Mädchen sind auf dem Vormarsch

Der Ostschweizer Fussballverband (OFV) betreibt in Widnau und Wängi einen Stützpunkt für talentierte Mädchen. Der Weg an die Spitze ist weit, doch die jungen Frauen erhalten gute Unterstützung.

Beat Lanzendorfer
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FRAUENFUSSBALL. Vor 20 Jahren lancierte der Schweizerische Fussballverband ein Nachwuchskonzept, das zum Ziel hatte, Talente zu fördern und die jungen Fussballer näher an die internationale Spitze heranzuführen. Dies ist längst gelungen, die Schweiz gilt europa- und sogar weltweit als beispielhaft in Sachen Nachwuchsförderung.

Treibende Kraft bei der Lancierung im Jahre 1995 war Hansruedi Hasler, technischer Direktor. In dessen Amtszeit, bis 2011, fallen mehrere herausragende Ereignisse. Unvergessen der U17-EM-Titel 2002 mit Trainer Markus Frei, Vater des heutigen Basel-Spielers Fabian, und Akteuren wie Tranquillo Barnetta (Schalke 04), Philippe Senderos (Aston Villa) oder der zurzeit vereinslose Reto Ziegler. Sieben Jahre später folgte der Gewinn der Weltmeisterschaft 2009 der gleichen Alterskategorie. Stars damals waren Haris Seferovic, heute in Frankfurt umjubelt, oder Ricardo Rodriguez, der sich bei Wolfsburg zu einem der weltweit besten Aussenverteidiger entwickelt hat. Dass die Schweiz auch bei den Frauen mächtig aufgeholt hat, zeigt die erstmalige Qualifikation zur Weltmeisterschaft im Juni in Kanada.

Aufnahme bei Sichtungstraining

So weit sind die Mädchen der Stützpunkte Wängi und Widnau noch nicht. Sie erhalten allerdings gute Voraussetzungen auf dem Weg zum Spitzenfussball. Am Beispiel der U12-Mädchen in Wängi soll dies aufgezeigt werden. Um Teil des Stützpunktes zu sein, müssen Talente von ihren Vereinen dem OFV gemeldet werden. Wer die Instruktoren während der Sichtungstrainings überzeugt, findet Aufnahme. Einmal dabei, übernehmen die verantwortlichen Trainer. In Widnau ist dies Marlies Fabian. Ihr Einzugsgebiet erstreckt sich von St. Gallen Ost, umfasst Teile des Thurgaus, geht ins Rheintal und von dort ins St. Galler Oberland. Berücksichtigt werden auch die Talente des Bündnerlandes. Das übrige Gebiet der Ostschweiz deckt Wängi mit Trainer Michael Frischknecht ab. Der 48-Jährige arbeitet mit jeweils einem 50-Prozent-Pensum als Heilpädagoge in Oberbüren sowie als Schulleiter in Märstetten. Der Inhaber des B-Diploms trainiert seit einem Vierteljahrhundert Juniorenmannschaften. «Ich habe meinen Trainerschein bei Hanspeter «Bidu» Zaugg absolviert.» Beim ehemaligen Assistenztrainer der Schweizer Nationalmannschaft, der unter anderem für Luzern, die Grasshoppers und die Berner Young Boys tätig war, imponierten seine menschlichen Qualitäten und sein Sachverstand. Seit 2003 trägt Frischknecht beim OFV die Verantwortung über die U12-Juniorinnen. Die zurzeit 26 talentiertesten Mädchen der Jahrgänge 2002 bis 2005 trainieren von März bis Ende Oktober auf der Grosswies in Wängi. Danach geht es nach Bazenheid.

Nur Training, keine Spiele

Trainiert wird in Bazenheid jeden Mittwoch von 13.45 bis 15.15 Uhr. Aussergewöhnlich ist, dass die Stützpunkte keine Spiele bestreiten. Dazu Frischknecht: «Früher gab es das. Die Mädchen kommen in ihren Vereinen in der Meisterschaft aber zu genügend Spielen. Wir beim Ostschweizer Fussballverband wollen sie in den Trainings weiterbringen.» Noch ist der Weg an die Spitze ein langer. Mit Cinzia Zehnder (früher Kirchberg, heute FCZ) und Noelle Maritz (früher Wil, heute VfL Wolfsburg) gibt es aus Ostschweizer Sicht zwei gute Beispiele, denen es nachzueifern gilt.

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