Lehrer mit lausigen Löhnen

Vor 100 Jahren

Drucken
Teilen

In einer 100-jährigen Ausgabe der «Schweizer-Schule», ein Wochenblatt der katholischen Schulvereinigungen der Schweiz, sind diverse offene Stellen für Lehrpersonen aller Stufen ausgeschrieben. Auch in Züberwangen wurde ein Lehrer gesucht. Das Gehaltsangebot betrug 1900 Franken – im Jahr. Interessierte konnten sich bei Schulratspräsident Eduard Keller melden.

Ein weiteres Stellenangebot kam aus Bronschhofen. Dort wurde eine Lehrperson für eine Mädchenarbeitsschule gesucht. Für zwölf Stunden Unterricht wöchentlich winkte ein Jahreslohn von 400 Franken. «Gehaltsaufbesserung nicht ausgeschlossen», heisst es unter dem Eintrag.

Deutlich besser verdiente man damals an der Kantonsschule St. Gallen. Ein Anfangsgehalt von 4000 Franken jährlich wurde für einen Hauptlehrer geboten, wie in derselben Ausgabe der «Schweizer-Schule» ersichtlich ist. Dies für 25 Wochenstunden. Damit erhielt ein Kantilehrer mehr als das Doppelte einer Lehrperson, die in Züberwangen unterrichtete.

Noch 200 Franken jährlich für den Orgeldienst

Die tiefen Lehrerlöhne in ländlichen Gebieten sorgten damals durchaus für Diskussionen. Bei einer Lehrerkonferenz in Ross­rüti kritisierte ein Lehrer aus Oberbüren die Besoldung im Hinblick auf immer höhere Anforderungen. Auf dem Lande gebe es noch viele Gemeinden, in denen Lehrer mit dem «kärglichen Minimum» von 1700 Franken jährlich auskommen müssten. Das war in einer Ausgabe der «Wiler Zeitung» von 1917 zu lesen.

Mit 1900 Franken verdiente ein Lehrer in Züberwangen nicht viel mehr als dieses Minimum. Allerdings gab es obendrauf noch eine freie Wohnung mit Garten. Auch ein voller Beitrag an die Lehrerpensionskasse gehörte zu den Konditionen. Dazu kamen 120 Franken für die «Fortbildungsschule» und 200 Franken für den Organistendienst.

Ursula Ammann