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Malen gegen den Trend, weil das Schöne nicht mehr gefragt ist

Spaziergänge rund um Wil inspirieren Arthur Wyss zu seinen Bildern. Denn Schönes will er mit seinen Bildern zeigen, auch wenn Schönes derzeit nicht gefragt sei.
Daniela Huijser
Sieht sich als Maler, nicht als Künstler: Arthur Wyss in seinem Atelier bei der Arbeit. Im Hintergrund einige seiner neuesten Bilder mit Landschaften in den vier Jahreszeiten. (Bilder: Ralph Ribi)

Sieht sich als Maler, nicht als Künstler: Arthur Wyss in seinem Atelier bei der Arbeit. Im Hintergrund einige seiner neuesten Bilder mit Landschaften in den vier Jahreszeiten. (Bilder: Ralph Ribi)

Trends sind nicht seine Sache. Arthur Wyss macht das, was für ihn sowie die Farben und die Umgebung das Richtige ist. Er malt Landschaften, Bilder zur Farbenlehre, Sujets aus der Natur, Blumen, Blätter, Schmetterlinge. Manchmal deutlich erkennbar, dann wieder interpretierbar in einer Fülle starker Farben. Aus vielen feinen Linien entstehen Bilder, die Schönes zeigen. Und so eben nicht dem aktuellen Trend entsprechen. «Schönes ist derzeit gar nicht gefragt. Terror, Krieg, Blut, das braucht es heute, um Aufmerksamkeit zu erregen», sagt der 69-Jährige mit dem silbernen, kinnlangen Haar und dem wachen Blick und schüttelt den Kopf. Dass ein gesunkenes Flüchtlingsboot an der Biennale in Venedig von einem Künstler ausgestellt und von Besuchern begafft werde, könne er nicht verstehen. Solcher Voyeurismus ist ihm zuwider.

Blick in die Natur

Ruhe und glückliche Stunden findet Arthur Wyss in der Natur, auf langen Spaziergängen gemeinsam mit seiner Partnerin. Er liebt den Wald, das Wasser und Ausblicke auf Land und Berge. Früher hatte er immer ein Skizzenblöckchen dabei und brachte Eindrücke in wenigen Linien zu Papier, um sie später – manchmal Jahre später – im Atelier zu farbigen Acrylbildern zu verarbeiten. «Dann kam eine Phase, in der ich eine Kamera dabei hatte. Doch Fotos genügten mir farblich nie, höchstens formal», erzählt der Maler. «Und dafür brauche ich keine Kamera mitzunehmen, also nehme ich Eindrücke heute mit dem Handy auf.» Aber nur wenige Fotos knipse er. «Ich darf schliesslich das Schauen, den Blick in die direkte Natur, wegen der Kameralinse nicht übersehen.»

Per Zufall nach Wil

Während Arthur Wyss erzählt, hat es sich Spitz, der burmesische Kater, vor ihm auf dem Tisch gemütlich gemacht. Liegt schnurrend da und lässt sich streicheln. Draussen im Garten spaziert Katze Shandy durchs Gras. Auch hier, in Wyss’ Zuhause am Rand von Rossrüti, ist die Natur nahe. Seit 24 Jahren lebt der Maler in Rossrüti und schätzt sein geräumiges, helles Haus mit viel Grün drumherum. «In einer Stadt müsste ich heute nicht mehr leben. Das war toll zu meiner Studienzeit.»

Rossrüti - Arthur Wyss Wiler Künstler Maler

Rossrüti - Arthur Wyss Wiler Künstler Maler

Damals fand der junge Mann, der in einem kleinen Solothurner Dorf aufgewachsen war, das Leben in Zürich faszinierend. Auch nach dem Studium blieb er in der Grossstadt, arbeitete an verschiedenen Orten als Zeichenlehrer und hatte keinen Bezug zur Ostschweiz. Das änderte sich vor 42 Jahren durch eine zufällige Begegnung im Zug. Ein Kollege war unterwegs nach Wil, wollte dort über die Gründung einer Rudolf-Steiner-Schule reden. Spontan begleitete ihn Arthur Wyss. Und wurde, fast unfreiwillig, zum Mitgründer jener Schule. Der Maler blieb 20 Jahre involviert, arbeitete als Klassenlehrer, als Werklehrer, als Theaterleiter.

