LOYAL: 45 Jahre denselben Arbeitsweg

Sein ganzes Berufsleben hielt der 62-jährige Pius Büeler der Clientis Bank Toggenburg in Kirchberg die Treue. Heute Samstag nimmt er Abschied und geht in Pension.

Beat Lanzendorfer
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Der gebürtige Kirchberger Pius Büeler verabschiedet sich am 31. Dezember nach 45 Jahren bei der Clientis Bank Toggenburg aus dem aktiven Berufsleben. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Der gebürtige Kirchberger Pius Büeler verabschiedet sich am 31. Dezember nach 45 Jahren bei der Clientis Bank Toggenburg aus dem aktiven Berufsleben. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer @toggenburgmedien.ch

Im Büro von Pius Büeler an der Gähwilerstrasse 7 steht eine Schreibmaschine, die an Zeiten erinnert, in der das Relikt früherer Tage nicht aus der Arbeitswelt wegzudenken war. «Ich brauche sie noch hie und da, wenn ich auf ein spezielles Formular schreiben muss», erklärt der zukünftige Pensionär. Die Schreibmaschine ist eine gute Überleitung, um in Erinnerungen zu schwelgen.

Vom Lehrling zum Vizedirektor

Als der heutige Vizedirektor, der stets in Kirchberg wohnhaft war, 1971 seine Banklehre bei der damaligen Spar- und Leihkasse Kirchberg antrat, gab es noch etwas, das die jüngere Generation nur vom Hörensagen kennt – das Bankbüchlein oder Sparheft. Kunden, die eine Einlage tätigen wollten, kamen damit zur Bank, wo der Betrag von Hand eingetragen wurde. «Sämtliche Einträge wurden am Abend in ein System namens Computronic verbucht, ähnlich einer grossen Schreibmaschine», klärt Pius Büeler auf. Eingestellt worden ist der damals 17-Jährige von Direktor Othmar Kümin. Der letztes Jahr verstorbene, ehemalige Direktor prägte die Spar- und Leihkasse Kirchberg während Jahrzehnten. Nach dessen Pensionierung trat Bruno Stäbler an seine Stelle. Weitere Direktoren, mit denen Pius Büeler zusammenarbeitete, waren Bruno Brugger und Gertrud Schmucki, die seit 2013 an der Spitze der Bank steht.

Mit dem Aufkommen des Personal Computers ist vieles einfacher geworden, trotzdem erinnert sich der heute 62-Jährige an Zeiten, in denen er an Silvester selten mit seiner Familie auf das neue Jahr anstossen konnte. «In der letzten Nacht des Jahres lief jeweils der Jahresabschluss. Die Sicherstellung erfolgte via Magnetplatte, die regelmässig gewechselt werden musste. Hinzukamen Abertausende Belege, die wir von Hand einpackten und an die Bankkunden verschickten.» Diese Arbeit erledigt längst eine Maschine und wird seit der Auslagerung der Informatik nicht mehr im Haus durchgeführt.

Pius Büeler, der nach seiner Banklehre eine Festanstellung erhielt und im Verlaufe seiner beruflichen Karriere mit Ausnahme des Kreditwesens und der Anlageberatung alle Abteilungen durchlief, war zuletzt Leiter Personal- und Rechnungswesen. Wie rasant sich die Bank entwickelt hat, widerspiegeln die Zahlen: Beim Eintritt 1971 betrug die Bilanzsumme 63 Millionen Franken. Heute verwaltet die Clientis Bank Toggenburg rund 785 Millionen Franken. «Als ich anfing, beschäftige die Bank rund ein Dutzend Mitarbeiter, heute sind es 28, davon 2 Lernende.»

Treffen der ehemaligen Lehrlinge

1911 entstand mit der Fusion der drei Banken Sparverein, Ersparnisanstalt und Spar- und Leihkasse AG die Spar- und Leihkasse der Politischen Gemeinde Kirchberg. In der 105-jährigen Geschichte bildete sie 87 Lehrlinge zu Bankfachleuten aus. 50 dieser einstmals 87 Auszubildenden trafen sich im Mai dieses Jahres in Kirchberg zum Lehrlingstreffen. Den Anlass organisierten Martin Stadler, Karl Stadler, Doris Forster und Pius Büeler. Alle vier wohnen noch in unmittelbarer Umgebung. Andere aber sind weggezogen, so etwa der 86-jährige August Sennhauser, der heute in Bischofszell zu Hause ist. Prägende Ereignisse waren die Privatisierung mit Umwandlung in eine Aktiengesellschaft der Spar- und Leihkasse Kirchberg im Jahre 2000, der Beitritt zum Clientis-Konzern, was die Namensänderung zur Folge hatte (2004) und die Fusion mit der Spargenossenschaft Mosnang (2006). Um die Zukunft macht sich Pius Büeler keine Sorgen: «Mit Fussball, Skifahren und Wandern wird es mir kaum langweilig.» Kommt hinzu, dass er sich vor ein paar Jahren eine Vespa angeschafft hat und jetzt dem Vespaclub der älteren Herren des FC Kirchberg angehört, der bei wärmeren Temperaturen regelmässig auf Achse ist.

Der dreifache Familienvater und zweifache Grossvater freut sich, dass er nun vermehrt seinen Enkelkindern Zeit einräumen darf. Und zu guter Letzt Ehefrau Yvonne. Ferien im Tessin und in Davos sind für beide in den letzten Jahren ein fester Bestandteil geworden. Ab sofort können sie spontan dorthin reisen und müssen dafür keine Ferien mehr beziehen.

Beim Abschied erklärt Pius Büeler mit einem Lachen: «Ich habe in meinen 45 Berufsjahren nie ein Arbeitszeugnis erhalten, weil nie eines nötig war, das wird wohl so bleiben.»