MAGDENAU: Wenn Chinesen die Bühne entern

Mit «Vier Chinesen mit dem Kontrabass» organisierte das Team des Abendmusikzyklus Flawil Gossau erstmals ein Familienkonzert. Für die Kleinen gab es Spassiges, für die Grossen Hochkarätiges.

Carola Nadler
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Die Jugendstil-Bühne im Saal des Klosterhofs Rössli in Magdenau bildete die eindrückliche Kulisse für das erste Familienkonzert des Abend­musikzyklus Flawil Gossau. (Bild: Carola Nadler)

Die Jugendstil-Bühne im Saal des Klosterhofs Rössli in Magdenau bildete die eindrückliche Kulisse für das erste Familienkonzert des Abend­musikzyklus Flawil Gossau. (Bild: Carola Nadler)

Carola Nadler

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Der Albtraum eines jeden Konzertveranstalters: Der Konzertbeginn rückt näher, aber von den Musikern keine Spur weit und breit. Da kann die Veranstalterin (Sängerin und Schauspielerin Anette Labusch) noch so das ­Handy traktieren: Wenn das weltberühmte Streichensemble Wolfgang Amadeus Magdenau mit Magdeburg verwechselt, nützt es ihr auch nichts, wenn die Musiker versprechen, bis spätestens 22 Uhr vor Ort zu sein. Dass dann ausgerechnet vier desorganisierte Chinesen mit einem Kontrabass huckepack durch den Saal trampeln, ist dem Nervenkostüm der Impresaria auch nicht gerade zuträglich. Und erst noch, als die Chaotenbande über die Bühne herfällt, sich auf die Violinen des pendenten Streichensembles stürzt und diese durch Aufblasen zu weiteren Kontrabässen vergrössert. Doch halt – ein Kontrabass ist ja auch ein Instrument, vielleicht könnte man...

Wissen spielerisch vermittelt

Flugs sind die vier Chinesen engagiert, müssen aber noch ein Casting über sich ergehen lassen: «Können Sie auch ganz tiefe Töne spielen?» Selbstverständlich! Und mühelos wird auf der E-Saite gebrummelt, was das Zeug hält. Für den allertiefsten Ton muss sich ein Chinese freilich noch flach auf den Boden legen. Auch die höchsten Töne gelingen – von der Bühnendecke herab –und so ganz nebenbei erfahren dabei die Kinder im Publikum, was es mit den tiefen und hohen Tönen eines Kontrabasses auf sich hat, oder warum und wie ein Saitenintrument gestimmt wird. Auch ganz ganz schnell und ganz ganz langsam spielen können die Chinesen – ihres Zeichens drei Kontrabassisten und eine Kontrabassistin des Zürcher Tonhallenorchesters – und so steht dem Engagement nichts mehr im Weg. Ausser die Kleidung, doch auch das ist in den Seitengassen der Bühne schnell erledigt, wie die fliegenden Kleidungsstücke beweisen.

Erstes Konzert für Kinder

Der Abendmusikzyklus FlawilGossau hatte zu seinem ersten Familienkonzert geladen und möchte damit fortlaufend neue Wege für das Konzertleben in jungen Jahren bereiten. Nach diesem Konzert für «Kinder mit ihren Eltern», in welchem der Konzertbesuch von Kindern an erster Stelle steht, folgen zwei weitere Konzerte für «Eltern mit ihren Kindern», an denen die Kinder während des Konzertes analog zum Konzertprogramm musikalisch betreut werden. Freilich gab es am Sonntagnachmitag nicht nur erheiternden Klamauk auf der Bühne, auch die erwachsenen Konzertbesucher kamen auf ihre Kosten. Zwar begann der Aufmerksamkeitspegel der Kinder etwas zu sinken, als die Musiker ihre aussergewöhnlich originellen und farbigen Arrangements spielten. Doch auch in diese Stücke waren kleine Spässe eingebaut, die aufmerksamen Kindern nicht entgingen. So stach beispielsweise ein einzelner Bassist durch seine Diskantverliebtheit immer wieder heraus. Selbstverständlich stand das Kinderlied «drei (oder vier) Chinesen mit dem Kontrabass» auf dem Konzertprogramm, von Anette Labusch mit allen Vokalisationsvarianten vorgetragen, und auch das Elefantenbalett aus Saint-Saëns «Karneval der Tiere» durfte nicht fehlen. Darüber hinaus wurden auf der musikalischen Weltreise eine Carmen-Suite, ungarische Tänze und Wiener Walzer geboten.