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Linzertorte in Bankerhänden

Zwei Berufe, zwei Ausbildungsplätze, zwei Welten: Eliane Metzgers sieht ihrer Zukunft in der Backstube, Selina Schlegel reizvolle Perspektiven im Bankenwesen. Für eine Woche haben die zwei ihre Lehrstellen getauscht.
Andrea Häusler
Eliane Metzger, Lernende bei der Bäckerei Niffeler (links), und Selina Schlegel, Auszubildende bei der Raiffeisenbank, haben die Inhalte der Lehrstellentausch-Woche selbstständig festgelegt. (Bild: Andrea Häusler)

Eliane Metzger, Lernende bei der Bäckerei Niffeler (links), und Selina Schlegel, Auszubildende bei der Raiffeisenbank, haben die Inhalte der Lehrstellentausch-Woche selbstständig festgelegt. (Bild: Andrea Häusler)

Normalerweise sässe Selina Schlegel zu der Zeit hinter ihrem Computer, kümmerte sich um Finanztransaktionen oder beriete Schalterkunden zu Fragen über Kontoeröffnungen und Wechselkursen. Stattdessen steht die Bankkauffrau im zweiten Lehrjahr in der Backstube, packt Nusspaste in Blätterteig und schält Linzertorten aus der Form.

Möglich gemacht hat das einwöchige Eintauchen in eine andere Berufswelt das Projekt «Seitenwechsel KMU» der Raiffeisenbank Niederuzwil. Dieses ermöglicht es den Lernenden der Bank, ihren persönlichen Horizont zu erweitern, Erfahrungen zu sammeln und davon zu profitieren. Für Samuel Niffeler, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei-Konditorei in Henau, ist der «Seitenwechsel» eine Premiere, die er bereits am dritten Tag des Austauschs als gelungen bezeichnet. «Selina ist stets pünktlich, höflich, engagiert und vielseitig interessiert», lobt er seine «Aus- zubildende» auf Zeit. «Wenn es mit der Eignung der oder des Lernenden passt, bin ich auch ein nächsten Mal wieder dabei.»

Im Februar wird die Bäckerin zur Bankerin

Dass es in der Backstube der Dorfbäckerei trotz der Hektik des Alltags so reibungslos klappt, ist nicht zuletzt der eigenen Lernenden, Eliane Metzger, zu danken. Sie hat die Projektwoche gemeinsam mit Selina organisiert und steht ihr auch bei der täglichen Arbeit quasi als Patin zur Seite. Im Februar wird sie es sein, die fremde Arbeitsluft schnuppert – bei der Raiffeisenbank Niederuzwil. In einer Branche, die überhaupt nicht die ihre ist, wie sie heute noch glaubt. «Eine Bankausbildung stand bei der Berufswahl nie auf meiner Favoritenliste», sagt die junge Frau, die im Frühjahr ihre Lehrabschlussprüfung ablegen wird. «Nebst dem Bäcker-/Konditorberuf wäre vielleicht noch die Fachrichtung Konditorei-Confiserie in Frage gekommen oder eine Ausbildung als Köchin.» Dennoch freut sie sich auf die betriebsexterne Woche. Und auf die Büroarbeitszeiten: «Endlich einmal ausschlafen», lacht sie und taucht eines der Blätterteighufeisen ins Zuckerbecken.

Von einem «normalen» Schlafrhythmus konnte Selina Schlegel in den vergangenen Tagen nur träumen. Wobei sie einräumt, dass sie nie versucht gewesen sei, den Wecker, beziehungsweise das nervtötend schrillende Handy, gegen die Wand zu knallen. Allerdings sei der Arbeitsbeginn um 02.00 Uhr – für Bäckerverhältnisse – auch eher human gewesen sei. Am Samstag stehe sie dann um 00.30 Uhr in der Backstube. Ausgeruht - nach dem Schultag, der am Freitag trotz der Projektwoche auf dem Programm steht. Die 16-Jährige absolviert die bilinguale KV-Ausbildung – ein Pilotprojekt des BZWU in Wil. Bankfach- und Allgemeinwissen in Englisch: Eine Herausforderung, die anzunehmen die 16-Jährige aber bisher nie bereut hat.

«Den herrlichen Duft werde ich vermissen»

Bereuen tut sie auch den Lehrstellentausch nicht. Im Gegenteil. Früher, sagt sie, habe sie Brot gekauft ohne über dessen Entstehung nachzudenken. Das sei heute anders. Auch möge sie die körperlich recht anstrengende Arbeit in einem produzierenden Team. Besonders freue sie sich auf das Torten verzieren. «Das steht uns noch bevor.»

Wird sie, nach der Rückkehr in die Raiffeisenbank, etwas vermissen. «Den herrlichen Duft», lacht Selina Schlegel ohne zu Überlegen. Ihre Berufswahl hält sie dennoch für die richtige: «Viele haben von den Tätigkeiten in einer Bank eine völlig falsche Vorstellung: Es geht längst nicht nur um trockene Zahlen.» Und einen grossen Vorteil habe die Bank ja gegenüber der Backstube: «Es muss nicht selber geputzt werden...»

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