LÜTISBURG: Für einmal hinter der Kamera

Manuel Schweizer kann ins Kino gehen und seinen eigenen Film sehen. Und nicht nur das, auch sieht sich der Toggenburger selbst in den verschiedensten Streifen als Stuntman auf der Leinwand.

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Manuel Schweizer an einem seiner Drehorte für den Film «Aktiv ins Alter»: die Winzenberger Höhe in Lütisburg. (Bild: Delia Hug)

Manuel Schweizer an einem seiner Drehorte für den Film «Aktiv ins Alter»: die Winzenberger Höhe in Lütisburg. (Bild: Delia Hug)

«Was, ich soll von mir erzählen?», fragt Manuel Schweizer ganz erstaunt. Sein erster Kinofilm «Aktiv ins Alter», der in Wil Weltpremiere haben wird, sorgt für Gesprächsstoff. Sein noch junger Lebenslauf ist gespickt mit aufregenden Rollen. Denn der Lütisburger geniesst die Vielseitigkeit des Lebens. «Ich mache immer das, was für mich stimmt», sagt Manuel Schweizer ganz gelassen. Seine Grossmutter entgegnete ihm auf diese Lebenseinstellung: «Und du willst das sicher machen? Mach doch lieber etwas Vernünftiges.» Heute jedoch stehe sein ganzes Umfeld voll und ganz hinter seiner Arbeit oder besser gesagt Arbeiten. Denn Schweizer ist ein Meister darin, die unterschiedlichsten Berufe mit seinen Sportarten zu verknüpfen. Wobei er stets in allen Belangen sein Bestes zu geben versucht. Das Resultat davon: «Ich bin wirk­-lich sehr zufrieden mit meinem Leben.»

Wenn das Enkelkind aus dem Fenster springt

Der 30-Jährige ist von Kindesbeinen an ein Sportfanatiker. Damit begründet er auch seine erste Berufswahl zum Elektriker. «Mein Leichtathletiktraining begann jeweils um halb sieben. Also suchte ich mir eine Arbeit, bei der ich um fünf Uhr Feierabend machen konnte», erklärt er und lacht. Nach der Lehrzeit absolvierte er die MP-Gren Rekrutenschule. Hierbei zeigte er eine neue künstlerische Seite von sich. «Ich schrieb über 150 A4-Seiten über die RS und war bereits in Verhandlungen mit einem Verlag», erläutert Manuel Schweizer.

Während er als Bademeister seine Schwimmkünste optimierte oder als Snowboardlehrer Sprungtechniken und Beinkraft förderte, bildete er sich zum Stuntman aus. In der Schweiz besuchte er Kurse in der Stuntman-Schule von René von Gunten in Bern. Um sein Erlerntes zu perfektionieren, trainierte er mit den Profis in Kalifornien. «Ich wollte jedoch nie weg von hier», meint Schweizer und blickt glücklich nach draussen. «Hier habe ich meine Familie und Freunde und bin seit fast einem Vierteljahrhundert im TV Lütisburg.

Mit seinen Ambitionen als Stuntman waren Mutter und Vater umgehend einverstanden, auch wenn seine Mutter etliche schlaflose Nächte zu verzeichnen hatte. Als seine Grossmutter ihn 2008 das erste Mal in Aktion auf der Leinwand aus dem Fenster springen sah, waren alle Zweifel wie weggeblasen. «Sogar meine Grossmutter zeigte sich dann zufrieden», lächelt er. Fünf Jahre später gründete er seine eigene Firma «Schweizer Produktion», damit er sich als Stuntman professionell vermieten konnte.

Reifeprozess für Film und Regisseur

Die letzten drei Jahre waren sehr prägend für Manuel Schweizer. «Während der Produktion des Films habe ich sehr viel über mich, das Leben und das Produzieren eines Films gelernt», meint Schweizer, wenn er über die Dreharbeiten mit der älteren Generation spricht. Hinzu kam, dass er zum ersten Mal Produzent war. Über dieses Thema kann der Regisseur heute nur schmunzeln. «Anfangs versuchte ich oft, mich zu rechtfertigen, doch heute weiss ich, wie viel Arbeit ich investiert habe. Als ich manchmal, nach einer Schnittnacht bis drei Uhr, erst um zehn Uhr wieder die Arbeit anfing, dachte sich der Nachbar sicherlich, ich sei so ein fauler Künstler.» Die Toggenburger seien manchmal etwas voreingenommen von künstlerischen Tätigkeiten. «Doch wenn sie sehen, dass ein Filmdreh ebenfalls ein anstrengender Beruf ist und sich damit Geld verdienen lässt, stärken sie einem den Rücken», sagt Schweizer.

Der Dreh hatte für ihn nur einen negativen Aspekt. Nicht selten arbeitete er an den Wochenenden oder abends. «Die sozialen Kontakte blieben etwas auf der Strecke. Ausserdem wurde ich als mein eigener Chef nie gelobt – oder getadelt.» Es brauche ein grosses Mass an Disziplin, über drei Jahre ein Projekt und ein Ziel zu verfolgen. Trotzdem ist es Manuel Schweizer nie schwergefallen, die Motivation hochzuhalten. Es sei für ihn dennoch nicht immer einfach gewesen, dieser grossen Verantwortung eines Kinodokumentarfilmes gerecht zu werden, aber es habe zum Schluss alles gut geklappt. «Ich bin kein Träumer. Ich bin mir nie zu schade, auch mal Drecksarbeit zu erledigen. Im Gegenteil, verschiedene Arbeiten motivieren mich umso mehr.»

Im Kopf des Lütisburgers schwirren bereits neue Ideen. «Ich will aber noch nichts von meinen neuen Projekten verraten.» Manuel Schweizer hat mehrere Überraschungen in petto. www.schweizerproduktion.ch .

Delia Hug

delia.hug@toggenburgmedien.ch