LOKALMATADORIN: Jung, schnell, ambitioniert

Die Leichtathletin Alicia Thalmann nimmt an den Hallen-Schweizer-Meisterschaften des Nachwuchses im Athletik-Zentrum teil. Die Gossauerin zählt im Hürdensprint zu den Favoritinnen.

Philipp Wolf
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Alicia Thalmann strebt im Hürdensprint ihren ersten nationalen Titel an. (Bild: Michel Canonica)

Alicia Thalmann strebt im Hürdensprint ihren ersten nationalen Titel an. (Bild: Michel Canonica)

Philipp Wolf

philipp.wolf@tagblatt.ch

Alicia Thalmann ist die beste Hürdensprinterin der Schweiz. In der Kategorie U16 lief diese Saison bisher niemand die 60 m Hürden schneller als die 14-Jährige. Thalmann lief die Saisonbestleistung von 8,99 Sekunden am vergangenen Wochenende. Sie hat damit ihre persönliche Bestzeit innerhalb eines Jahres um gut acht Zehntel verbessert. Im Hürdensprint gehört sie an den Nachwuchs-Schweizer-Meisterschaften somit zweifellos zu den Favoritinnen. Neben den Hürden wird die Gossauerin in St. Gallen auch in den Disziplinen Weitsprung und Sprint antreten. Auch im Weitsprung, meint sie, liege ein Podestplatz im Bereich des Möglichen.

Seit über sieben Jahren betreibt die Tochter einer Kambodschanerin und eines Schweizers Leichtathletik. Bis vor gut fünf Monaten tat sie dies bei Leichtathletik Gossau, seither beim Leichtathletikclub Brühl. Dieser Wechsel bedeutete für die Mehrkämpferin eine deutliche Steigerung des Trainingspensums. Während Thalmann in Gossau noch dreimal wöchentlich trainierte, so sind es heute fünf Trainingseinheiten innerhalb von sieben Tagen. Markus Schaffner, einer ihrer Trainer beim LC Brühl, hebt hervor, dass in Gossau eine gute Basis für Thalmanns weitere Ausbildung gelegt worden sei.

Vertraut mit der Wettkampfstätte

Thalmann ist froh, wird auch bei Brühl in Gruppen trainiert. So könne man sich gegenseitig antreiben und motivieren. Am selben Ort, wo ihr Training stattfindet, werden dieses Wochenende nun die Meisterschaften ausgetragen. Die 1,75 m grosse Sportlerin ist überzeugt, dass die vertraute Halle einen Vorteil darstellen kann. Im Vergleich zur Konkurrenz muss sie sich nicht mehr an die Bedingungen im Athletik-Zentrum gewöhnen. Ausserhalb des Sports ist Thalmann seit vergangenem Sommer am Gymnasium am Burggraben gefordert. Dort belegt sie den Schwerpunkt Spanisch und strebt eine bilinguale Matura an. Mit fünf Trainings pro Woche, Wettkämpfen am Wochenende und der Kantonsschule bleibe eigentlich keine Zeit mehr für Hobbys, sagt die Gossauerin. Dies scheint Thalmann nichts auszumachen. Sie hat Freunde beim LC Brühl und kann diese dank dem Sport oft sehen.

Geht es auf Wettkämpfe zu, verfolgt die junge Athletin keinen fixen Fahrplan. Weder Ernährung noch Schlaf seien durch einen herannahenden Anlass beeinträchtigt. Die Nervosität komme bei ihr meistens erst kurz vor dem Start. Bei ihrem Vater, Andy Thalmann, sieht das anders aus. Als Zuschauer sei er an Wettkämpfen wesentlich angespannter als seine Tochter.

Weg an die Spitze ist lang und ungewiss

Trotz der guten Vorzeichen ist der professionelle Spitzensport noch weit weg und es gilt bis dahin, viele Herausforderungen zu bewältigen. Sie sei mit 14 Jahren noch zu jung, als dass Prognosen zu ihrer Zukunft gemacht werden könnten, befindet Schaffner. Thalmann ist sich dessen ebenfalls bewusst und gibt Ziele aus, die in naher Zukunft realistisch erscheinen: Einmal will sie an Wettkämpfen ausserhalb der Schweiz teilnehmen. Möglichst bald will sie es ins Nationalkader schaffen. Und bereits an diesem Wochenende will sie ihren ersten nationalen Titel gewinnen. Der Weg dahin beginnt für Thalmann morgen um 12 Uhr mit dem Vorlauf über 60 m Hürden.