KIRCHBERG
Sieben Handwerker beim ersten Büezer-Zmittag – der Ansturm blieb aus, doch der Wirt ist zufrieden: «Es geht darum, ein Zeichen zu setzen»

In einigen wenigen Restaurants sind am Montagmittag erstmals seit geraumer Zeit wieder Menus serviert worden. Allerdings nur für Handwerker. Im Kirchberger «Toggenburgerhof» kamen sieben Büezer – und zwei Personen wurden abgewiesen. Ein Augenschein.

Simon Dudle
Merken
Drucken
Teilen
Restaurant für Handwerker geöffnet. Der Ansturm auf den Kirchberger «Toggenburgerhof» blieb aber aus.

Restaurant für Handwerker geöffnet. Der Ansturm auf den Kirchberger «Toggenburgerhof» blieb aber aus.

Bild: TVO

Es wurde gefachsimpelt. Über das Fussballspiel vom Vortag. Über die bevorstehenden Abstimmungen. Über die Verkehrssituation im Toggenburg. Eine typische Mittagspause von Büezern eben. Und trotzdem war sie speziell. Erstmals seit Wochen konnten die Handwerker wieder in ein Restaurant, wo es etwas «Anständiges» zwischen die Zähne gab.

Das Restaurant Toggenburgerhof in Kirchberg sperrte am Montagmittag als eines von noch wenigen zwischen 11 Uhr und 13.30 Uhr auf. Nicht für alle. Aber für die Handwerker. Obwohl die Restaurants grundsätzlich weiter geschlossen sein müssen, erlauben der Bundesrat und der Kanton St.Gallen den sogenannten Büezer-Zmittag nun wieder.

Sie werden wieder im Restaurant bedient: Die «Büezer» sind froh, am Mittag wieder eine warme Mahlzeit geniessen zu können.

Video: TVO

Eine warme Mahlzeit bekommen Arbeitskräfte aus dem Landwirtschaftssektor, Handwerker, Bau- und Strassenarbeiter sowie Berufstätige im Bereich Montageservice. Und nur sie. «Wir hatten auch zwei Anfragen von Aussendienstlern. Aber diese mussten wir abweisen», sagte Linus Thalmann, Inhaber des «Toggenburgerhofs».

Linus Thalmann, Inhaber des «Toggenburgerhofs» in Kirchberg.

Linus Thalmann, Inhaber des «Toggenburgerhofs» in Kirchberg.

Bild: PD

Maurer Gahlinger würde alle Restaurants öffnen

Gekommen waren sieben Büezer, um sich eine Kokos-Süsskartoffel-Suppe, einen Blattsalat und als Hauptgang ein Schweinsschnitzel Tessiner Art mit Orecchiette zu gönnen. «Endlich dürfen wir wieder einkehren», so der Tenor. Gekommen war auch Damian Gahlinger, selbstständiger Maurer aus Niederhelfenschwil. Er war gerade beruflich in der Region unterwegs. «Ich begrüsse die Initiative des ‹Toggenburgerhofs›. Wenn man arbeiten darf, darf man auch ein Mittagessen konsumieren. Aus meiner Sicht müsste man alle Restaurants wieder öffnen», sagte Gahlinger, als er seinen Kaffee trank und ein «viel zu leichtes Sudoku» in der Zeitung löste.

Der Ansturm ist am ersten Tag also ausgeblieben. Für Linus Thalmann keine grosse Überraschung – und auch kein Problem. «Es ging alles sehr schnell. Am vergangenen Donnerstag gab es die Ankündigung des Bundesrates, am Samstag zog der Kanton St.Gallen nach und man konnte sich über Gastro St.Gallen anmelden», sagte der Gastronom. Um dann zu ergänzen: «Es geht darum, ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, dass wir noch da sind.»

Auf ein solches Mittagessen haben die Handwerker mehrere Wochen warten müssen.

Auf ein solches Mittagessen haben die Handwerker mehrere Wochen warten müssen.

Bild: TVO

Hoffen auf den 19. März

Angeboten wird das Gleiche wie beim Take-away, den der «Toggenburgerhof» schon seit einigen Wochen anbietet. Es arbeiten auch die gleichen Leute. Drei Personen, alles Lehrlinge, stehen an diesem Montagmittag im Einsatz – einer im Service, zwei in der Küche. Thalmann sagt:

«Ich hätte nie aufgemacht nur für den Büezer-Zmittag. Das würde sich nicht lohnen. Zusammen mit dem Take-away geht es im Gleichen.»

Den Kirchberger Büezer-Zmittag gibt es nun von Montag bis Freitag. Zwingend nötig ist eine vorangehende, schriftliche Anmeldung durch den Arbeitgeber bis um 11 Uhr. Auch am Samstag dürfte die Betriebskantine im «Tögg» öffnen. «Doch dann arbeitet in diesen Branchen niemand», sagt Thalmann. Verbunden ist dies alles mit der Hoffnung, am 19. März wieder «normal» öffnen zu können. Für alle. Auch abends. «Nur bis 19 Uhr zu servieren wie vor dem zweiten Lockdown, das würde uns gar nichts bringen», sagt Thalmann.