Les Sauterelles geben sich im Gare de Lion in Wil so rockig wie eh und je

Seit 57 Jahren sind sie unterwegs: die Urgesteine der Schweizer Rock-Geschichte mit Bandgründer Toni Vescoli.

Christoph Heer
Hören
Drucken
Teilen
Les Sauterelles mit Gründer Toni Vescoli (links) machte auf ihrer diesjährigen Tour Halt im Gare de Lion in Wil.

Les Sauterelles mit Gründer Toni Vescoli (links) machte auf ihrer diesjährigen Tour Halt im Gare de Lion in Wil.

Bild: Christoph Heer

«Heavenly Club» stürmt 1968 an die Spitze der Hitparade und kann sich sechs Wochen lang auf dem Thron halten. Les Sauterelles schafft dieses Kunststück als erste Schweizer Band überhaupt. Insbesondere für die damalige Zeit war das eine phänomenale Leistung. In der damaligen Tschechoslowakei traten Les Sauterelles vor vielen tausend Fans auf, zudem standen sie nicht nur europaweit auf den Bühnen.

Zwei Stunden Rockmusik

Vergangenes Wochenende nun verschlug es das ebenso namhafte wie erfolgreiche Quartett in den Gare de Lion in Wil. Weniger Publikum zwar als auch schon, dafür in einer äusserst heissen Atmosphäre. Von Beginn an sind Toni Vescoli, Düde Dürst (Drummer), Freddy Mangili (Bassist) und Peter Glanzmann (Gitarrist) parat. Vom ersten Ton an ist auch das Publikum bereit; es folgen zwei Stunden wunderbare Rockmusik und witzige Anekdoten, charmante Sprüche und satte Gitarrenriffs.

Musik verbindet auch mal Generationen

Natürlich setzt sich das Publikum im Gare de Lion aus mehrheitlich älteren Besuchern zusammen. Doch beim genauen Hinsehen sind doch hin und wieder auch junge Menschen auszumachen. Musik verbindet augenscheinlich Generationen, und Les Sauterelles treten den Beweis an, dass sich bei authentischer Rock- und Beat-Nostalgie in Reinkultur nach wie vor Jung und Alt mitreissen lassen. Der Wiedererkennungswert von Songs wie «Slow Down», «Hong Kong», «Drive My Car» oder «Like A Rolling Stone» ist gross. So erstaunt es wenig, dass sich kaum jemand nicht bewegt. Tanzende Mittsechziger am Bühnenrand, mitwippende Frauen auf den Sitzplätzen und mitklatschende Männer auf dem Balkon. Und immer wieder kurze und feine Pointen von den vier jung gebliebenen Sympathieträgern auf der Bühne.

Seit Jahrzehnten dabei

Von weit über die Region hinaus sind die Konzertbesucher angereist. Das Erscheinen bereut mit Bestimmtheit keiner. Ein Besucher aus Wil meint dahingehend, dass man Les Sauterelles mindestens einmal im Leben live erlebt haben müsse. Und eine Thurgauerin sagt, dass Les Sauterelles unsterblich seien, «zumindest ihre Musik ist zeitlos – und das ist auch gut so.» Ein Kränzchen soll aber auch den Zuständigen des Gare de Lion gewindet werden. So sind in jüngster Vergangenheit mehrere hochklassige Konzerte durchgeführt worden. Das bemerkt ein weiterer Gast aus Wil. In seiner kurzen Pause an der frischen Luft ist er voll des Lobes betreffend Kulturbahnhof. «Schon als die damalige Remise aus der Taufe gehoben wurde, war ich mit dabei. Heute noch besitze ich eine Jahreskarte und bin froh, gibt es in Wil die Institution Gare de Lion.»

Die Erinnerung bleibt

Ein kurzweiliger Konzertabend geht zu Ende. Was bleibt, ist die Erinnerung an ein grosses Konzert von vier älteren Musikern, in deren Blutbahnen wohl Musiknoten fliessen und die dieses Feeling noch heute – nach Jahrzehnten – auf ihr Publikum zu übertragen wissen.