Leserbrief

Die Gemeinde Flawil und ihre HPS «Baustopp bei der HPS-Erweiterung» in der Wiler Zeitung vom 23. Februar 2011 Der Artikel wird ergänzt durch einen Kasten mit dem Titel «Mehrkosten für Flawil».

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«Die HPS leistet einen wertvollen Beitrag an die Gesellschaft.» (Archivbild: Melanie Graf)

«Die HPS leistet einen wertvollen Beitrag an die Gesellschaft.» (Archivbild: Melanie Graf)

Die Gemeinde Flawil und ihre HPS

«Baustopp bei der HPS-Erweiterung» in der Wiler Zeitung vom 23. Februar 2011

Der Artikel wird ergänzt durch einen Kasten mit dem Titel «Mehrkosten für Flawil». Hier wird aufgeführt, dass gemäss neuem Beschluss des Kantonsrats die Wohnortgemeinde für jedes Sonderschulkind neu einen höheren Betrag an die Sonderschule bezahlen müsse, als bisher. Es wird darauf hingewiesen, dass viele Familien mit Kindern mit Behinderung wegen der Heilpädagogischen Schule in unsere Gemeinde ziehen, Flawil somit «überdurchschnittlich viele Sonderschüler beheimatet». Die Erhöhung der Gemeindebeiträge würde deshalb für Flawil Mehrkosten von einer halben Million Franken mit sich bringen. Es wird noch kurz über eine eventuell notwendige Erhöhung des Steuerfusses nachgedacht und der Hoffnung Ausdruck gegeben, eine solche werde nicht notwendig sein. Abgesehen davon, dass die Feststellung «überdurchschnittlich viele Sonderschüler» in der Gemeinde Flawil gar nicht stimmt, lassen die Ausführungen im Kasten die Vermutung aufkommen, der Zuzug von Familien mit Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen in die Standortgemeinde der HPS sei wegen der entstehenden Mehrkosten aus der Sicht der Gemeindebehörden nicht erwünscht. Ich hoffe sehr, dass es nicht so ist.

HPS ist ein Standortvorteil

Die meisten Gemeinden werben mit ihren Standortvorteilen um Neuzuzüger. Sie zählen in den entsprechenden Prospekten Hallenbäder, Kartbahnen, Sportanlagen, Jugendtreffs, einen guten Bahnanschluss und dergleichen auf. Ihr Zielpublikum sind sportbegeisterte junge Einzelpersonen oder Familien. Flawil besitzt weder ein Hallenbad, noch eine Disco oder sonst ein entsprechendes Vergnügungslokal für Jugendliche, aber es hat zwei Institutionen, welche die Mehrheit der anderen Gemeinden unseres Kantons nicht anbieten können: Spital und Heilpädagogische Schule.

Acht Gemeinden des Kantons St. Gallen sind Standortgemeinden eines Landspitals, und ebenso viele Gemeinden beherbergen eine Heilpädagogische Schule. Die HPS Flawil ist mit ihren rund 150 Schülern die grösste Heilpädagogische Schule im Kanton und eine der grössten in der ganzen Schweiz. Eine hervorragende Schulleitung und hoch qualifizierte Lehrkräfte sowie Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, Logopädinnen, Physiotherapeutinnen, Ergotherapeutinnen, Psychomotorik-Therapeutinnen und Rhythmiklehrerinnen ermöglichen jedem Kind eine individuelle Schulung, die den Fähigkeiten und Bedürfnissen des Kindes Rechnung trägt. Spital und HPS sind ganz wesentliche Standortvorteile der Gemeinde Flawil, die man im Wettbewerb um Neuzuzüger unbedingt in die Waagschale werfen muss. Da verbieten sich kleinkrämerische Diskussionen über eine finanzielle Mehrbelastung der Gemeindekasse und über eine mögliche Steuerfusserhöhung.

Kosten werden wahrgenommen

Ähnliche Verlautbarungen habe ich während meiner 20-jährigen Tätigkeit am Spital erlebt, welches allzu oft in erster Linie als Kostenverursacher wahrgenommen wurde und nicht als Standortvorteil der Gemeinde. Dies darf sich bei der HPS nicht wiederholen.

Die Gemeinde muss ihre HPS hegen und pflegen und froh sein, dass sie sie hat. Sie erfüllt einen hochrangigen gesellschaftlichen Auftrag und punkto Gemeindekasse ganz im Vertrauen: Auch die Familien der Kinder mit Behinderung sind Steuerzahler und kaufen in unserer Gemeinde ein. Die HPS stellt qualifizierte Arbeitsplätze zur Verfügung für Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, Logopädinnen und andere pädagogische Berufe. Die HPS Flawil beschäftigt total 90 Angestellte, welche mindestens zum Teil in Flawil wohnen und Steuern bezahlen.

Ich wünsche der HPS Flawil, dass ihr Bauvorhaben nicht allzu lange hinausgeschoben wird und dass sie weiterhin trotz finanzieller Hindernisse ihren segensreichen und erfolgreichen Dienst an Kindern mit Behinderung leisten kann, wie bisher.

Die HPS Flawil verdient unsere uneingeschränkte Wertschätzung und Unterstützung. Die Eltern, die im Interesse ihrer Kinder in die Nähe der HPS Flawil kommen und in unserer Gemeinde Wohnsitz nehmen, wissen das. Sie sind bei uns herzlich willkommen.

Dr. med. Jörg Nef

Obere Weidegg 4

9230 Flawil