzen abstrakter und ein Spiel zwischen Realität und Fantasie hat begonnen.

Dem Thema Atelier, also Bildern, die in ihrem Atelier im Frauenfelder Eisenwerk und inspiriert durch dessen Räume entstanden sind, widmet sich die Thurgauerin nun ihrer aktuellen Ausstellung in der Galerie zur alten Bank in Niederuzwil. Insgesamt werden rund 40 Werke gezeigt, darunter auch einige Collagen und andere Malarbeiten, die aus einer Mischtechnik entstanden sind.

Plötzlich malt es sich wie von selbst

Neue Ideen für ihre Werke holt sich Dora Koller auch aus der Natur, etwa beim sonntäglichen Spaziergang mit ihrem Mann am Bodensee oder anderen Ausflügen zu Fuss oder mit dem Velo. «Wenn auch unbewusst», sagt die Künstlerin. Dass sie sich draussen, ausgerüstet mit Stift und Papier, aufhalte, komme so gut wie nie vor. «Meine Eindrücke fliessen danach in die Bilder ein», sagt sie und fügt hinzu:

«Durch das Malen lernt man sehr gut zu beobachten.»

Ehemalige Schüler erkennt die Thurgauerin nach Jahrzehnten noch an ihrer Nasenform, wie sie mit einem Schmunzeln erzählt. «Malen ist für mich wie meditieren», sagt sie. «Man ist richtig präsent, schaltet die Gedanken aus, und plötzlich malt es sich wie von selbst.» Natürlich gelinge aber auch ihr nicht jedes Werk, oder es braucht eine Nachbesserung. Sobald aber das unvollendete Bild ein paar Tage beiseitegelegt wird, könne es wieder mit objektiver Sicht betrachtet und schliesslich zu Ende gebracht werden.

Auch im Alter lernfähig bleiben

Genau so wie das unaufhaltbare Gelingen von Werken gebe es aber auch Auszeiten, die sich Dora Koller von ihrer Beschäftigung nimmt. Nahezu täglich sei sie im Sommer in einem Naturweiher schwimmen gegangen, was sie als «wunderbaren Ausgleich» bezeichnet. Und aktuell sind es Sachbücher über den Menschen, die sie mit grosser Begeisterung liest. Ausserdem wollte sie ihre Englischkenntnisse während eines Sprachaufenthalts in Cambridge auffrischen. Weil dem Unterricht nur Teenager beiwohnten, die zudem nur am Handy klebten, machte Dora Koller Reissaus und besichtigte die Gegend auf eigene Faust. Was ihrer Sprachauffrischung dann doch noch zugutekam. «Ich habe mit so vielen Leuten geredet, sie einfach angesprochen. Das hätte ich mich früher wohl nicht getraut.»

Auch im Alter sei es ihr wichtig, lernfähig zu bleiben. Während beim Malen die eine Hirnhälfte angekurbelt werde, müsse zu gleichen Teilen auch die andere Hälfte trainiert werden. «Das ist offenbar ein Bedürfnis, das ich momentan habe», sagt sie und schmunzelt. Bereits jetzt weiss sie, dass sie sich bestimmt ganz bald auch dem Malen wieder widmen wird. Denn diese Leidenschaft hat sie noch nie losgelassen.

Hinweis
Vernissage «Atelier – Collagen, Zeichnungen und Malerei», Samstag, 20. Oktober, um 16 Uhr, Galerie zur alten Bank.

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