Luca Hänni und der Zahlenteufel

ESCHLIKON. An der vergangenen Eschliker Schulgemeindeversammlung ging es eigentlich um Architektur. Kaum etwas wurde aber an diesem Abend so kontrovers diskutiert wie die vor drei Jahren eingeführte Lernlandschaft. Doch was ist das überhaupt?

Olaf Kühne
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Schulhaus Bächelacker, Freitagmorgen 9.10 Uhr, zweiter Stock. Wechsel in der Lernlandschaft. Die 3. Sek E kommt aus dem Naturkundeunterricht und übernimmt von der 3. Sek G. Diese verabschiedet sich in den Deutschunterricht.

Robin steht kurz vor dem Ende seiner Schulzeit. Die Lehrstelle hat er längst auf sicher. Er beginnt nach den Sommerferien das KV bei einer Unternehmung in Münchwilen. Beste Voraussetzungen, eine ruhige Kugel zu schieben, könnte man meinen. Doch Robin brütet über dem «Zahlenteufel» – ein Mathebuch, das so gar nicht einladend aussieht. Der Eschliker Schulabsolvent wird seine Lehre aber mit Berufsmatura absolvieren. «Dort habe ich weiterhin Mathe», erklärt er seine Selbstdisziplin, «und die Buchhaltung im KV ist ja auch ziemlich zahlenlastig.»

Planung am Montag

Philipp Rüdin-Pinto ist seit sieben Jahren Schulleiter der Sek Eschlikon, und er steht voll hinter der Lernlandschaft. Entsprechend konsterniert war er nach der vergangenen Schulgemeindeversammlung. Wurde dort doch im Zuge der Diskussion um den Antrag für einen Architekturwettbewerb für künftige Schulbauten fast ausschliesslich über das pädagogische Konzept der Lernlandschaft lamentiert. «An diesem Abend haben Personen gegen die Lernlandschaft geredet, die noch nie einen Fuss in diesen Raum gesetzt haben», sagt er.

Überhaupt fällt es schwer, einen Zusammenhang zwischen dem ausgewiesenen Platzmangel in den Eschliker Schulen und der Lernlandschaft herzustellen. Sie beansprucht einen einzigen Raum in der weitläufigen Anlage. «Die 3.-Sek-Schüler verbringen hier mindestens 16 ihrer 37 Wochenlektionen», erklärt Rüdin-Pinto das Prinzip. «Der Montagmorgen ist dabei zentral. Dann legt jeder Schüler mit seinem Klassenlehrer die Detailplanung mit Lernzielen für die Woche fest.» Diese erarbeiten die Schüler dann während der ganzen Woche – unter Aufsicht, vor allem aber in Eigenverantwortung.

Freiwillig am Mittwoch

«Einen <Schlendrian> gibt es natürlich immer», gesteht der Schulleiter. «Aber seit wir die Lernlandschaft haben, hat es sich massiv verbessert.» Mirjam Boss pflichtet ihm bei. Die Deutsch- und Sportlehrerin hat an diesem Freitagmorgen Aufsicht und weiss: «Die Schüler fühlen sich hier ernst genommen und oftmals sogar geborgen. Selbst am schulfreien Mittwochnachmittag kommen manche freiwillig.» Viele hätten zu Hause nicht die Strukturen, um konzentriert zu lernen, und nutzen deshalb gerne die Infrastruktur der Eschliker Lernlandschaft.

Schliesslich habe hier auch jede Schülerin und jeder Schüler seinen ganz persönlichen Arbeitsplatz, so Boss weiter. Eine Autogrammkarte von Luca Hänni und ein Ferrari-Modell zeugen genauso von dieser Geborgenheit wie zahllose Fussballstars, die von den Arbeitsplätzen lachen.

Und während Robin weiter Mathe büffelt, liest Ian «The Prisoner of Zenda». Das Buch ist auf Englisch und hat nicht sehr viel mit der Lehre als Elektroinstallateur zu tun, die Ian nach dem Sommer in Rickenbach anfangen wird. Aber Englisch ist cool, findet Ian. Und er liest das Buch von sich aus. Denn bald wird auch er seine neun Jahre hinter sich haben. Im dritten Jahrgang, der in der Eschliker Lernlandschaft selbstverantwortliches Lernen gelernt hat.