Letzte Stromfresser auslöschen

UZWIL. Seit Juni können Herr und Frau Uzwil kostenlos einen Stromdetektiv ins Haus bestellen. Eine einmalige Gelegenheit für Familie Ranzoni: Sie lebt bald zu 100 Prozent von Sonnenenergie und will dafür noch Sparmöglichkeiten aufspüren.

Angelika Hardegger
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Obwohl Simone und Marco Ranzoni schon wenig Strom verbrauchen, kann Energieberater Michel Bokstaller noch Sparmassnahmen aufzeigen. (Bild: Angelika Hardegger)

Obwohl Simone und Marco Ranzoni schon wenig Strom verbrauchen, kann Energieberater Michel Bokstaller noch Sparmassnahmen aufzeigen. (Bild: Angelika Hardegger)

Vom Stromdetektiv habe sie in der Zeitung gelesen, sagt Simone Ranzoni. «Wir wollen im Oktober Sonnenkollektoren installieren und unseren Strom dann ganz aus Sonnenenergie gewinnen.» Deshalb habe sie den Energieberater ins Haus bestellt, um zu sehen, ob noch irgendwo Strom gespart werden könne. «Ich glaube aber, wir sind schon gut unterwegs.» Tatsächlich lebt Familie Ranzoni schon jetzt energiebewusst. Das neue Einfamilienhaus im Chupferfeld, das sie vor fünfeinhalb Jahren bezogen hatte, wurde nach Minergiestandard gebaut.

Auch dem Portemonnaie zuliebe

Energieberater Michel Bokstaller von der Energieagentur St. Gallen hat schon anderes erlebt. Durchschnittlich einmal die Woche ist der gelernte Elektromonteur in den Uzwiler Haushalten unterwegs und spürt Stromfresser auf. «Da waren einige Liegenschaften dabei, die noch mit elektrischen Widerstandsheizungen arbeiten.» Damit werde rund viermal mehr Strom verbraucht als mit einem wassergeführten Verteilsystem, erklärt er.

Unter seinen Klienten fänden sich Leute wie die Familie Ranzoni, die sich aus Überzeugung für Stromsparmassnahmen interessierten. Es seien aber auch Liegenschaftsbesitzer dabei, die horrende Stromrechnungen erhielten und deshalb den Stromspardetektiv buchten.

Die versteckten Stromfresser

Auf dem Rundgang durch das zweistöckige Haus schaut sich der Energieberater nicht nur jede Leuchte und jedes Haushaltsgerät genau an. Auch die versteckten Stromfresser hat er im Visier: Darunter das stationäre Trainingsfahrrad, das bei Ranzonis im Keller steht. Oder die elektrisch betriebenen Jalousien. Der Kühlschrank im Retrostil, der im Obergeschoss zwischen Kinder- und Elternschlafzimmer steht, zieht die Aufmerksamkeit des Stromspardetektivs sofort auf sich. «Der braucht aber keinen Strom», beschwichtigt Vater Ranzoni lachend, «da sind nur Frotteetücher drin».

Was Energieberater Michel Bokstaller zufrieden zur Kenntnis nimmt: In keinem der Räume, die er nach Stromfressern absucht – Keller, Heizraum, Küche, Schlaf- und Wohnzimmer, Waschküche, Bad – lassen die Ranzonis das Licht brennen. Für den Bewegungsmelder in der Garage hat Marco Ranzoni sogar eine Abdeckung gebastelt, damit das Licht ausbleibt, wenn er PET- und Aluminiumabfälle entsorgt.

Es ist zu kalt im Kühlschrank

«Das sieht doch ganz gut aus», zieht Michel Bokstaller nach seinem Rundgang Bilanz. Sparpotenzial sei aber trotzdem noch vorhanden: «Die Halogenlampen in der Küche sollten durch LED-Leuchten ersetzt werden, sobald sie kaputtgehen», erklärt er. Für die Geschirrspülmaschine empfiehlt der Energieberater einen Warmwasseranschluss. Und: «Wenn Sie die Temperatur im Kühlschrank auf 6 bis 7 Grad einstellen, können Sie Strom sparen, ohne zu investieren». Die Butter lasse sich so erst noch leichter aufs Brot streichen.

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