Leid in Syrien ist unsäglich gross

Jeremias Treu, evangelischer Pfarrer der Kirchgemeinde Kirchberg-Bazenheid, hat in einem Gottesdienst zur Spendenaktion aufgerufen. Nun kam ein ansehnliches Sammelgut für die Menschen in Syrien zusammen.

Beat Lanzendorfer
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Pfarrer Jeremias Treu, dritter von rechts, mit seinen Helfern, die das Sammelgut am Donnerstag zum Weitertransport nach Basel bereitstellten. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Pfarrer Jeremias Treu, dritter von rechts, mit seinen Helfern, die das Sammelgut am Donnerstag zum Weitertransport nach Basel bereitstellten. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Wer hat die Spendenaktion initiiert?

Jeremias Treu: Hanna Ghoneim, ein Pater aus Syrien, der in Wien lebt, organisiert seit zweieinhalb Jahren Hilfstransporte in seine alte Heimat. Dadurch konnten bisher in den Städten Damaskus, Homs und Aleppo über 2000 Familien profitieren. Bei der nächsten Lieferung werden auch Hilfsgüter nach Syrien geschickt, die bei der Sammelaktion am letzten Mittwoch im evangelischen Pfarreizentrum in Bazenheid abgegeben worden sind.

Wie kam es zur Spendenaktion?

Treu: Der Kontakt kam durch Mitglieder der katholischen Kirchgemeinde in Arlesheim zustande. Sie organisiert und koordiniert die Spendenaktion in der Schweiz.

Gibt es weitere Gemeinden, die sich an der Sammelaktion beteiligen?

Treu: Ja, es sind weitere Gemeinden aus den Kantonen Basel-Stadt und Landschaft sowie St. Gallen.

Kennen Sie Pater Ghoneim persönlich?

Treu: Nein, ich kenne ihn bisher noch nicht, kann dies aber im November nachholen. Er weilt dann in St. Gallen und wird darüber informieren, was mit den Hilfsgütern aus der Schweiz passiert ist. Das genaue Datum des Besuches steht noch nicht fest.

Waren Sie selber auch schon in Syrien?

Treu: Ja, an einer Bildungsreise im Jahre 2001 habe ich das Land mit Menschen meiner damaligen Kirchgemeinde in Erfurt bereist. Wir haben die Städte Palmyra, Aleppo, Damaskus und Homs besucht. Als pulsierende Stadt blieb mir speziell Aleppo in Erinnerung. Die jetzige Entwicklung mit der Zerstörung der erwähnten Städte und der unsäglichen Not der Menschen war damals nicht vorhersehbar.

Wie kommt das Sammelgut nach Syrien?

Treu: Es gelangt mit Sammeltransporten nach Basel. Dort wird es mit Containern verschifft und geht auf dem Seeweg nach Syrien – Ziel ist Damaskus.

Ist die faire Verteilung der Hilfsgüter im Kriegsgebiet gewährleistet?

Treu: Ja, die Verteilung erfolgt über eine katholische Schule, die von Christen und Moslems besucht wird. Alle sollen von der Hilfsaktion profitieren. Mir war wichtig, dass die Not bei bedürftigen Menschen gelindert wird, unabhängig ihrer religiösen Zugehörigkeit.

Können Sie abschätzen, was und wie viel zusammengekommen ist?

Treu: Vom Volumen her sind es bei uns rund drei Kubikmeter. Ich schätze, das dürften etwa 800 bis 1000 Kilogramm sein. Nebst Kleidern und Schuhen sind es auch etliche Decken, die für den bevorstehenden Winter sehr, sehr wichtig sind. Die gesammelten Spenden aller beteiligten Gemeinden umfassen rund 60 Kubikmeter.

Wie lief die Sammelaktion ab?

Treu: Ich habe bei meinem Einführungsgottesdienst am 23. August auf die Sammelaktion aufmerksam gemacht. Für weitere Informationen lagen auch noch Flyer in der Kirche auf. Am letzten Mittwoch konnten die Menschen dann die Hilfsgüter zwischen 13 und 17 Uhr im Pfarreizentrum vorbeibringen.

Gab es Probleme?

Treu: Nein, überhaupt nicht. Es kamen Menschen aus der ganzen Gemeinde Kirchberg, darüber hinaus spendete sogar eine Frau aus Wattwil, die über die Zeitung auf unsere Aktion aufmerksam geworden ist. Dankbar bin ich vor allem Charlotte Hollenstein und Sibylle Eberle, sie haben die Artikel vorsortiert und reisebereit vorbereitet.

Die Sammelaktion hilft den Menschen in Syrien. Gibt es in der Schweiz Stellen, an die man sich wenden kann, wenn man als Privatperson den Flüchtlingen hier helfen will?

Treu: Bei den grossen Hilfswerken HEKS, Caritas und Rotes Kreuz und auch bei anderen Hilfswerken kann man sich informieren. Sie alle arbeiten mit Hochdruck daran, auf die Flüchtlingsströme zu reagieren. Jeder Rappen zählt, das gilt besonders bei der Flüchtlingshilfe vor Ort. Die meisten Flüchtlinge leben unter erbärmlichen Verhältnissen in Ländern des Nahen Ostens.

Sind noch weitere Sammelaktionen dieser Art geplant?

Treu: In den Gottesdiensten sammeln wir regelmässig für verschiedene Hilfswerke, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Ob es noch einmal eine Sammelaktion geben wird, wird sich zeigen. Bereit sind wir auf jeden Fall dafür. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist ermutigend.

Wie schätzen Sie persönlich die Lage in Syrien ein?

Treu: Die Lage ist unübersichtlich. Ich rechne nicht mit einer baldigen Lösung des Konflikts. Es ist schwer zu durchschauen, welche Interessen im Hintergrund eine Rolle spielen. Sorgen mache ich mir um die Millionen Flüchtlinge, die seit Jahren in riesigen Camps leben. Was, wenn sich ihre Lage nicht verbessert und sich alle aufmachen nach Europa? Mit Parolen und hohen Zäunen kann man dieses Problem nicht lösen.