Louis de Saint-Gall legt Feder weg

Nach über 40 Jahren ist Schluss. Der Wolfertswiler Schnitzelbänggler Louis Christ alias Louis de Saint-Gall tritt von den St. Galler Fasnachtsbühnen ab. 65jährig, will er sich neuen Projekten zuwenden.

Andrea Häusler
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Kehrt den St. Galler Fasnachtsbühnen den Rücken: Louis Christ. (Archivbild: Benjamin Manser)

Kehrt den St. Galler Fasnachtsbühnen den Rücken: Louis Christ. (Archivbild: Benjamin Manser)

WOLFERTSWIL. Die Bombe liess er am Schmutzigen Donnerstag im Interview mit dem Ostschweizer Fernsehen TVO platzen. Wirklich überzeugend kommunizierte der Künstler und Humorist mit Basler Wurzeln den Entscheid vor der Kamera allerdings nicht: «Ich glaube, in dieser Form ist es das letzte Mal. Ich werde versuchen, einen schönen Abschluss hinzubekommen.»

«Es wird zu viel»

Am Tag danach wird er konkreter: «Es hat sich ganz allmählich abgezeichnet: Jahr für Jahr frische, träfe Sprüche schreiben, eine neue Gitarre bauen und schliesslich gegen das Kratzen im Hals kämpfen – das zehrt», sagt er am Telefon. Louis Christ spricht von einer intensiven, aber schönen Zeit, die auch Schattenseiten habe: die Kommerzialisierung der Fasnacht – speziell in St. Gallen. «Es sollte ein Geben und Nehmen sein», sagt er und ergänzt: «In den letzten Jahren waren die Schnitzelbänggler zunehmend nur noch ein Geschäft für die Beizen.»

Bisamratte und Albert Nufer

Etwas Besonderes für seine letzten fasnächtlichen Auftritte hat Louis Christ nicht geplant. Ab und an flechte er alte Verse ein, die ihre Gültigkeit über all die Jahre hinweg nicht verloren hätten, sagt er. Und er lasse seine Lieblingssujets aufleben: die genmutierte Bisamratte beispielsweise oder Albert Nufer. Die unzähligen humoristischen Verse haben Christ viel Anerkennung gebracht – hin und wieder jedoch einen (anonymen) Brief. Dann, wenn einer seiner fadegraden Sprüche unter eine Gürtellinie geraten sei, die zur Fasnachtszeit nicht existiere. Zumal er bewusst nur Hosenträger trage.

Nachwuchssorgen plagen Louis Christ in keiner Weise. «Es gibt genügend junge Akteure, die nachrücken», beschwichtigt er.

Ghostwriter für Politiker

Und er selber? Auch ohne alljährlichen Marathon über die Stadtsanktgaller Fasnachtsbühnen wird Louis de Saint-Gall – oder dannzumal bloss noch Louis Christ? – kaum in das berüchtigte Loch fallen und untätig sein Rentenalter geniessen. «Ich brauche keine grosse Bühne», sagt er. Bereits vor einiger Zeit habe er damit begonnen, Auftragsproduktionen für Firmenanlässe oder Privatveranstaltungen zu schreiben. Oder als Ghostwriter witzige Ansprachen für Politiker oder andere Persönlichkeiten zu verfassen. «Ich muss etwas tun», sagt Christ: «Als freischaffender Künstler kann man von der AHV nicht leben.»

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