Computermonitor statt Eventbühne: Band-X-Contest-Qualifikation in Wil via Livestream

Samstagabend, Gare de Lion in Wil. Sechs Nachwuchsbands stehen auf der Bühne. Es ist die siebte Qualifikation für das Finale des diesjährigen Band-X-Ost-Contests. Zuschauer? Keine. Doch die Macher haben einen Livestream eingerichtet, auch für diese Zeitung eine neue Erfahrung, über einen Wettbewerb zu berichten, der im Homeoffice mitverfolgt wird.

Christoph Heer
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Eventfeeling im Homeoffice: Die Veranstalter streamten die Auftritte im Gare de Lion live ins Wohnzimmer.

Eventfeeling im Homeoffice: Die Veranstalter streamten die Auftritte im Gare de Lion live ins Wohnzimmer.

Bild: Christoph Heer

Der Vorspann läuft, 20 Uhr ist vorbei, klappt das mit dem Livestream? 20.14 Uhr es beginnt, Raoul Hüppi begrüsst die Zuschauer vor den Computern, aktuell sind 44 User online. Und losgeht’s. Hip-Hop von und mit «Akela». Noch keine 20 Jahre jung und schon ausgestattet mit viel Groove und Vibes – Hühnerhaut. Moderator Raoul Hüppi tritt erneut auf die Bühne und erklärt, dass der Publikumspreis heuer via Instagram-Voting stattfindet. Seine Maske sitzt, sein Bart auch und «Akela» verschwindet in Richtung Jury-Voting. 15 Minuten Pause.

Teilnehmerzahl vor den PC-Monitoren steigt

Zweiter Act, Mainstreet Factory. 65 User sind online, das Mikrofon ist desinfiziert und eine musikalische Mischung aus Rock, Funk Blues und Pop, gepaart mit grandioser Lichtshow, umhüllt das Homeoffice «es fägt». Pause.

«Jo, what’s up, my Name is Rapture Boy.» Der musikalische Einstieg des gebürtigen Südafrikaners mit Wohnsitz in der Schweiz lässt keine Zweifel offen – Hip-Hop ist angesagt. Bernhard Shaquille, wie er mit bürgerlichem Namen heisst, steht für die hungrige, junge Rap-Generation. 63 User werden aktuell ihre Hände vor dem Bildschirm auf und ab bewegen.

Dabei sein und dennoch aussen vor bleiben

Ein Zwischenfazit gefällig? Natürlich ist es nicht zu vergleichen, wie wenn man im Gare de Lion live dabei sein könnte, doch irgendwie macht das Ganze auch via Livestream Spass; und das Wichtigste – zumindest für die Bands – ist doch augenscheinlich, dass sie auf der Bühne stehen können und sich direkt ihre Jurybewertung abholen können. Und noch ein kleines Detail gefällig? Bis jetzt keine einzige weibliche Musikerin auf der Bühne, ob sich das noch ändert? Pause.

Und siehe da. Vie & We, zwei Jungs und zwei Mädels. Rhythmischer Pop angereichert mit melodiösen Klängen und Synthi-Wellen. Gefällt, gewinnt aber nicht, so viel schon jetzt.

Zwei Stimmen entscheiden über Studio-Equipment

Es wird spannend. Eine Minute Zeit, sein Votum via Instagram abzugeben. Im Livestream sind 57 User. «Seid ihr aufgeregt? Habt ihr euch selber auch eine Stimme gegeben?», fragt Raoul Hüppi die Musiker und macht es spannend mit der Verkündigung des Publikumspreises. «Sehr knappes Ergebnis. Aber… Mainstreet Factory gewinnt ein Studio-Equipment und das mit lediglich zwei Voten unterschied», verkündet Hüppi; so spannend kann also auch ein Voting via Instagram sein.

Fazit? Natürlich ist ein Homeoffice mit einem Eventsaal nicht zu vergleichen. Nichtsdestotrotz, es hat Spass gemacht. Und ganz unwesentlich ist das ja nicht.