Lenggenwil
Josef Meienhofer ist «seiner Musik» stets treu geblieben: Seit der Gründung 1961 ist er Mitglied der Musig Lenggenwil

Heute vor 60 Jahren wurde die Musig Lenggenwil gegründet. Schon damals dabei war der jetzige Dirigent, der im Alter von 11 Jahren dem Verein beitrat.

Zita Meienhofer
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Josef Meienhofer war schon von Anfang an dabei und gibt heute bei der Musig Lenggenwil den Takt an.

Josef Meienhofer war schon von Anfang an dabei und gibt heute bei der Musig Lenggenwil den Takt an.

Bild: Kurt Iten

«An die erste Probe am 8. Februar 1961 kann ich mich nicht mehr sehr gut erinnern», sagt Josef Meienhofer 60 Jahre später. Doch er weiss noch ganz genau, welche Stücke die kurz zuvor gegründete Musikgesellschaft Lenggenwil spielte: Die Märsche «Summit» und «Success», den Prozessionsmarsch Nr. 1 von Hans Freivogel sowie die Polka «Rehlein im Tannenwald».

Stücke, die heute nicht mehr im Repertoire des Vereins sind. «Sie sind schlichtweg zu einfach», sagt Josef Meienhofer. Doch vor 60 Jahren bestand die Musikgesellschaft Lenggenwil – so hiess der Verein damals – lediglich aus 17 Mitgliedern, die zwar alle ein Blechblasinstrument spielen konnten, deren Können jedoch nicht mit dem heutigen Standard zu vergleichen war.

Heimlich auf dem Flügelhorn geübt

1963, als der Verein seine erste Uniform erhielt, war der jetzige Dirigent 13-jährig und spielte Flügelhorn.

1963, als der Verein seine erste Uniform erhielt, war der jetzige Dirigent 13-jährig und spielte Flügelhorn.

Bild: PD

Es war Mittwoch, der 1. Februar 1961, im Schulhaus Lenggenwil. 17 Musikanten unterschrieben das Protokoll, dass die Gründung einer eigenen Musikgesellschaft bekräftigte. Sie wollten nicht mehr mit den Zuckenrietern gemeinsam musizieren, zu tief war der Graben, zu unterschiedlich die Ansichten zur Standortfrage des bald zu erstellenden Oberstufenzentrums Sproochbrugg.

Ganz unten auf diesem Protokoll, schön in Schnürlischrift geschrieben, steht der Name «Meienhofer Josef jun.». Er war der Sohn des Dirigenten, elf Jahre jung und wollte unbedingt im Verein mitmachen, denn jeder, der ein Instrument spielte, war willkommen. Und das tat er.

Er hatte es sich beigebracht. Sein Vater lehrte Knaben schon seit einigen Jahren das Spielen auf einem Instrument. Sohn Josef hörte aufmerksam zu und probierte es selber – wenn sein Vater nicht in der Nähe war, zu sehr fürchtete er sich vor dessen strenger Kritik. Der heute 71-Jährige sagt:

«Instrumente waren immer im Haus und das Spielen darauf gefiel mir.»

Allmählich erfuhr der Vater vom Können seines Sohnes und überzeugte sich bald einmal selber, dass dieser «anständig» auf dem Flügelhorn spielen konnte. Dass er in diesem jungen Alter Mitglied eines Vereins war, gefiel nicht allen. Sein Sekundarschullehrer sah ihn an einem Musikfest und wollte erreichen, dass er nicht mehr mitspielen durfte. Der Lenggenwiler Lehrer Karl Vollmeier, selber Mitglied im Verein, interveniert. Josef Meienhofer durfte bleiben.

Emotional mit dem Verein verbunden

Was Josef Meienhofer als Elfjähriger gefiel, gefällt ihm auch 60 Jahre später noch. Sein Leben dreht sich um die Musik. Als 19-Jähriger absolvierte er einen Dirigentenkurs, später die Rekrutenschule und anschliessend die Ausbildung zum Spielführer, spielte in einigen Musikvereinen und Gruppierungen gleichzeitig, übernahm als 21-Jähriger die musikalische Leitung der Musikgesellschaft Tägerschen-Tobel während der kommenden 41 Jahre – und blieb der Musig Lenggenwil treu.

Auf die Frage, ob er nie mit dem Gedanken gespielt hätte, aus dem Lenggenwiler Verein auszutreten, ob es ihm nie zu viel wurde, kommt ein schnelles und bestimmtes Nein. «Ich bin emotional zu sehr mit diesem Verein verbunden.»

Freude an der Musik, Geduld und präzises Arbeiten

1990, nach dem Tod seines Vaters, übernahm er die Direktion der Musig Lenggenwil. Bereits zuvor in Tobel und nun auch in Lenggenwil setzte er sich für die Ausbildung von interessierten Mädchen und Knaben ein. Es seien wohl etwa 300, die das Spiel eines Instrumentes bei ihm gelernt hätten.

Darunter befanden sich auch Philipp Rütsche und Roger Hasler, die heute beide Ausbildungsverantwortliche beim Schweizer Armeespiel sind. Dazu gehören auch rund die Hälfte des aktuellen Korps der Musig Lenggenwil. Den Nachwuchs auszubilden und zu fördern betrachtet er als sehr wichtig. Eine Aufgabe, die er mag, bei der er nie die Geduld verliert und sich daran freut, wenn seine Schützlinge an Wettbewerben erfolgreich sind.

Seine Freude an der Musik, seine Geduld und sein präzises Arbeiten führen wohl dazu, dass nicht nur der Nachwuchs oft erfolgreich ist, sondern auch die Musig Lenggenwil meist mit einer hohen Punktzahl von Musikfesten zurückkehrt.

Die Hoffnung, dass bald wieder zusammen musiziert werden kann

Der heute pensionierte Maschinenschlosser, dreifache Vater und neunfache Grossvater, der sich gerne im Wald und im Garten aufhält, sagt, dass diese 60 Jahre sehr schnell vergangen seien. Allerdings hofft er, dass diese anhaltende verrückte Zeit bald ein Ende hat und musizieren im Verein wieder möglich sein werde. Er glaubt aber nicht, dass diese Pause «seiner Musig» schaden könnte:

«Eher das Gegenteil ist der Fall. Ich bin überzeugt, dass alle wieder gerne kommen, wenn es wieder losgeht.»

Er selber hat während des Lockdowns vermehrt zum Instrument gegriffen. Über Häuserdächer hinweg hat er täglich mit seinem Enkel musiziert.

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