LÜTISBURG: Räuchern verändert Atmosphäre

Schon vor Jahrhunderten wurde geräuchert: Gegen Krankheiten, Seuchen und zur Heilung von Mensch und Tier. Helena Högger-Ricklin räuchert aus verschiedenen Gründen und lernt so das Wesen der Pflanze kennen.

Ruth Bossert
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Helena Högger-Ricklin rät, ganz ungezwungen mit dem Räuchern anzufangen. (Bild: Ruth Bossert)

Helena Högger-Ricklin rät, ganz ungezwungen mit dem Räuchern anzufangen. (Bild: Ruth Bossert)

Ruth Bossert

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Die meisten Menschen kamen bereits als Kinder in der katholischen Kirche zum ersten Mal in Berührung mit dem Räuchern, erzählt Helena-Högger-Ricklin, Naturheilpraktikerin aus dem toggenburgischen Lütisburg-Station. Die einen lieben den Geschmack des Weihrauchs in der Kirche und schätzen die spezielle Stimmung, andere können nichts damit anfangen und sprechen gar von Hokuspokus.

Schon der Vater pflegte zu Räuchern

Helena Högger-Ricklin hat die ersten Erfahrungen mit dem Räuchern bei ihrem Vater gemacht, der durch seine schulische Ausbildung in Appenzell das Räuchern kennenlernte und Zuhause mit der «Räuchlipfanne» am Altjahrabend durchs Haus lief. Die Naturliebhaberin wurde später Pflegefachfrau und hat vor Jahrzehnten als Phytotherapeutin erfahren, dass Räuchern ihr einen weiteren Zugang zu Pflanzen ermöglicht, den sie bisher zu wenig kannte.

«Räuchern ist ein schneller, archaischer Prozess, der uns sofort mit seinem Duft berührt, erfüllt und uns unmittelbar zentriert», erklärt die Fachfrau. Sie räuchert, wann immer es ihr drum ist und wenn sie Lust auf einen feinen Duft hat, erzählt sie. So sei es auch möglich, die ersten Frühlingspflanzen zu pflücken, an einem trockenen, lichtgeschützten Ort auf einem Sieb oder einem dickeren Tuch ausgelegt zu trocknen. «Räuchern gehört für mich nicht nur in die dunkle Jahreszeit, denn der Mensch ist das ganze Jahr über für Wohlbefinden und atmosphärische Reinigungen empfänglich», erklärt sie.

Helena Högger-Ricklin plädiert dafür, möglichst einheimische Pflanzen zum Räuchern zu benutzen, besser noch, ein paar wenige Pflanzen gründlich kennenzulernen. «Wer eine Handvoll einheimische Pflanzen kennt, weiss wo sie wachsen, weiss auch, wie sie riechen und wie sie als Tee schmecken und kennt möglicherweise auch ihre Wirkstoffe. Diese Pflanzen können getrost auch geräuchert werden», sagt sie überzeugt. Sie rät für den Anfang zu einfachen Pflanzen, die uns seit jeher begleiten: Lavendel, Wachholder, Rosmarin, Beifuss, Salbei, Schafgarbe oder Rosen eigneten sich wunderbar, auch Fichtenharz und Nadeln seien ideal, um erste Räuchererfahrungen zu sammeln. Wichtig findet die Pflanzenfrau, dass man den Duft der Pflanze mag, denn in erster Linie wolle man einen Geruch erzeugen, welcher der Nase schmeichelt. Eine Räucherung könne auf Schwingungen und Energien in der Atmosphäre einwirken und sie reinigen, harmonisieren, und neutralisieren. So spricht man im Volksmund von der «dicken Luft», wenn etwas Unangenehmes in der Luft liegt, Streit herrscht oder man sich nicht mehr riechen kann. Räucherstoffe wirken auf die Psyche und den Körper, sie können den Menschen anregen oder beruhigen, wirken desinfizierend und reinigend von Bakterien und Viren in der Luft.

Zeit nehmen für das Ritual

Früher, als noch ein Holzherd benutzt wurde, kamen glühende Holzkohlen in eine Pfanne mit etwas Sand, dann wurden die getrockneten Pflanzen daraufgelegt und damit ging man durch den Raum, wedelte den Rauch mit einer grossen Feder oder einem Wacholderzweig in alle Ecken. Wer keine Räucherpfanne hat, nimmt ein passendes Gefäss, auch ein Stein mit einer Delle auf einer isolierenden Unterlage sei möglich, darauf etwas Sand, eine selbstentzündbare Kohle oder eine Kohle aus dem Feuer. Darauf wird dann die gedörrte Pflanze gelegt, schildert die Fachfrau den Vorgang. Wichtig sei, dass der Räucher oder die Räucherin sich Zeit für das Ritual nimmt und sich die Absicht überlegt und formuliert. Sie erklärt weiter, dass beim Räuchern weniger oftmals mehr sei. Statt dicke Rauchschwaden zu erzeugen, sei das feine Räuchern angenehmer.

Für die Pflanzenfachfrau ist es nicht nötig, 1000 Pflanzen zu kennen oder sich mit orientalischen Harzen und Pflanzen zu befassen. «Nehmen wir uns Zeit für ein paar Pflanzen in unserer unmittelbaren Umgebung, lernen wir sie kennen und lassen wir es zu, dass sie uns mit ihrem Duft verführen». Damit entbiete man der Natur, mit ihrer reichen, immer wiederkehrenden Fülle auch die Achtsamkeit, die sie verdiene. «Die Natur um uns bietet in ihrem ursprünglichen Zustand alles, damit wir gesund bleiben», ist die Kräuterfrau überzeugt.