Live ins Familienleben blicken

Auf Einladung der Kinderschutzgruppe Flawil-Degersheim präsentierte die Theatergruppe Bilitz «Live: Family life» im Kulturkeller im Restaurant Park. Die Gelegenheit, selbst mitwirken zu können, liessen sich die wenigen Gäste nicht nehmen.

Bettina Bellmont
Drucken

Flawil. Bei Familie Tobler hängt der Haussegen mächtig schief. Gerade noch hat sich die alleinerziehende Mutter auf einen ruhigen Abend mit ihrer Tochter gefreut, doch dann fällt sie aus allen Wolken. Tochter Svenia hat nicht für sie die Wohnung aufgeräumt, sondern für einen Schulkameraden, der schon bald kommen soll. Der Mutter gefällt das gar nicht und sie bleibt demonstrativ, wo sie ist. «Mami», schreit die Tochter ziemlich genervt. «I derä Jackä gsehsch us wiä ä Putzfrau.»

«Stopp», ruft das Publikum und die Schauspielerinnen Agnes Caduff und Christina Benz erstarren, die Köpfe immer noch hochrot, die Hände zu Fäusten geballt und auf dem Gesicht der Mutter bleibt ein gekränkter Ausdruck zurück. «Warum habt ihr hier gestoppt?», fragt Spielleiter Roland Lötscher in die Runde, «Was würdet ihr denn jetzt ändern?»

Kurzfassung nicht nötig

Das Forumtheater «Live: Family life» der Theatergruppe Bilitz mit Agnes Caduff, Christina Benz, Gabor Nemeth und Roland

Lötscher brachte am Freitagabend Situationen und Konflikte aus dem alltäglichen Familienleben live in den Kulturkeller des Restaurants Park. Der Anlass wurde durch die Kinderschutzgruppe Flawil-Degersheim organisiert. Die rund achtköpfige Gruppe möchte durch mehrere Anlässe im Jahr die Bevölkerung von Flawil und Degersheim für die Thematik Kinderschutz sensibilisieren. Am Freitag jedoch folgten zum Bedauern der Organisatoren gerade mal zwei Gäste der Einladung.

«Dann machen wir eben eine verkürzte Version», entschieden sich die Schauspieler, denn obwohl niemand gezwungen werde, aktiv ihm Forumtheater teilzunehmen, bestehe doch die Gelegenheit, die Geschichte auf die eine oder andere Art zu beeinflussen. Und das gehe mit mehr Publikum besser. Hätten sie gewusst, dass die kleine Zuschauerrunde durchaus Gesprächsstoff für einen ganzen Abend lieferte, hätte die Theatergruppe diesen Satz im voraus streichen können.

Mittendrin wird's schwierig

«Was würdet ihr ändern?» war wohl eine der zentralsten Fragen des Abends. Doch anstatt nur theoretisch zu diskutieren, wurde selbst mitgespielt. Wie reagiert man als Vater, wenn verschiedene Bedürfnisse der Familienmitglieder aufeinander prallen? «Ich habe so gerne mitgespielt», erklärt ein Gast, der sowohl in die Rolle des Vaters als auch in einer zweiten Szene die Rolle der Tochter übernahm.

«Von aussen sieht die Situation so simpel aus, doch wenn man mittendrin ist, wird es schwer, das Problem zu lösen. Doch es sei ein herrliches Gefühl gewesen, zu sehen, dass man mit seinen Fähigkeiten etwas bewirken könne, fügte er an.

Ein «Danke» erhalten

Seine Frau konnte hier nur zustimmen. Auch sie übernahm kurz eine Rolle – nämlich die der gekränkten Mutter – und brachte die wütende Svenia sogar dazu, sich ein gehauchtes «Danke» abzuringen.

«Einfach ein wunderbares Gefühl, so etwas zu erleben», freute sich die kurzzeitige «Ersatzmutter». «Mir hat es super gefallen», schwärmte auch Sabrina Simon, Mitglied der Kinderschutzgruppe. Im Voraus habe sie sich nämlich nicht genau vorstellen können, was sie nun erwarten würde. Mit einem Lächeln fügte sie an: «Wir hatten Glück, dass sich die wenigen, die hier waren, so intensiv eingesetzt haben.»

Aktuelle Nachrichten