LIEBE: Einsam und alleine auf dem Hof

Die Suche nach einer Partnerin gestaltet sich für Bauern schwieriger als für andere Berufsgruppen. Die Flawiler Partnervermittlerin Andrea Klausberger kennt die Schwierigkeiten, die sich für Landwirte ergeben.

Gianni Amstutz
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Andrea Klausberger hilft Männern und Frauen dabei, die Partnerin oder den Partner fürs Leben zu finden. (Bild: PD)

Andrea Klausberger hilft Männern und Frauen dabei, die Partnerin oder den Partner fürs Leben zu finden. (Bild: PD)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Die Suizidfälle von jungen Bauern häufen sich. Erst im Januar nahmen sich drei Jungbauern aus dem Thurgau das Leben. Andrea Klausberger, Gründerin und Inhaberin der Partnervermittlung mit Herz, ist überzeugt, dass das nicht nur mit der Agrarreform zu tun hat. Die Einsamkeit mache vielen alleinstehenden Bauern schwer zu schaffen. Das erlebe sie bei ihrer täglichen Arbeit mit den Landwirten. Für Bauern sei es besonders schwierig, keine Partnerin zu haben. «Ohne Frau müssen die Bauern den Hof alleine führen. Das ist eine hohe Belastung», sagt Andrea Klausberger. In ihrer Partnervermittlung in Flawil versucht sie, diesem Umstand Abhilfe zu schaffen.

Vorurteile gegen Bauern abbauen

Seit über 20 Jahren hilft Andrea Klausberger alleinstehenden Personen aus der ganzen Schweiz dabei, die richtige Partnerin oder den richtigen Partner zu finden. Doch sie gesteht ein, dass es schwieriger sei, für Bauern eine Partnerin zu finden als für andere Berufsgruppen. «Das hängt mit Vorurteilen gegenüber diesem Beruf zusammen. Viele Frauen glauben, dass Bauern ungepflegt sind und keine Zeit neben der Arbeit haben», sagt sie. Diese Vorurteile könne sie jedoch nicht bestätigen. Sie erlebe die Landwirte als gut gebildete, moderne Unternehmer. In den persönlichen Gesprächen, die sie mit den Frauen in ihrer Partnervermittlung führt, versucht sie deshalb, ungerechtfertigte Vorurteile abzubauen. Das gelinge zwar nicht immer, aber sie habe schon viele Erfolgsmeldungen verzeichnen können, sagt sie.

Als weitere Hürde in der Vermittlung von Bauern sieht An­drea Klausberger den Umstand, dass Frauen, die sich auf eine Beziehung mit einem Landwirt einlassen, oftmals gewillt sein müssten, auf den Hof zu ziehen. «Jungbauern, die den Hof ihrer Eltern übernehmen, sind nicht einfach so dazu bereit, diesen für eine Beziehung aufzugeben.» Sie suchten nach einer Frau, die auf den Hof zieht und bei der täglichen Arbeit mit anpackt.

Bei der Partnerinnensuche junger Bauern erschwerend hinzu komme, dass es unabhängig vom Beruf schwieriger sei, junge Männer zu vermitteln als Frauen. «Das hängt mit den Zahlen zusammen», erklärt Andrea Klausberger. Denn deutlich weniger junge Frauen als Männer würden sich bei ihrer Partnervermittlung melden.

Die Partnersuche sei in der heutigen Zeit aber generell nicht leichter geworden. «Vielen Personen, und das betrifft nicht nur Bauern, fehlt schlichtweg die Zeit, um eine Partnerin oder ­einen Partner zu finden», sagt Andrea Klausberger.

Keine grosse Liebe nach wenigen Klicks

Auch das Internet mit seinen zahlreichen Partnervermittlungsportalen könne da nicht immer weiterhelfen. «Es wird suggeriert, dass die grosse Liebe mit ein paar Klicks gefunden werden kann.» Doch dem sei oftmals nicht so. Auch bei der Sendung «Bauer, ledig, sucht» würden hauptsächlich Erfolgsgeschichten gezeigt. «Das vermittelt meinen Kunden teilweise ein falsches Bild», sagt die Flawiler Partnervermittlerin. Deshalb steht sie Online-Dating-Plattformen und Fernsehformaten, die sich der Suche nach der grossen Liebe widmen, eher kritisch gegenüber. «Wenn sich jemand über das Internet oder eine Fernsehshow kennen lernt, freut mich das.» Die Erfolgsaussichten seien bei diesen Wegen jedoch gering. Das versicherten ihr auch immer wieder ihre Kundinnen und Kunden, erzählt Andrea Klausberger.

Bei ihrer Partnervermittlung steht das persönliche Kennenlernen einer Person an erster Stelle. Nur so sei es ihr möglich, Personen, die zusammenpassen, miteinander bekannt zu machen. Auch sie könne nicht für jeden «Topf den passenden Deckel finden». «Ich bin aber fest davon überzeugt, dass meine Kundinnen und Kunden die persönliche Beratung und Betreuung gerade im Zeitalter des Internets sehr schätzen.»