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Lodernde Leidenschaft: Der Kirchberger Mischa Casanova brennt für Kachelöfen

Rund 300 historische Kachelöfen hat der Kirchberger Ofenbauer Mischa Casanova schon restauriert. Interessierte Laien haben jetzt die Möglichkeit, an einer Kachelofen-Wanderung sein altes Handwerk kennen zu lernen.
Adrian Zeller
Mischa Casanova bei der Arbeit. (Bild: PD)

Mischa Casanova bei der Arbeit. (Bild: PD)

Wenn Mischa Casanova auf Kachelöfen angesprochen wird, erinnert dies an die Wirkung eines Blasebalgs bei einer Feuerstelle: Seine Passion lodert regelrecht auf. Feuer und Flamme sind sozusagen sein Lebensthema, in das er gerne philosophische Ausflüge und meditative Vertiefungen unternimmt. Seine engagiert vorgetragenen Ausführungen würzt er mit überraschenden Aussagen, etwa mit: «Im Prinzip ist ein Kachelofen so etwas Simples, dass ich mich frage, weshalb man als Hafner eine mehrjährige Berufslehre benötigt».

Mit simpel meint er weniger etwas Anspruchsloses, vor allem ist damit bei ihm etwas Urmenschliches und Elementares gemeint. Mischa Casanova ist davon fasziniert, dass unsere Vorfahren vor Jahrtausenden das Feuer für sich nutzbar machten. Es ist für ihn weit mehr als ein physikalischer Prozess: «Es hat auch einen sakral-spirituellen Aspekt; und es ist auch gemeinschaftsspendend, die Menschen versammeln sich um das Feuer». Bei dieser Sichtweise überrascht es wenig, dass für Mischa Casanova ein Kachelofen auch ein «Leichnam» sein kann, dann, wenn ihm in seinen Worten die Seele abhanden gekommen ist. «Dann wird er zu einem verstaubten musealen Überbleibsel vergangener Zeiten.» Diese Art Kachelöfen sind aus seiner Sicht wegen ihrer kunstvoll bemalten Kacheln ein ästhetischer Genuss, aber ihnen fehlt ihre Funktion. Diese können sie nur erfüllen, wenn auch ihr Innenleben stimmt, andernfalls bleibt es bei einer schönen Fassade.

Kachelöfen sind ein Sinnbild

Für den Kirchberger sind Kachelöfen ein Sinnbild, das veranschaulicht, in welcher Disbalance die Menschen in der heutigen Zeit leben. Er verdeutlicht seine Feststellung mit einem Beispiel: «Gegenwärtig arbeite ich an einem Kachelofen in einem Neubau. Die Maler und alle weiteren Handwerker stecken in einem sehr engen Zeitkorsett. Alles muss in Windeseile erledigt sein und ist auf eine möglichst gute Rendite angelegt.»

Dabei bräuchten heute die Menschen generell mehr Zeit, um den Gemeinschaftsgeist intensiver zu pflegen und bei Themen auch etwas mehr in die Tiefe zu gehen. Während er dies sagt, greift er zu seinem Smartphone. Ein akustisches Signal hat den Eingang einer Nachricht gemeldet. Er sei kein Gegner der Annehmlichkeiten des digitalen Zeitalters, kommentiert er. «Auch ich bin froh um die Vorzüge eines Handys oder eines Computers, aber der Mensch benötigt wieder vermehrt kreative und künstlerische Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten, zu den digitalen und intellektuellen Hilfen im Alltag». Was er damit meint, lässt sich an seiner Vorgehensweise bei einem Kachelofenbau verdeutlichen. «Mit dem Einverständnis der Bauherrschaft wählen wir einen Leitspruch für den Ofen. Dies ist oft ein Zitat eines Dichters aus dem deutschen Idealismus, beispielsweise Novalis, Schiller, Goethe.» Das gewählte Motto wird dann in der Innenseite des Ofens eingraviert.

Physikalische und menschliche Wärme

Schliesslich wird der Ofen in einer Zeremonie zum ersten Mal in Betrieb gesetzt. Neben dem Hafnerteam ist auch die Bauherrschaft und eventuell Angehörige sowie Nachbarn um den Ofen versammelt – eine Gemeinschaft ums Feuer, die schon die frühen Menschen pflegten. Da wird offensichtlich, was Mischa Casanova ein zentrales Anliegen ist: Neben der physikalischen braucht es auch menschliche Wärme. Rund 300 historische Kachelöfen hat der selbstständige Handwerker in 33 Jahren auf traditionelle Art restauriert, abgebrochen und wieder neu aufgebaut. Seine Begeisterung für das Thema hat nicht nachgelassen. Er will sie in Referaten, mit Fotos, dokumentarischen Filmaufnahmen sowie in Führungen an ein Laienpublikum weitergeben.

Drei Führungen geplant

In Wil sind drei Führungen geplant: Am Samstag, 17. November, wird das Thema den Besuchern mit einer Besichtigung von fünf der acht Kachelöfen im Hof zu Wil nähergebracht (Beginn: 10 Uhr in der Äbtestube im Hof zu Wil; Anmeldung bis 15.11. beim Info Center Stadt Wil, 071 913 53 00; infocenter@stadtwil.ch). Weitere Führungen zu Kachelöfen sind im Januar 2019 im Baronenhaus sowie im März in Privathäusern der Altstadt und im St. Katharina-Kloster vorgesehen. (az)

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