Letzter Auftritt mit Bruder Karl

Mit einem Konzert in der katholischen Kirche verabschiedete sich der Kapuzinermönch Karl Bauer vom Gospelchor Oberbüren. Nach 18jähriger Dirigiertätigkeit übergibt er die Leitung an Anja Gähwiler.

Carola Nadler
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Bruder Karl war bei den Sängerinnen und Sängern des Gospelchors Oberbüren beliebt. Nach 18 Jahren reicht er den Taktstock weiter. (Bild: Carola Nadler)

Bruder Karl war bei den Sängerinnen und Sängern des Gospelchors Oberbüren beliebt. Nach 18 Jahren reicht er den Taktstock weiter. (Bild: Carola Nadler)

OBERBÜREN. Der in Oberbüren aufgewachsene Karl Bauer ist in der Ostschweizer Gospel-Szene bekannt wie ein bunter Hund. Einerseits trug sein Erscheinungsbild zu diesem Bekanntheitsgrad bei – die braune Kutte mit der weissen Kordel wippte stets im Rhythmus seines engagierten Dirigats mit. Andererseits hatte er in diesen 18 Jahren einen Stil entwickelt, dem er treu blieb, den er souverän durchzog: Er setzte auf einen elektronisch meist unverstärkten Chor und hielt danebst den klassischen Chorgesang hoch. So findet sich auch Joseph Haydns Komposition «Die Himmel erzählen» aus dem Oratorium «Die Schöpfung» im Repertoire des Gospelchors Oberbüren.

Hang zur Klassik

Diese Liebe zur klassischen Musik beschränkte sich jedoch nicht nur auf die Stückauswahl, sondern auch auf die Stimmkultur des Chores, wie am Konzert in der vollbesetzten Kirche zu hören war. Die Sängerinnen und Sänger beherrschten nicht nur den typischen Gospelsound, sondern zeigten auch in A-cappella-Liedern wie «Si ya hamba» Ausgewogenheit, Sicherheit in der Intonation und grosse Beweglichkeit in der dynamischen Gestaltung.

Mitklatschen will gelernt sein

Mit diesem Konzept hatte Bruder Karl Bauer eine Symbiose zwischen klassischer Kirchenmusik und dem «White Gospel» geschaffen, die ihresgleichen sucht. Unvergesslich werden auch die liebenswerten Eigenheiten des passionierten Gosplers sein: Etwa, wenn ein durch Handgesten angedeutetes Lachen ein Strahlen auf die Gesichter seines Chores zauberte, oder wenn er sich zum Publikum drehte und versuchte, dieses zum richtigen Mitklatschen zu erziehen: Auf zwei und vier, nicht auf eins und drei – eine Aufgabe, derer er nie müde wurde, trotz dauerhafter Erziehungsresistenz des Publikums. Eine Diashow, von Pianist Christian Schneebeli zusammengestellt, zeigte einen Rückblick auf die vergangenen 18 Jahre, begonnen bei der Gründung des Chores «für ein halbes Jahr» über zahlreiche Reisen nach Venedig, Salzburg oder Süddeutschland bis zu den Auftritten wie der Expo oder zusammen mit Special Guest Bo Katzman. Jean Marc Possa würdigte in seiner Laudatio das Wirken Bruder Karls und fand im 8. Jahrhundert eine Persönlichkeit, deren Titel er für einen Tag auslieh: Karl der Grosse. «Karl, auch wenn Du gehst, Du wirst immer in unseren Herzen bleiben.»

Standing Ovations

Gleichzeitig stellte Possa die neue Dirigentin des Gospelchors Oberbüren vor: Mit Anja Gähwiler geht ein Wunsch Bruder Karls in Erfüllung, der sich als Nachfolge eine junge, dynamische Leitung gewünscht hatte.

Standing Ovations und tosender Applaus begleiteten Bruder Karls Auszug zu «Shine your light» aus seinem letzten Gospelkonzert. Mehr als zwei Zugaben hatte er nie gewollt.

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