Lolita trifft keine Schuld: Weshalb die Raststätte Thurau Nord bei Wil dem Erdboden gleichgemacht wurde

Die Raststätte Thurau Nord wird abgerissen und neu gebaut. Die Neueröffnung ist im Oktober vorgesehen.

Hans Suter
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Die Raststätte Thurau Nord ist in die Jahre gekommen und wird durch einen modernen Neubau ersetzt. Die Investitionen belaufen sich auf mehrere Millionen Franken.
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Als hätte ein Wirbelsturm das Gebäude zerstört: Blick in das ausgediente Restaurant an der Autobahn A1 in der Thurau.
Geöffnet: Restaurant, Shop und Kasse sind in einem Chalet untergebracht.
Bagger in der Beiz: Mit einem 25-Tonnen-Bagger wird die Raststätte bis auf die Bodenplatte rückgebaut.

Die Raststätte Thurau Nord ist in die Jahre gekommen und wird durch einen modernen Neubau ersetzt. Die Investitionen belaufen sich auf mehrere Millionen Franken.

Bild: Hans Suter

Mit heftigen Böen, teilweise in Orkanstärke, fegte das Tief Lolita dieser Tage über die Region Wil hinweg. Wer just zu jenem Zeitpunkt die Raststätte Thurau Nord an der Autobahn A1 kurz vor Wil besuchte, rieb sich verwundert die Augen. Das Restaurant sah aus, als hätte ein Jahrhundert-Wirbelsturm gewütet. Dach und Wände fehlen, und wo einst genüsslich getafelt wurde, steht ein 25-Tonnen-Bagger. Daran trägt das Tief Lolita freilich keine Schuld. Ein anderes Tief aber sehr.

Rückläufige Umsätze

In der jüngeren Vergangenheit musste die etwas in die Jahre gekommene Raststätte Umsatzeinbussen hinnehmen. Wie viel, lässt sich Verwaltungsratspräsident Erwin Scherrer nicht entlocken. Er bestätigt aber, dass das zunehmende «Umsatztief» Auslöser für eine grosse Investition in die Zukunft gewesen sei. Die zu beantwortende Frage lautete: Umbau oder Neubau? Aus wirtschaftlichen Gründen entschieden sich die Aktionäre vergangenes Jahr für einen Neubau mit Investitionen von 7,5 Millionen Franken.

Erwin Scherrer, Verwaltungsratspräsident der Raststätte Thurau AG

Erwin Scherrer, Verwaltungsratspräsident der Raststätte Thurau AG

Bild: Thomas Griesser

Neubau als Spiegel der neuesten Markttrends

Während der Bauarbeiten bleiben die Tankstelle sowie der Kiosk, der Shop und das Restaurant geöffnet. Als Provisorium dient bis zur geplanten Neueröffnung im Oktober eine chaletähnliche Mobilbaute.

Der Neubau wird gezielt auf die aktuellen Bedürfnisse von Reisenden ausgerichtet. Dabei stechen zwei Trends hervor: Zeit und Frische. «Es muss immer schneller gehen, und der Gast muss sofort eine Übersicht über das Angebot erhalten», sagt Verwaltungsratspräsident Erwin Scherrer. «Das Publikum muss gut geführt werden, um dieses Ziel zu erreichen.» Die Latte liegt hoch: Sieben Minuten nach der Bestellung bringt die Bedienung das Gewünschte an den Tisch. Da in der Schweiz viele Menschen gerade zur Mittagszeit gewohnheitsmässig zur selben Zeit essen wollen, ist das eine Herausforderung. «Sehr wichtig ist auch die Frische der Produkte», sagt Scherrer.

«Hier können wir punkten, indem wir die Gerichte vor den Augen der Gäste mit Rohstoffen aus der Region zubereiten.»

Das Zauberwort heisst neudeutsch «Front Cooking». Die Raststätte Thurau AG arbeitet seit Jahrzehnten erfolgreich und bedient die Aktionäre mit einer Dividende von 25 Prozent auf den Nominalwert von 1000 Franken. Der Steuerwert der Aktie liegt bei 5600 Franken. Es wurden schon bis zu 10'000 Franken für eine der 2000 Aktien bezahlt.