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Manchmal malt sie bis in die frühen Morgenstunden - und geht danach wieder arbeiten

Philine Brun aus Niederuzwil befindet sich auf dem Weg zur Künstlerin. Demnächst stellt sie ihre Bilder erstmals aus.
Tobias Söldi
Mehr als nur ein Zeitvertreib: «Wenn ich nicht male, werde ich unruhig und bin unausgeglichen», sagt Philine Brun. (Bild: Tobias Söldi)

Mehr als nur ein Zeitvertreib: «Wenn ich nicht male, werde ich unruhig und bin unausgeglichen», sagt Philine Brun. (Bild: Tobias Söldi)

Man merkt schnell, dass in diesem Haus in Niederuzwil kreative Menschen wohnen: An der Wand des Gartenhäuschens im verwilderten Garten prangt ein farbenprächtig gemalter Tukan, neben dem Haus steht ein alter Zirkuswagen, und vor der Haustüre begrüsst eine bunt bemalte Säule die Ankömmlinge.

«Ja, das Kreative liegt in der Familie», sagt Philine Brun. Ihre Mutter, Sozialarbeiterin, bastelt gerne, ihr Vater, Buchhalter, hat eine Leidenschaft für den Zirkus, ihre jüngere Schwester tanzt. Und sie, die Tochter, ist der Malerei verfallen.

Einige ältere, viele neue Bilder

Nun präsentiert die 19-Jährige erstmals einige Werke in einer kleinen Ausstellung in Zürich. Mit mehr Glück als Verstand sei es dazu gekommen, erzählt sie. Schon vor einem Jahr wollte die Tante einer Kollegin in ihrer Arztpraxis einige Bilder aufhängen. «Damals war ich aber nicht zufrieden mit dem, was ich ausstellen hätte können.» Nun, nach einem Jahr intensiver Malarbeit, sieht es anders aus, und Brun präsentiert einige ältere, vor allem aber viele neue Bilder, die im vergangenen Jahr entstanden sind.

Ausstellung in Zürich

Vernissage ist am Sonntag, 4. August, von 16 bis ca. 19.30 Uhr. Am 9. September lädt die Künstlerin zum persönlichen Austausch, ebenfalls zwischen 16 und 19.30 Uhr. Finissage ist am 19. Oktober von 10 bis 13 Uhr. Die Ausstellung ist nur während dieser Zeiten öffentlich zugänglich. (pd)

Ein Gefühl, eine Stimmung vermitteln

Es sind ausdrucksstarke Werke, in kräftigen, teilweise verfremdeten Farben und mit Schwung gemalt, die Erinnerungen an die Kunst des Expressionismus wecken, einer Stilrichtung des frühen 20. Jahrhunderts. Und in der Tat sagt Brun: «Ich mag die Kunst der 1920er-Jahre: ihre Farbigkeit, die Formen, die Abstraktionen.»

Nachdenkliche Porträts, menschenleere Landschaften, abstrakte Farbkompositionen – die Sujets von Bruns Bildern sind ganz unterschiedlich. Ihr geht es denn auch weniger um den gemalten Gegenstand oder die Figuren als vielmehr darum, ein Gefühl, eine Stimmung zu vermitteln. Sie beschreibt:

«Die Bilder kommen irgendwie aus mir heraus.»

Um an einem Bild zu arbeiten, müsse sie jeweils in der richtigen Stimmung sein.

«Ruhe nach dem Sturm» (Acryl auf Leinwand, 60x49,5 cm)«Ruhe nach dem Sturm» (Acryl auf Leinwand, 60x49,5 cm)
«Melancholie» (Acryl auf Leinwand, 50x50 cm)«Melancholie» (Acryl auf Leinwand, 50x50 cm)
«Steinlandschaft» (Öl auf Leinwand, 44x52 cm)«Steinlandschaft» (Öl auf Leinwand, 44x52 cm)
4 Bilder

Philine Brun

Das passiert oft am Abend, arbeitet Brun doch tagsüber in der Papeterie Bischoff AG in Rickenbach, wo sie zurzeit eine Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau macht. Dann malt sie manchmal bis in den frühen Morgen. «Das kommt schon ab und zu vor», sagt sie. Am nächsten Tag stehe sie aber immer zeitig im Papeteriegeschäft. «Kaffee hilft», sagt sie. Und ergänzt mit einem Grinsen: «Manchmal frage ich meine Arbeitskollegen, ob sie etwas merken – aber das scheint nicht der Fall zu sein.»

Andere Werke wiederum entstehen in einem gemächlicheren Tempo, bleiben auch mal für einige Wochen oder gar Monate liegen, bevor Brun daran weiterarbeitet. «Ruhe nach dem Sturm» zum Beispiel, inspiriert von schottischen Landschaften, sei ganz anders herausgekommen, als ursprünglich geplant.

«Manche Bilder wachsen, ohne dass ich recht weiss, wie.»

Mehr Zeit für die Malerei

Die Niederuzwilerin malt seit nunmehr sechs Jahren. Gefunkt hat es an einem Informationsanlass am Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum St.Gallen zum gestalterischen Vorkurs: «Das war genau das, was ich gesucht habe.» In der Folge hat sie sich während zwei Jahren beim Wiler Maler Arthur Wyss auf den Kurs vorbereitet – «Ich wusste ja gar nicht, ob ich das überhaupt kann» – und dann die Aufnahmeprüfung zum Vorkurs bestanden.

Seither ist klar: «Es ist mein Traum, zu malen.» Die Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau, die sie aktuell absolviert, sieht sie als eine berufliche Grundlage, auf die sie später zurückgreifen kann. «Es ist etwas anderes, aber ich mag den Kundenkontakt und die Arbeit mit den verschiedenen Materialien einer Papeterie.»

Nächstes Jahr aber, nach Abschluss der Lehre, will sie den Fokus verstärkt aufs Malen legen und Teilzeit arbeiten.

«Ich möchte mehr Zeit mit Malen verbringen. Das Wochenende und die Abende, das reicht nicht.»

Ausstellungen, Videoprojekte, Skulpturen, Fotografien, Installationen – «Ich habe viele Ideen, die liegen bleiben.»

Hinweis: www.philinebrun.com

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