LEIDENSCHAFT: Mit Wodka und Grossmeister am Brett

Schach spielte er als Kind, Russland faszinierte ihn seit jeher. Abraham Egger aus Flawil reist etwa viermal jährlich nach Moskau. Dort trifft er sich mit einem Schach-Grossmeister und verbessert seine Russischkenntnisse.

Zita Meienhofer
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Abraham Egger aus Flawil ist fasziniert von Russland. Bei jedem seiner Moskau-Aufenthalte besucht er den Roten Platz und den Kreml. (Bilder: PD)

Abraham Egger aus Flawil ist fasziniert von Russland. Bei jedem seiner Moskau-Aufenthalte besucht er den Roten Platz und den Kreml. (Bilder: PD)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

«Russland» und «Schach», das sind zwei Wörter, die bei Abraham Egger sofort Begeisterung auslösen – mit denen ihn aber jahrelang nicht viel verbunden hatte. Bis 2009 war er weder je in Russland noch spielte er regelmässig das Brettspiel, das er als Kind von seinem Vater gelernt hatte. 2009, als er an der Uni Zürich Wirtschaft studierte, lernte er im Selbststudium Russisch und absolvierte nach Ende des Studiums einen dreimonatigen Sprachaufenthalt in Moskau. Dann war es um ihn geschehen.

Seither reiste er 28-mal nach Moskau und einige wenige Male nach Leningrad. Russisch spricht er fliessend, schreibt in kyrillischer Schrift. Begeistert spricht er von seinen Aufenthalten, seinen Erlebnissen und den vielen russischen Bekannten. Es ist hauptsächlich die russische Kultur und Geschichte, die ihn interessieren. Deshalb haben für ihn der Rote Platz und der Kreml auch eine besondere Bedeutung. «Immer wenn ich in Moskau ankomme, gehe ich erst um den Roten Platz und den Kreml», sagt er. Fasziniert ist er nicht zuletzt von der Lebendigkeit dieser Stadt, von der liberalen Haltung auch. Moskau sei modern und mittlerweile westlich angepasst. Wer der englischen Sprache kundig sei, der sei hier heute nicht mehr verloren, alles sei auch in Englisch angeschrieben. Moskau und St. Petersburg gelten als die Zentren Russlands. Für Egger hingegen ist St. Petersburg zu wenig russisch: «Es hat zu viele Touristen und der Stil der Bauten ist zu französisch oder italienisch.»

Lieber Schach spielen als politisieren

«Über die Politik», so der Flawiler, der heute bei einer Privatbank in Zürich arbeitet, «spreche ich mit meinen Freunden nur selten.» Er wisse, dass es solche gibt, welche die russische Politik kritisch betrachten. Viele jedoch befürworten sie und Vladimir Putin, attestieren dem Präsidenten, dass er nach Boris Jelzin Russland aus der Krise geführt habe. Viel lieber, als mit ihnen zu politisieren, spielt er mit ihnen Schach. Das Spiel, das ganz Russland spielt. «Es gibt unzählige Clubs, jeden Abend finden einige Turniere statt und in der wärmeren Jahreszeit sieht man die älteren Leute unter den Bäumen in den Parks Schach spielen.» Egger, der während des Zivilschutzdienstes den Präsidenten des Schachclubs Flawil kennenlernte, trat dem Club bei und fand damit die Möglichkeit, seine Kenntnisse, sein Spiel zu verbessern.

Grossmeister aus der Schweizer Nationalliga A

Über seine russischen Freunde kam er in Kontakt mit Igor Glek. Glek ist seit 1989 Schachprofi, im 1990 wurde er Grossmeister (höchster vom Weltschachbund verliehener Titel für Turnierschachspieler) und gewann mehr als 100 internationale Schachturniere. Nach ihm wurde sogar eine Eröffnung des Spiels genannt: die Glek-Variante.

Der Russe, der während einiger Zeit in Deutschland wohnte, spielte zudem von 2004 bis 2009 in der Schweizer Nationalliga A für den Schachclub Mendrisio, mit dem er 2007 Schweizer Mannschaftsmeister wurde. Während in der Schweiz viele «für den Hausgebrauch» spielen, sind die Russen ehrgeiziger. Davon profitiert Egger bei jedem Turnier und natürlich, wenn er beim russischen Meister ist. «Jedes Mal, wenn ich bei Glek bin, lerne ich dazu», sagt Egger. Er erzählt vom Blitzschach, einer Partie, die statt der üblichen zwei Stunden nur drei bis fünf Minuten dauert. Glek hatte Egger schon nach einer Minute schachmatt gesetzt – obwohl er nicht zu den schlechtesten Schachspielern zählt. Auf die nächste Partie muss der 32-jährige Flawiler nicht lange warten. Er ist bereits wieder in Moskau. Der Aufenthalt in der russischen Metropole ist jedoch nicht von langer Dauer, am Montagabend startet der dreistündige Flug, zurück in Richtung Schweiz.