Lesen lernen im Wald

Die Schule Flawil prüft die Einführung einer Waldklasse ab dem Schuljahr 2017/2018. Die Erfahrungen aus dem Waldkindergarten sind positiv. Laut einer Umfrage stösst der Unterricht im Wald bei den Eltern auf Interesse.

Daria Baur
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Der Waldkindergarten in Flawil ist beliebt. Deshalb könnte das Angebot bald auf die erste bis dritte Primarschulklasse ausgeweitet werden. (Bild: pd)

Der Waldkindergarten in Flawil ist beliebt. Deshalb könnte das Angebot bald auf die erste bis dritte Primarschulklasse ausgeweitet werden. (Bild: pd)

FLAWIL. «Viele Eltern bedauern es, wenn ihr Kind den Waldkindergarten verlässt und ins normale Schulzimmer wechselt», sagt der Flawiler Schulratspräsident Christoph Ackermann. Deshalb und weil die Erfahrungen mit dem Waldkindergarten positiv sind, prüft der Schulrat nun auch die Einführung einer Waldklasse für Primarschüler.

Idee löst grosses Interesse aus

Die Idee löste in einer Umfrage der Gemeinde, die von 173 Eltern eines Kindes mit dem Geburtsdatum zwischen August 2009 und Juli 2012 beantwortet wurde, grosses Interesse aus. 27 Eltern gaben an, ihr Kind sicher oder vielleicht in eine Waldklasse zu schicken. Für den Schulrat Grund genug, das Konzept Waldklasse weiterzuverfolgen. «Der erste Schritt war die Umfrage unter den Eltern. Da dort die Idee auf Interesse stiess, werden wir als Nächstes ein konkretes Konzept ausarbeiten, in dem Fragen bezüglich des Personals, der Infrastruktur und der Bewilligungen des Kantons geklärt werden», sagt Ackermann.

Einmal pro Woche im Schulhaus

Die Kinder, die eine Waldklasse besuchen, würden in einem sogenannten Waldschulzimmer unterrichtet werden. «Dazu gehören einige Tische und Bänke. Man kann es sich wie auf einem Picknickplatz vorstellen», erklärt Ackermann. Auch eine Feuerstelle sowie verschiedene erlebnispädagogische Geräte gehörten dazu. Wie Ackermann sagt, sei die Waldklasse für Kinder, die viel Bewegung brauchen oder einfach gerne draussen sind, eine gute Alternative zur Regelklasse. Der Schulstoff wird derselbe vermittelt. «Auch die Waldklasse richtet sich selbstverständlich nach dem gültigen Lehrplan», betont Ackermann.

Um trotzdem in einer Turnhalle turnen zu können, die Logopädie zu besuchen und andere Infrastrukturen, wie beispielsweise Computer zu nutzen, würde die Klasse einmal in der Woche im Schulhaus unterrichtet werden. Ansonsten wäre sie vier Tage in der Woche, das ganze Jahr über im Wald – also auch im Winter.

Heizbarer Bauwagen?

In der Stadt St. Gallen gibt es bereits eine Waldschule. Jene wird jedoch von einem Verein organisiert. Aber auch dort gibt es, laut Ackermann, sehr gute Rückmeldungen. In der Waldschule St. Gallen wird im Winter in einem heizbaren Bauwagen unterrichtet. Etwas Ähnliches schwebt auch dem Flawiler Schulrat vor. «Welche Infrastrukturen genau vorhanden sein würden, wird im Konzept klar werden», sagt Ackermann.

Standort noch ungewiss

Möglicher Start wäre im August 2017. Dann würden einige Erstklässler mit dem Waldunterricht starten. Ein Jahr später käme dann ein weiteres Drittel einer ersten Klasse dazu, wiederum ein Jahr später nochmals. Somit wäre die Waldklasse eine Mehrjahrgangsklasse des ersten bis dritten Schuljahres.

Der Standort der Waldklasse ist noch ungewiss. Eine Möglichkeit wäre der Landbergwald. «In der Umfrage hat sich ergeben, dass die Bereitschaft der Eltern, ihr Kind in die Waldklasse zu schicken, stark vom Standort des Unterrichts abhängt», sagt Ackermann. Deshalb müsse auch der Standort erst noch geprüft werden.