LÜTISBURG: «Nationalratswahlen sind kein Thema»

Gemeindepräsidentin und FDP-Kantonsrätin Imelda Stadler wurde im Juni zur Vizepräsidentin des Kantonsrats gewählt. Sie wird nächstes Jahr höchste St. Gallerin werden. Erstmals überhaupt stellt dann die Gemeinde Lütisburg das Kantonsoberhaupt.

Martin Knoepfel
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Die Lütisburgerin Imelda Stadler blickt bereits auf ihr präsidiales Jahr voraus. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Lütisburgerin Imelda Stadler blickt bereits auf ihr präsidiales Jahr voraus. (Bild: Martin Knoepfel)

Martin Knoepfel

martin.knoepfel

@toggenburgmedien.ch

Imelda Stadler wurde von der FDP-Fraktion im Juni schon im ersten Wahlgang einstimmig als neue Vizepräsidentin des Kantonsparlaments vorgeschlagen. Der Kantonsrat wählte die Gemeindepräsidentin von Lütisburg am 12. Juni mit 102 Stimmen zu seiner Vizepräsidentin. Aller Vor­aussicht nach wird Imelda Stadler im Juni 2018 Präsidentin des Kantonsrats werden.

Imelda Stadler, weshalb wollten Sie Vizepräsidentin des Kantonsrats – und in einem Jahr Präsidentin – ­werden?

Ich bin Vizepräsidentin der FDP-Fraktion. Ich wurde gefragt, auch von Kantonsrätinnen und Kantonsräten aus anderen Fraktionen und von früheren Kantonsratspräsidenten, ob das Präsidium des Parlaments etwas für mich wäre. Vorher war es nie mein Ziel.

Worauf führen Sie die Anfragen zurück?

Die Anfragen hängen sicher auch damit zusammen, dass es an der Zeit ist, dass wieder einmal eine Frau präsidiert. Ich habe meine Kandidatur eingereicht und wurde von der Fraktion im ersten Wahlgang einstimmig nominiert. Ich sehe es auch als Lohn für mein grosses ehrenamtliches Engagement in Vereinen und Verbänden an.

Ist Ihre Wahl Ausdruck des Wunsches, wieder einen erfahrenen Kantonsrat als Präsident zu haben?

Ich bringe einen guten Rucksack mit. Ich bin im elften Jahr Kantonsrätin. Zudem arbeitete ich sechs Jahre in der staatswirtschaftlichen und zwei Jahre in der aussenpolitischen Kommission mit. Das sind zwei ständige Kommissionen. Ich war Mitglied zahlreicher vorberatender Kommissionen und habe zweimal das Kommissionspräsidium übernommen.

Treten Sie wegen der Wahl zur Vizepräsidentin des Kantonsrats aus dem Fraktionspräsidium zurück?

Nein. Das ist nicht nötig. Die FDP-Fraktion hat zwei Vizepräsidenten. Ich musste mir wegen des Zeitaufwands überlegen, ob ich fürs Vizepräsidium – mit Blick aufs Präsidium im Folgejahr – kandidiere. Da ich in Lütisburg zu 50 Prozent bezahlt werde, geht es. Die zeitliche Belastung der Vizepräsidentin ist zwar nicht wesentlich grösser als die der anderen Mitglieder des Präsidiums. Das Präsidialjahr wird dagegen wegen der repräsentativen Pflichten strenger. Man muss auch ­solche Anlässe vorbereiten und dafür Zeit investieren.

Was können Sie als Vizepräsidentin und als Präsidentin des Kantonsrats fürs Toggenburg und für Lütisburg tun?

In erster Linie sind das Vizepräsidium und das Präsidium eine Aufgabe für den ganzen Kanton. Es gilt, sicherzustellen, dass die Abläufe im Ratsbetrieb klappen. Bei repräsentativen Auftritten als «höchster St. Galler» oder «höchste St. Gallerin» strahlt das aufs Toggenburg aus, wenn ein Toggenburger das Amt bekleidet. Es zeigt: Im Toggenburg gibt es fähige Leute. Wenn ich bei Abstimmungen den Stichentscheid fällen darf bei einer Vorlage, die das Toggenburg betrifft, werde ich fürs Toggenburg entscheiden.

