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In Wolfertswil schliesst der letzte Laden Ende Jahr

Noch wenige Wochen, dann wird der Ofen in der Backstube kalt, der Duft von frischem Brot verflogen und die Ladentür geschlossen sein. Mit der Pensionierung von Max Huber verliert Wolfertswil das letzte Geschäft.
Andrea Häusler
Max Huber in seiner Bäckerei an der Unterdorfstrasse 1, die er auf Ende dieses Jahres aufgeben will. (Bild: Bilder: Andrea Häusler)
Endzeit: Die Bäckerei Huber im Vordergrund schliesst Ende Jahr, die Liegenschaft «Metzgerei Eigenmann» steht zum Verkauf.
Postkartenausschnitt um 1900: oben die Post (links) und die Stickerei Wilhelm Dudli, unten die heutige Bäckerei Huber, damals Kappeler.
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Letzter Laden schliesst Ende Jahr

Auf dem riesigen Blech reiht sich Weihnachtsguetzli an Weihnachtsguetzli: gluschtige, goldbraun gebackene Florentinerli. «Die muss ich noch in Schokolade tauchen», sagt Max Huber in der alten Backstube im Haus 1 an der Unterdorfstrasse. Es ist Montag, der Laden geschlossen. Gebacken wird trotzdem, wenn auch kein Brot.

Die Öffnungszeiten hat Max Huber bereits vor einiger Zeit reduziert. Früher, sagt er, sei das Geschäft auch nachmittags offen gewesen. Nachdem seine Frau aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr hinter der Theke stehen konnte, sei dies jedoch nicht mehr möglich gewesen. Die Kundschaft habe sich daran gewöhnt. Ausserdem hätten sich die Marktverhältnisse gewandelt.

«Obwohl das Dorf in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist, stiegen meine Umsätze nicht – im Gegenteil», sagt Max Huber.

Samstags sei der Laden jeweils voll, allerdings mehrheitlich mit Kundinnen und Kunden aus Flawil. Während der Woche hingegen sei die Nachfrage nach Back- und Spezereiwaren zunehmend geringer geworden. Huber, der nach 50 Berufsjahren und mit dem Erreichen des Pensionsalters die Bäckerschaufeln beiseitelegen will, hat sich deshalb gar nicht erst um einen Nachfolger bemüht. «Das Geschäft ist keine Existenz mehr», begründet er. Ausserdem müsste zu viel in die technische Infrastruktur der Backstube investiert werden.

Hefestollen und Mandelfische auf Bestellung

Räumen und Stilllegen will er die Backstube aber nicht. Er weiss um den Ruf, den seine Hefestollen und Mandelfische über das Dorf hinaus geniessen, kennt die Beliebtheit der Zimt- und Schokoladenkuchen, die er nach dem Rezept seines Grossvaters herstellt. «Eine Kundin hat mich bereits angefragt, ob sie gegen Ende des Jahrs noch zehn Stollen kaufen könne: zum Einfrieren.» Deshalb will er seine Spezialitäten – auf Bestellung – auch über das Pensionsalter hinaus weiter produzieren. Wobei er klar macht, dass ihm das Loslassen keineswegs schwerfalle.

«Ich habe noch das eine oder andere vor, möchte nicht arbeiten bis zum Umfallen.»

Mit dem «vorhaben» meint er unter anderem das Reisen. Die weite Welt hat Max Huber immer schon fasziniert. Immer wieder blickt er im Gespräch zurück, erzählt von seinen Familienferien auf den Malediven oder den Aufenthalten in den Vereinigten Staaten. Wenn er dann von jenem jungen Bäcker spricht, der sich in New York mit Schweizer Bürli eine Existenz aufgebaut hatte und von der Chance, in Los Angeles ein ähnliches Projekt zu verwirklichen, schwingt ein Hauch von Wehmut in seiner Stimme mit. «Das wäre schon etwas gewesen», sagt er. Doch seien die Beziehung zur Heimat und der Wunsch, den Vater mit der Übernahme der Bäckerei glücklich zu machen zu stark gewesen.

Der letzte Verkaufsladen

Ins Geschäft eingetreten war Max Huber, der sein Handwerk in der Bäckerei Bernet in Uzwil erlernt hatte, 1985. Mit dem Kauf der Liegenschaft führte er eine Familientradition weiter, deren Basis sein Grossvater 1911 gelegt und sein Vater ab 1979 fortgesetzt hatte. Zu Zeiten, in denen sich in Wolfertswil – unter anderem – noch zwei Bäckereien und Metzgereien konkurrenziert hatten.


Vom einstigen Stickerhaus zur Dorfbäckerei

Weit über 100 Jahre lang war die Liegenschaft an der Unterdorfstrasse im Besitz der Bäckerfamilie Huber. Das Gebäude ist jedoch sehr viel älter. Die erste bekannte Erwähnung geht auf das Jahr 1853 zurück. Damals soll es von Stickerfabrikant Ammann tauschweise erworben worden sein. Dies sagt der historisch bewanderte Wolfertswiler Albert Egger. 21 Jahre später ging die Liegenschaft zusammen mit zwei weiteren Gebäuden, welche Ammann zwischenzeitig erbaut hatte (Haus Hofstetter/abgebranntes Fabrikgebäude beim Kircheneingang) in den Besitz des Herisauer Fabrikanten Steiger über.

Das Unternehmen machte 1886 als Folge der Stickereikrise Konkurs. Drei Jahre später wurde die Liegenschaft mit allen Bauten von Stickereifabrikant Bartholdi aus Hosenruck gekauft. 1892. Das Haus an der Kreuzung geht an Bäcker Johann Klaus, der es bereits 1897 an Johann Robert Kappeler, Bäcker und Müller aus Gossau, veräussert. Egger nimmt an, dass das Objekt in diesen Jahren in die heutige Form umgebaut wurde, bevor es 1911 von Josef Huber, Bäcker und Wirt zum Adler in Urnäsch, erworben wurde. (ahi)

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