Mal lachen, mal lächeln

Lachen ist bei näherer Betrachtung eine ernste Sache. Das fängt schon im Kindesalter an.

Hans Suter
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Bild: Hans Suter

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Lachen ist bei näherer Betrachtung eine ernste Sache. Das fängt schon im Kindesalter an. Klagt ein Sprössling mit weinerlicher Stimme über Hunger und verlangt nach einer Süssigkeit, so ist die Chance, diese zu erhalten, bei ernster Mine weitaus grösser, als wenn er über das ganze Gesicht lachend sagen würde: «Was für ein wundervoller Tag, mich gelüstet nach einem Erdbeertörtchen.»

Die Erfahrung, dass Lachen nicht immer so gesund ist wie gemeinhin behauptet, musste auch ein gut einjähriges Mädchen eines Morgens im Coop in Wil machen. Es sass brav im Einkaufswägelchen und beschäftigte sich mit einer Packung Pommes-Chips. Als die Tüte mit einem Ruck aufriss und sich gelbe Chips über den ganzen Einkaufswagen verteilten, lachte es freudvoll heraus und schüttelte die Packung noch fester. Das herzhafte Lachen wirkte ansteckend. Von allen Seiten kam ein Lächeln zurück. Nur ein Gesicht blieb ernst: jenes der wie eine Furie heranstampfenden Mutter. Die Kleine merkte schnell, dass Mama kein Lächeln schenken mochte, und begann vorsorglich zu weinen. Das war der Mutter aber auch nicht recht, und so wusste das Mädchen innert Sekunden nicht mehr, ob es nun lachen oder weinen soll. Dabei hatte der Tag so gut begonnen.

Unangenehm kann es auch werden, wenn man dem Sprichwort «Humor ist, wenn man trotzdem lacht» allzu viel Glauben schenkt. Ein etwa achtjähriger Junge aus Wil könnte ein Lied davon singen. Er beobachtete in der Fussgängerzone, wie einer coolen jungen Frau das vollgestopfte Gratis-Plastiksäckchen platzte und der Einkauf zu Boden fiel. Sie schmiss die brennende Zigarette weg und bückte sich fluchend nach dem Eingekauften. Dabei rutschte ihr der modische Mini hoch und gab dem Jungen den Blick auf etwas frei, für das er sich mehr und mehr zu interessieren begann. Vor lauter Glück lachte es lauthals aus ihm heraus, was ihm eine schallende Ohrfeige einbrachte.

Dennoch merke man sich: «Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag.» Der dies sagte ist einer, der es wissen musste: Charlie Chaplin. Der italienische Schriftsteller, Journalist und Diplomat Curzio Malaparte folgerte: «Jedesmal, wenn ein Mensch lacht, fügt er seinem Leben ein paar Tage hinzu.»

hans.suter@wilerzeitung.ch

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