LENGGENWIL: Wildschweine vor der Haustür

Seit zwei Jahren haben die Landwirte in der Nähe des Hohrainwaldes in Lenggenwil Schäden von Borstentieren zu beklagen. Die Tiere sind schlau, tricksen die Menschen aus – und kommen immer näher.

Zita Meienhofer
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Zwischen Zuzwil und Lenggenwil / Oberbüren sind seit zwei Jahren vermehrt Wildschweine unterwegs, kommen bislang fast bis zur Haustüre und verwüsten Wiesen und Felder. (Bild: PD)

Zwischen Zuzwil und Lenggenwil / Oberbüren sind seit zwei Jahren vermehrt Wildschweine unterwegs, kommen bislang fast bis zur Haustüre und verwüsten Wiesen und Felder. (Bild: PD)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Wildschweine auf Fussballplätzen und in Gärten von Einfamilienhäusern im süddeutschen Raum. Wildschweine in der Stadt Aarau. Wildschweine auf der Stadt-Sankt-Galler Autobahn. Die Borstentiere halten sich nicht mehr nur in den Wäldern auf, sondern wagen sich nachts auf die Felder und Wiesen. Immer mehr sind sie in der Nähe oder ganz bei den Menschen anzutreffen. Hauptgrund ist vor allem die Zunahme der Population. Sie müssen immer weitere Entfernungen für die Nahrungssuche auf sich nehmen. Auch in unserer Region wagen sich die sonst menschenscheuen Tiere immer näher an die Häuser, sind hin und wieder fast vor der Haustüre anzutreffen. Davon wissen Landwirte zu berichten. Die Wildschweine wüten regelmässig in den Feldern, auf den Wiesen ganz in der Nähe seines Hofes, erzählt ein Betroffener. Bis zu neun Stunden war er kürzlich mit einem Helfer an der Arbeit, um die Schäden zu beheben. Er möge schon gar nicht mehr über dieses Thema sprechen.

Immer wieder auf die Problematik hinweisen

Nicht so Philipp Sonderer. Sein Hof liegt auf der Strecke zwischen Zuzwil und dem Hohrainwald, der sich im Grenzgebiet der Gemeinden Niederhelfenschwil und Oberbüren befindet. Auf dieser Strecke sind die Wildschweine oft unterwegs, haben die Schäden zugenommen. «Die Wildschweine sind ein Problem und es gilt, dieses nicht unter den Tisch zu wischen», so Sonderer. Für ihn kommt es nicht infrage, die Schäden, die sie anrichten, einfach hinzunehmen. Er will erreichen, dass sie vom Wiesland verschwinden. Auch René Moser, dessen Land an Sonderers Wiesen grenzt und das auch oft verwüstet wird, ist der Ansicht, dass dieses Thema präsent bleiben muss. Die kantonalen Stellen sollen immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Population der Wildschweine zu hoch ist.» Gemäss Moser reicht es nicht, die Landwirte zu entschädigen. «Das Problem muss längerfristig gelöst werden». Deshalb, so Sonderer, sei es unabdingbar die gesetzlichen Vorgaben zu lockern.

Einzäunungen und blinkende Lampen

Bis vor zwei Jahren sind im Korridor zwischen Zuzwil und dem Hohrainwald keine Wildschweine bemerkt worden. Dann, im November 2015, hinterliessen sie erste grosse Verwüstungen. Nach der Treibjagd im Dezember 2015 wurde es ruhiger. Im 2016 waren zwar Schäden zu beklagen, jedoch nicht in dem Ausmass wie ein Jahr zuvor. Dieses Jahr waren die Borstentiere wieder aktiver. Sepp Hälg, der ein Landstück beim Klosterwald bewirtschaftet, hatte die Tiere vorwiegend während der Sommermonate auf seinen Wiesen. Sie hätten wegen der Trockenheit allerdings nicht Löcher gegraben, sondern die Grasoberfläche abgeschält, erklärt er. Dann hat er blinkende Lampen aufgestellt und die Wildschweine kamen nicht mehr. «Ob das gewirkt hat, kann ich nicht sagen. Die Tiere sind blitzschlau, erkennen schnell, wovor sie sich in Acht nehmen müssen», so der Landwirt. Vor zwei Wochen hatte auch Kurt Berger, Nachbar von Philipp Sonderer, wieder grössere Schäden in seinem Wiesland, hatte ebenfalls blinkende Lampen aufgestellt und nun seien sie nicht mehr gekommen. Er ist sich aber bewusst: «Wenn das alle machen, dann wirkt es nicht mehr». Eine weitere Möglichkeit die Wildschweine fernzuhalten, ist das Einzäunen des Wieslands und der Felder. Für den eingangs erwähnten Landwirt ist das jedoch keine Option. Er wolle seinen Betrieb nicht umzäunen, denn andere Tiere, wie mausende Füchse, seien ihm willkommen. Auch für Philipp Sonderer kommt ein Zaun nicht infrage: «Das ist für mich schlichtweg zu aufwendig». Markus Germann, der ebenfalls Land in diesem Gebiet besitzt, hat sein Maisfeld mit einem Zaun umgeben, um wenigstens Schäden in seinem Feld zu vermeiden. Ebenfalls hat René Moser einen Zaun gestellt, am Waldrand entlang. Den Draht hat er zweifach auf Hüfthöhe und etwa 20 Zentimeter über dem Boden befestigt. «Die Wildschweine kamen weniger häufig dieses Jahr», so Moser. Er hat die leise Hoffnung, dass seine Arbeit gewirkt hat.

Nachtzielgerät, ein umstrittenes Hilfsmittel

Und auch die Jäger blieben nicht untätig. Sie hatten an verschiedenen Stellen zwischen dem Kloster- und dem Hohrainwald einen mobilen Hochsitz in Betrieb. Doch die Wildschweine wichen diesem aus. Eine einzige Wildsau hatten die Jäger diesen Sommer geschossen – und das, nachdem sie Stunden und Nächte auf den Hochsitzen verbracht hatten. Eine Tatsache, die hin und wieder zum Konflikt zwischen Jäger und Landwirt führt. Die Landwirte sind auf die Jäger angewiesen, diese wiederum können nicht rund um die Uhr ihrem Hobby nachgehen. Denn, noch ist die Jägerei eine reine Freizeitbeschäftigung. Marcel Hälg, Jäger in diesem Revier, erklärt zudem, dass es mit dem Schiessen noch nicht getan ist. Nachdem die Sau geschossen sei, brauche er mindestens noch eineinhalb Stunden, bis das Tier gemäss den entsprechenden Hygienevorschriften im Kühlraum des Metzgers gelagert werden könne. Philipp Sonderer ist der Ansicht, dass der Einsatz von Nachtzielgeräten wohl nützlicher wäre, um die Bestände zu regulieren. Ein Hilfsmittel, das umstritten ist, in diesem Revier allerdings erlaubt wäre. Hälg teilt Sonderers Meinung, gibt jedoch zu bedenken, dass ein Nachtzielgerät zwischen 4000 und 5000 Franken kostet. Eine zu kostspielige Investition für Jagdvereine.

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