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Lobgesang auf die Knabenschule

Der Vortrag des Psychologen Allan Guggenbühl am Kathi in Wil zum Thema knabengerechte Schule war aus aktuellem Anlass gut besucht. Die Diskussion im Anschluss blieb jedoch einseitig und oberflächlich.

Lara Wüest
Die Diskussionsrunde: Moderatorin Regula Elsener, Martin Gehrer, Allan Guggenbühl, Emire Mustafa, David Friedl (v.l.) Bild: Lara Wüest

Die Diskussionsrunde: Moderatorin Regula Elsener, Martin Gehrer, Allan Guggenbühl, Emire Mustafa, David Friedl (v.l.) Bild: Lara Wüest

Für einmal sollte es an der Mädchensekundarschule St. Katharina nur um Knaben gehen: Die Elternvereinigung hatte den Psychologen und Buchautor Allan Guggenbühl (siehe Kastentext) am Donnerstagabend für ein Referat zum Thema «Auf dem Weg zu einer knabengerechten Schule» eingeladen. Das Interesse war gross, die Aula bereits zehn Minuten vor Veranstaltungsbeginn rappelvoll. So manch ein Zuhörer dürfte an diesem Abend den Weg ans Kathi aber wohl aus aktuellem Anlass gefunden haben: Schliesslich ist die Zukunft der Schule zu einem Politikum geworden.

Bevor Allan Guggenbühl sich für eine knabengerechte Schule ins Zeug legen konnte, sprach die Journalistin Regula Elsener, die als Moderatorin durch den Abend führte, mit der Schulleiterin Corinne Alder und der Präsidentin der Elternvereinigung, Heike Breit, über das Vorhaben des Stadtrates, die Wiler Oberstufe künftig ohne die Mädchensekundarschule zu führen. So fragte die Moderatorin die Schulleiterin etwa: «Wieso gründen Sie nicht einfach eine gemischte Schule?» Die Antwort von Corinne Alder fiel kurz aus: «Mädchen sind anders als Jungen. Für sie ist es angenehmer, unter sich zu sein.

Schulsystem scharf kritisiert

Dass Mädchen anders sind als Jungen, blieb das Hauptthema des Abends. Darauf basierte die Argumentation von Allan Guggenbühl, der sich in seinem Vortrag für den getrennten Unterricht von Buben und Mädchen stark machte. Knaben, sagte er, seien risiko- und wettbewerbsfreudiger und auch selbstbewusster als Mädchen. Sie bräuchten klarere Regeln und Strukturen, um in der Schule erfolgreich zu sein. Der Experte kritisierte das heutige Schulsystem scharf: Dieses sei auf Mädchen zugeschnitten. Deshalb fordert er mehr Knabenschulen. «Die Buben sind die Bildungsverlierer, sie haben ein Anrecht auf Förderung.»

Manche Äusserungen des Psychologen an diesem Abend waren extrem. So sagte er etwa, die Benachteiligung von Knaben durch das Schulsystem werde in gleicher Weise verkannt, wie die Aktion «Kinder der Landstrasse», als die Schweizer Behörden zahlreiche Kinder ihren jenischen Familien entzogen. Doch Allan Guggenbühl ist auch ein guter Redner, immer wieder brachte er das Publikum mit Anekdoten aus seinem Berufsalltag zum Lachen, oft erntete er zustimmendes Gemurmel und Nicken. Nur eine Zuhörerin zeigte sich in der Fragerunde nach dem Vortrag «irritiert» über eine seiner Äusserungen. «Ich bin schockiert, dass Sie von Knabenförderung sprechen, wenn man sieht, wer heute in der Arbeitswelt die führenden Positionen innehat.»

Diskussion ohne Inhalt

Nach dem Vortrag diskutieren Martin Gehrer, Administrationspräsident des katholischen Konfessionsteils und ehemaliger St. Galler Regierungsrat, Emire Mustafa, Administratorin der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Wil wenn», und David Friedl, Biologiestudent an der Universität Zürich, mit dem Psychologen Guggenbühl über den geschlechtergetrennten Unterricht von Knaben und Mädchen. Die Diskussion blieb jedoch oberflächlich und einseitig. Sowohl Gehrer als auch Mustafa und Friedl hatten in ihrer Kindheit geschlechtergetrennte Schulen besucht – und sind davon noch heute begeistert. Jemand, der sich für gemischte Schulen aussprach, fehlte an dem Anlass. Zuhörer, die sich eine differenzierte Auseinandersetzung mit Thema Vor- und Nachteilen von reinen Knaben- und Mädchenschulen erhofften, wurden enttäuscht.

Zur Person

Der Zürcher Allan Guggenbühl studierte Psychologie an der Universität Zürich und liess sich zum analytischen Psychotherapeuten ausbilden. Er leitet die Psychotherapiegruppe für Kinder und Jugendliche bei der Erziehungsberatung des Kantons Bern, ist Direktor des Instituts für Konflikt- management und Mythodrama in Zürich und Bern, führt eine eigene Praxis und lehrt als Professor an der Pädagogischen Hochschule des Kantons Zürich. Zudem hat er mehrere Fachbücher zu psychologischen und pädagogischen Themen verfasst. (law)

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