Tombola um die Zukunft der Wiler Mädchen: Eltern sind unzufrieden mit dem Losentscheid der Mädchenschule St.Katharina

Erneut haben sich mehr als 70 Prozent der künftigen Sekundarschulmädchen fürs Kathi angemeldet. Das Los musste entscheiden. Eltern von nicht berücksichtigten Schülerinnen sind empört und fordern eine Änderung des Systems. Die Schulratspräsidentin winkt ab.

Gianni Amstutz
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Wollen mehr als 70 Prozent eines Schuljahrgangs an die Mädchenschule, entscheidet das Los, wer ans Kathi darf. Das sorgt bei den Betroffenen für Missmut. (Bild: Mareycke Frehner)

Wollen mehr als 70 Prozent eines Schuljahrgangs an die Mädchenschule, entscheidet das Los, wer ans Kathi darf. Das sorgt bei den Betroffenen für Missmut. (Bild: Mareycke Frehner)

«Mit Ihrer Entscheidung, unsere Tochter in die Oberstufe Lindenhof einzuteilen, haben Sie unser Vertrauen in die politische Führung der Stadt Wil, insbesondere in den Schulrat, substanziell gestört.» Die Enttäuschung ist riesig. Das wird in der E-Mail der Eltern, die an Stadtpräsidentin Susanne Hartmann, Schulpräsidentin Jutta Röösli, das Stadtparlament und den Schulrat adressiert ist, deutlich. Grund ihres Ärgers ist, dass ihre Tochter eines von acht Mädchen ist, dass nächstes Schuljahr nicht an die Mädchenschule St. Katharina, kurz Kathi, gehen darf, obwohl sie sich dafür angemeldet hat.

«Schwer nachvollziehbarer Entscheid»

Zum zweiten Mal seit der Einführung des neuen Reglements 2016 überstieg die Anzahl Anmeldungen die Quote. 56 Schülerinnen, die in die Sekundarstufe übertreten, wollten einen Platz im Kathi. Das sind mehr als 70 Prozent aller Schülerinnen des Schuljahrgangs, weshalb das Los zum Zug kam. Für die Eltern und das Mädchen ist dieser Zufallsentscheid nur schwer nachvollziehbar. «Für alle war klar, dass unsere Tochter und ihre Kolleginnen in der Oberstufe gemeinsam ins Kathi gehen werden. Das soll nun nicht so sein», beklagen sich die Eltern. Alle Personen, die davon erfahren haben, seien über den Entscheid «entsetzt» gewesen. Die Tochter könne es «überhaupt nicht verstehen».

Auch andere Eltern seien mit der Art und Weise der Oberstufeneinteilung in Wil nicht einverstanden.

«Aus Sorge um unsere Kinder fordern wir Sie deshalb auf, Ihrem gesetzlichen Auftrag nachzukommen.»

So wenden sich die Eltern an Stadtrat und Parlament. Will heissen: Das Losverfahren sei noch einmal zu überdenken, «damit die Zuteilungen in Zukunft nichts mehr mit Willkür, sondern vielmehr mit der Förderung von Talenten, der bestmöglichen Motivation und vor allem mit dem Wohl des Kindes zu tun haben».

Schulratspräsidentin Jutta Röösli hat Verständnis für die Reaktionen der nicht berücksichtigten Mädchen und ihre Eltern. «Hoffnung und Erwartungen sind immer mit einem Wunsch verbunden.» Leider seien dieses Jahr nun mal 8 von 56 Mädchen von einem negativen Losentscheid betroffen gewesen. Gleichwohl verweist Röösli auf das vom Parlament verabschiedete Reglement.

«Es wurden im Schulrat verschiedene Ansätze für die Oberstufenzuweisung in die Mädchensekundarschule St. Katharina skizziert und diskutiert, doch nur der Losentscheid gibt Gewähr, dass alle dieselben Chancen haben.»

Es sei aktuell auch keine Änderung des Verfahrens andiskutiert oder geplant.

Röösli betont aber, dass nicht nur im Kathi, sondern in allen Schulhäusern und Klassen gute Arbeit geleistet werde. Das versuche sie jeweils den enttäuschten Mädchen und Eltern aufzuzeigen: «Für sie geht es weiter. Die Kinder starten ins Schuljahr und die Klassenlehrpersonen unterstützen die Schülerinnen und Schüler im Finden eines Platzes in der neuen Klasse. Es finden sich neue ‹Gspänli› und bisherige Freundschaften müssen allenfalls neu ausgestaltet und gepflegt werden.»