LEIDENSCHAFT: Er schnitzt sich seine Welten

Holz sei sein Werkstoff, sagt Bruno Forrer aus Wolfertswil. Diese Aussage wird beim Anblick von seinem Haus ersichtlich. Im Innern hat er kleine Welten aus Holz aufgebaut.

Zita Meienhofer
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In den vergangenen neun Wochen stellte Bruno Forrer ein hölzernes Schneeschiff mit geschnitzten Pferden und Figuren her. Eine Erinnerung an seine Kindheit. (Bilder: Zita Meienhofer)

In den vergangenen neun Wochen stellte Bruno Forrer ein hölzernes Schneeschiff mit geschnitzten Pferden und Figuren her. Eine Erinnerung an seine Kindheit. (Bilder: Zita Meienhofer)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Bruno Forrer fühlt sich seit seiner Kindheit mit Holz verbunden. Er war als Kind gerne im Wald – und ist es heute noch. 27 Jahre arbeitete er als Forstwart für das Kloster Magdenau. Nun ist er pensioniert und hat Zeit, sich noch leidenschaftlicher mit Holz zu beschäftigen. Zwar schnitzt der 65-Jährige bereits seit über 30 Jahren aus Holzrohlingen Figuren, nun betreibt er sein Hobby aber noch intensiver. Seit Jahren fährt er im Januar und Februar einmal wöchentlich zum gelernten Holzbildhauer Johann Hartmann nach Oberhelfenschwil, um mit seinen Schnitzkollegen ein neues Sujet herzustellen.

Dieses Jahr hat sich die Gruppe für ein hölzernes Schneeschiff entschieden. Im Kurs hat Bruno Forrer mit dem ersten Pferd begonnen, zu Hause setzte er seine Arbeit fort. Wie laufen die Tiere, welche Stellung hat ihr Kopf? Tragen die Männer Wadenbinden oder Gamaschen, Hut oder Kappe? Wer führt die Pferde? Wer steuert oder stabilisiert das Schiff? Diese Fragen muss Bruno Forrer beantwortet haben, bevor er mit dem Bearbeiten des Rohlings beginnt. «Ein gutes Vorstellungsvermögen ist sehr wichtig», erklärt er, «ebenso handwerkliches Geschick und die Freude an diesen Sujets.»

Die Liebe zum Detail – auch bei der Umgebung

Sind die Figuren geschnitzt und das Schiff zusammengebaut, beginnt die Veredelung. Mit sehr viel Liebe zum Detail hat Bruno Forrer die Pferde eingeschirrt. Die Doppelwaage (Verbindung zwischen den Pferden) ist originalgetreu, jedes Teil separat angefertigt. Das gilt auch für das Schneeschiff. Bruno Forrer hat darauf geachtet, dass es letztlich so aussieht wie das Original, das in Wolfertswil eingelagert ist. Ebenso detailgetreu ist die Bemalung. Jeder kleinste Farbtupfer muss stimmen. Darauf legt Forrer grossen Wert. Das ist auch bei seinen anderen Arbeiten wie den Trachten, den Bauersleuten und den Holzarbeitern sehr gut zu erkennen.

Nun, neun Wochen nach Kursbeginn, hat er der vierten Figur die Augen gemalt, jetzt ist er fertig. Noch steht das Pferdegespann mit dem Schneeschiff auf dem Stubentisch von Theres und Bruno Forrer. Bald gesellt es sich in das letzte Vitrinenfach in Forrers Stube. Dort fehlt nur noch der Hinter- und der Untergrund. Den Hintergrund malt Karin Ammann aus Hundwil. Sie hat bereits Forrers Geburtsort Mogelsberg mit dem Alpsteinmassiv, das Restaurant Hochalp oder die Umgebung der Holzarbeiter und Bauersleute gemalt. Diesmal muss es eine Winterlandschaft sein. Den Untergrund gestalten Bruno Forrer und seine Frau passend zum Sujet. «Die entsprechende Umgebung, das ist für mich dann das Tüpfchen auf dem i.» Dann wird eine weitere kleine Welt aus Holzfiguren Forrers Haus zieren.

Den Kunstwerken einen letzten Schliff geben

Auf die Frage, was ihm am meisten Freude bereite beim Schnitzen, sagt er sofort: «Ich freue mich immer auf den Zeitpunkt, wenn ich fertig werde, wenn ich sehen kann, dass alles stimmt.» Den letzten Schliff zu machen, das sei für ihn deshalb auch die schönste Arbeit. Wie viele Stunden er an seinen Figuren geschnitzt hat, kann er nicht beziffern. Das möchte er wohl auch nicht, denn er sagt: «Ich schnitze aus Freude, es ist mein Hobby.» Die Stunden zählt er auch nicht, wenn er seinen Lieblingsbeschäftigungen in den wärmeren Monaten nachgeht, im Garten arbeitet, in seinem Wald das Brennholz für den Winter herrichtet oder aus irgendeinem Stück Holz einen Ziergegenstand anfertigt. «Ich kann kein Holzstück wegwerfen, denn ich sehe immer sofort, was sich daraus noch machen lässt», erklärt er und schmunzelt. Wer seine Kunstwerke sieht, glaubt ihm dies auf Anhieb.