Noch heute gibt Arthur Wyss sein Wissen weiter: Wer gerne malt, der profitiert in seinen Kursen vom Können des leidenschaftlichen Künstlers. Eine Bezeichnung, die Arthur Wyss selber übrigens nicht verwendet. Er sei Maler, fertig. Das Lehren bereite ihm auch mit fast 70 immer noch Freude. «Sonst müsste ich aufhören. Aber ich schätze den Kontakt nach aussen und nehme jeden Schüler so an, wie er ist.» Es seien vorwiegend Jugendliche, die eine künstlerische Laufbahn anstreben, und Pensionierte, die ihr Hobby vertiefen wollen. «Und gelegentlich kommen auch Menschen, die beruflich im Stress sind und beim Malen herunterfahren wollen. Das bringt mich dazu, selber ganz ruhig zu sein», sagt der Kursleiter, der die Entstehung eines Bildes so beschreibt: «Das Bilden wird ein beinahe meditativer Vorgang. Ein Dienst an den Farben, ein Dienen – auch wenn dieser Begriff in unserer Zeit des Schnäppchenhaschens weit entfernt liegt vom allgemein gültigen Geld verdienen, arbeiten genannt.»

Gerne «schrübeln»

Wenn Arthur Wyss in das Malen eines Bildes versinkt, begleitet ihn manchmal klassische Musik. Genauso gern malt er aber in Ruhe. Zieht Linie um Linie, bis ihm manchmal die Hand ermüdet, die das metallene Lineal hält, an dem der Pinsel entlanggeführt wird. Eine Eigenkonstruktion, die verhindert, dass die Farbe beim Auftragen verschmiert. Arthur Wyss ist ein Tüftler, der gerne sucht. Auf einem Tisch im Atelier steht eine Konstruktion aus Karton und Wellkarton; Räder, die sich drehen und ineinandergreifen. «Mechanik tut mir gut. Denn da gibt es null Toleranz», sagt Wyss. «Im Gegensatz zum Malen, wo man ‹schummeln› kann, wenn es formal ungenügend ist.» Die Mechanik schule das präzise Denken. «Und deshalb ‹schrüble› ich gelegentlich gerne etwas zusammen, einfach um zu schauen, ob es funktioniert.»

Schönes zeigen

Nicht «geschrübelt», aber sehr präzise ist das Kartonmodell der Wiler Lokremise, das in einer Ecke an der Wand lehnt. Der Grundriss mit Wänden ist nachgebaut, dazwischen ziehen sich Stellwände durch den grossen Raum. Die grosse Einzelausstellung, die Arthur Wyss im September 2020 plant, verlangt schon jetzt nach Vorbereitungen. Auch der Titel steht bereits fest: «Rühmen – das ist’s!» heisst das Thema. Die Zeile von Rainer Maria Rilke drückt den Anspruch aus, den Arthur Wyss für seine Bilder erhebt: Das Schöne zu zeigen, mit ästhetischen Bildern eine «erfreuliche Sicht» auf die Natur zu geben und Verantwortung für das hingestellte Werk zu übernehmen – was heute oft fehlt.

Diese Überzeugung ahnt Wyss auch bei Autor Christian Saehrendt, dessen «Gebrauchsanweisung für moderne Kunst» er gerade liest. Lesen ist eine weitere Leidenschaft des Malers. Mehrere Büchergestelle sind voll mit Kunstbüchern und Biografien. In Letztere vertieft sich Arthur Wyss immer wieder. «Dabei stelle ich fest, dass es anderen Malern ähnlich ergangen ist, wie mir: Im Alter überlegt man mehr, nimmt sich mehr Zeit, vertieft das Vertraute.»

Etwas Neues wäre für ihn das Malen von Porträts. «Das würde ich gerne, traue mich aber nicht. Ich glaube nicht, dass ich einem Menschen in der Tiefe gerecht werden könnte.» Stillstehen wird Arthur Wyss nicht. Derzeit hat er Bildmotive in Arbeit, die schon länger in ihm schlummern. Details mag er noch nicht verraten, nur so viel gibt er preis: «Wenn es gelingt, werden die Bilder dann in einem Jahr in der Lokremise Wil zu sehen sein.»

Hinweis www.arthurwyss.ch

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