Lernen durch Werbung

Seitenblick

Jonas Manser
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«auf leisen sohlen» stet auf einem Plakat des Tariefver-bandes Ostwind geschrieben. Stellen sie sich for, sie lärnen Deutsch zum Ersten mal. Aufmercksam nemen sie die Eindrükke auf. Sie lehrnen, repitieren und vertifen bereits gelerntes. was geschieht, wenn auf werbungen das rechtschreibung nicht stimmt? Lernd man falsch Deutsch durch Werbung?

So schlecht, wie oben überspitzt beschrieben, steht es mit der Rechtschreibung in der Werbung nicht. Doch der Unterschied zwischen einem klein geschriebenen Nomen und einem fehlenden oder überflüssigen Buchstaben in einem Wort ist klein. Rechtschreibung wird nicht nur in der Schule gelernt, sondern auch im Alltag: Wer abertausend Mal das gleiche Wort liest, dem wird die Form wortwörtlich ins Gedächtnis eingraviert. Das Wort wird nicht mehr «gelesen», sondern «gesehen». Fehler fallen sofort auf.

Was passiert nun, wenn «Sohlen» – ein Nomen – auf einem Plakat klein geschrieben wird? Jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit sticht die Werbung ins Auge – was sie auch tun soll. Zum Teil wird sie sogar absichtlich falsch geschrieben, um die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich zu ziehen. Unbewusst wird die Reklame gelesen.

Nach einem Monat hat der Pendler das Wort «Sohlen» öfter klein geschrieben gelesen als in seiner richtigen Schreibweise. Wie soll nun richtig von falsch unterschieden werden, wenn man die orthografischen Regeln nicht kennt?

Ob in der Schule, in einem Bewerbungsschreiben oder einem Brief: Grundsätzlich wird viel Wert auf Rechtschreibung gelegt. Wieso also nicht auch in der Werbung?

Jonas Manser

jonas.manser@wilerzeitung.ch