Liebe ist wie Schwefel im Weinfass

MOGELSBERG. «Wir verbreitern Heiterkeit, wir sind die Miesmuscheln auf dem Jakobsweg!» Schertenlaib & Jägerlehner. Mit hohen Ansprüchen tritt das Duo auf die Bühne. Zum ersten Mal in Mogelsberg, endlich, vor knapp vollem Saal.

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Berner Komiker und Wortverdreher: Michel Gsell und Gerhard Tschan als Schertenlaib & Jägerlehner (mit Hut) auf der Bühne des KiM. (Bild: mhu.)

Berner Komiker und Wortverdreher: Michel Gsell und Gerhard Tschan als Schertenlaib & Jägerlehner (mit Hut) auf der Bühne des KiM. (Bild: mhu.)

MOGELSBERG. «Wir verbreitern Heiterkeit, wir sind die Miesmuscheln auf dem Jakobsweg!» Schertenlaib & Jägerlehner. Mit hohen Ansprüchen tritt das Duo auf die Bühne. Zum ersten Mal in Mogelsberg, endlich, vor knapp vollem Saal. Der eine, Jägerlehner, pünktlich, der andere, Schertenlaib, drei Minuten zu spät. Dafür wird er gerügt vom Kollegen, gibt aber sogleich alles, so dass dieser ihn wiederum bremsen muss: «Einteilen, einteilen!» Jägerlehner nimmt die Trompete und bläst ihm eins, seinem Kumpel Schertenlaib, derweil der aufs Schlagzeug haut, als wär's seine letzte Vorstellung.

Komiker, Absurdisten

Schertenlaib & Jägerlehner. Komiker, Absurdisten, Webstübler, was auch immer. Aus Bern kommen sie (oder wenigstens aus der Nähe), Gerhard Tschan (Jägerlehner), Michel Gsell (Schertenlaib), sie sind schon zig Jahre im Geschäft des Kabaretts und der Komik, seit gut fünf Jahren gemeinsam als «Schertenlaib & Jägerlehner». Sie machen Auftragsarbeiten, betonen sie, Catering zum Beispiel («chalti Plättli»), oder Wiesen mähen («hüüt wird wider gmaiht»), oder ebenda, Leute unterhalten. Zum Beispiel am Samstag im «Rössli» zu Mogelsberg. Zwei wie Pech und Schwefel, darum heisst ihr zweites Programm auch «Schwäfu», nachdem ihr erstes im Jahr 2007 als «Päch» erfolgreich durch die Deutschschweiz tourte.

Steile Karriere

Samstags in Mogelsberg, montags dann Arosa. Humorfestival, das TV wird auch dort sein, eine steile Karriere für das Duo im nationalen Geschäft mit dem Humor. Innert fünf Jahren von null ins Schweizer Fernsehen, andere warten Jahre darauf. Doch Schertenlaib & Jägerlehner haben es verdient.

Komik, Schauspielerei, Lieder, Instrumente, Wortwitz, furztrockenen Humor, Sinn für Schabernack – die beiden beherrschen das ganze Leiterlispiel des Metiers.

Verdient haben sie auch den Salzburger Stier, den sie exakt vor einer Woche zugesprochen erhielten und von dem man sagt, er sei die höchste Auszeichnung in der deutschsprachigen Kleinkunstunterhaltungsbranche, und der 6000 Euro abwirft.

Holzböden ölen

Doch zurück zu den «Auftragsarbeiten». Holzböden ölen gehört dazu, und Reimereien für bestimmte Zwecke: «Nid jede Fischreier reiert in Füürwehrweier.» Auch zum Repertoire gehören Liebeslieder auf Bestellung. Liebe sei wie ein Halbtaxabonnement, sagt der eine, man müsse sie alle drei Jahre verlängern. Liebe sei wie der Schwefel im Weinfass, sagt Jägerlehner, auch der mache Kopfweh. Liebe sei wie Monarchie, so Schertenlaib, nein Liebe sei Anarchie, erwidert sein Gegenüber vehement. «Liebe isch Revolution!» tönt's dann von der Bühne, und schon ist man beim nächsten Thema, beim Mähen von Wiesen in Andermatten, nicht Chalbermatten, nicht Obermatten. «Revolution!», ruft Jägerlehner zum Reggae-Takt mit spanischem Akzent.

Das Publikum wird herumgeworfen, erst verdauen, Richtungsänderung, mitgerissen zwischen den Wortspielereien mit und ohne Sinn, dann lachen, und nächste Nummer.

Michael Hug