War es in der Fraktion oder im Rat ein Thema, dass zweimal in Folge ein Toggenburger Kantonsratspräsident wird?

Nein, das war es nicht. Wenn ich auf dieses Thema angesprochen werde, sage ich, dass Ivan Louis und ich 30 bis 40 Autominuten voneinander entfernt wohnen. Es gab schon Kantonsratspräsidenten und Vizepräsidenten, deren Wohnorte näher beieinander lagen. Lütisburg befindet sich ja am Übergang zwischen dem Toggenburg und der Region Wil und ist auch Mitglied der Regio Wil.

Als Vizepräsidentin oder als Kantonsratspräsidentin können Sie nicht mehr in einer Debatte fürs Klanghaus oder für die Kanti Wattwil sprechen. Bedauern Sie das?

Wann das Klanghaus in den Kantonsrat kommt, ist noch nicht ­absehbar. Der Baukredit für die Kanti Wattwil könnte in absehbarer Zeit behandlungsreif sein. Obwohl ich mich nicht in einer Ratsdebatte für diese beiden Vorlagen einsetzen kann, kann ich meinen Beitrag leisten, damit sie angenommen werden. Ich bin im Fraktionsvorstand und bin in der Fraktion voll integriert. Ich kann gut für die Vorlagen lobbyieren. Das bewirkt unter Umständen mehr als ein feuriges Votum in der Ratsdebatte.

Sind Sie nervös, wenn Sie als Vizepräsidentin im Kantonsrat persönliche Vorstösse behandeln?

Ich bin jedes Mal zu Beginn nervös, wenn ich dort vorne sitze und versuche, es als Vizepräsidentin gut zu machen. Ich habe grossen Respekt vor der Aufgabe, aber ich bin auch zuversichtlich, dass ich es schaffe.

Als Kantonsratspräsidentin der Jahre 2018/2019 sind Sie optimal positioniert für die Nationalratswahlen 2019.

Diese sind für mich kein Thema. 2015 habe ich nur kandidiert, weil das Toggenburg sonst keinen Vertreter auf der Nationalratsliste der FDP gehabt hätte. Ich habe dennoch ohne eine teure Kampagne 17000 Stimmen gemacht. Es geht mir aber gut ohne Nationalratsmandat. Ich habe drei erwachsene Kinder und vier Enkelkinder, mit denen ich sehr gerne etwas unternehme.

Es kommt immer wieder vor, dass Kantonsratspräsidenten nach Ablauf des Amtsjahres zurücktreten. Ist das auch Ihre Absicht?

Dass ich als Kantonsrätin nach dem Präsidialjahr aufhöre, ist im Moment kein Thema. Es ist ja erst ein Jahr her seit der Gesamterneuerungswahl. Ich konzen­triere mich momentan auf meine Aufgaben als Vizepräsidentin des Kantonsrats und auf das nächste Amtsjahr. Ich will das, was ich anpacke, richtig machen. Das habe ich im Sport gelernt. Natürlich laufen Gespräche mit der Partei. Man muss auf vieles Rücksicht nehmen. Passt es für mich, für die Familie und für die Partei?

Wird es in Lütisburg einen feierlichen Empfang geben, wenn Sie im Juni 2018 zur Kantonsratspräsidentin gewählt werden?

Ich wurde schon gefragt, ob ich die Tische und Festbänke für nächstes Jahr bestellt habe. Wenn es mit der Wahl klappt, wird es sicher ein Fest in Lütisburg ­geben. Es ist das erste Mal, dass Lütisburg den Kantonsratspräsidenten stellen kann. Die Feier soll für die Bevölkerung, die Parlamentarier, die Familie und die Freunde sein. Man muss früh mit Planen anfangen. Ich habe schon einen Speicherstick mit den Unterlagen von Rüthi besorgt. Diese Gemeinde hat ja zweimal eine solche Feier durchgeführt. Ich wurde schon gefragt, ob es an der Feier Biber geben wird, denn ich liebe Biber. Biber als «Bhaltis» würden also zu mir passen.