Lautstarker Vorbote des Musiksommers

Es hat zwar nur halb so viele Fenster, aber ansonsten funktioniert das Wiler Beizenfestival «Rock am Freitag» ähnlich wie ein Adventskalender. Hinter jedem Fenster wartet eine kleine Überraschung.

Pablo Rohner
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Der Strassenmusiker Fabe Vega spielte im «Adler» die Musik eines Reisenden. (Bild: Pablo Rohner)

Der Strassenmusiker Fabe Vega spielte im «Adler» die Musik eines Reisenden. (Bild: Pablo Rohner)

Es hat zwar nur halb so viele Fenster, aber ansonsten funktioniert das Wiler Beizenfestival «Rock am Freitag» ähnlich wie ein Adventskalender. Hinter jedem Fenster wartet eine kleine Überraschung. Die Türen von zwölf Beizen in und um die Wiler Altstadt sind am Freitagabend Pforten zu unterschiedlichen Welten, atmosphärisch wie musikalisch, wobei sich diese beiden Ebenen kaum trennen lassen. Vier Beispiele, was sich am Freitag hinter Türchen verbarg.

Warmstimmig und gutduftend

Dasjenige des «Storchen» geht schon um sieben auf, Lindsay Ferguson steht auf dem Programm, Kanadierin, muss Country oder Singer/Songwriterin sein, dem Namen nach. Tür auf. Richtig vermutet: Singer/Songwriterin. Das gediegene Lokal ist in warmes Licht getaucht, auf den Tischen funkeln Weingläser, manche Gäste essen von gutduftenden Tellern. Und mitten im Raum singt, von herzigen Lichterkettchen umgeben, mit Gitarre die warmstimmige Lindsay. Ein schöner Einstieg.

Das nächste Türchen öffnet sich in der «Trinkstube Hartz». Der Mikrokosmos, der sich dahinter auftut, ist ein ganz anderer. Hier ist die Bar der Raum, am grossen Hufeisen sitzen flirtwillige Best Ager neben Feierabendbier-Geniessern, vereinzelt mischt sich junges Publikum darunter. Hier spielen die Colibris, eine Zwei-Mann-Coverband, Gitarre und Synthie, spezialisiert auf Klassisches, vorzugsweise auf Deutsch Mitsing- und Tanzbares. Eine Hit-Band, die aber auch um schöne Instrumentalparts nicht verlegen ist. Vor dem Tor zur Altstadt ist es ruhiger. Im «Adler» herrscht Sanftmut statt Feierwut, in die Ferne schweifen mit Fabe Vega ist hier angesagt. Aus Trogen kommend, mit Homebase in Winterthur, sind sein Zuhause die Strassen und Plätze dieser Welt. Mit einnehmenden Gitarrenharmonien und einer hinreissenden Rauchstimme zwischen Fragilität und Lebenszusage. Begleitet vom virtuosen Bassspiel des Engländers Joel D. Allison spielt Vega die Musik eines Reisenden, eines Buskers eben. Und je länger das Konzert dauert, desto mehr Aufmerksamkeit wendet sich zur Ecke, wo Vega und Allison spielen und mit ihren Songs die inneren Fenster der Zuhörer öffnen.

Rockschwanger und schwül

Wieder hinaus in den Regen und zurück zum Lärm. Der Weg zum «Tigerli» ist nicht weit, drinnen ist es gestossen voll und schwül. Mugshot heizen hier ein. Ihr rockschwangerer Texasblues, hie und da zu AC/DC rüberhängend, darunter mischen sie Americana-Evergreens, reisst die Gäste sichtlich mit. Es wird getanzt und geschwitzt, Band und Publikum haben Spass aneinander.

Musikgenuss: gratis

Das «Rock am Freitag» markiert in Wil traditionsgemäss den Startschuss zur Festivalsaison, mit Bands aus der Region und von weiter weg, als Vorbote des Musiksommers sozusagen. Der Indoor-Ableger vom «Rock am Weiher» kostet wie sein Open-Air-Bruder keinen Eintritt und erfüllt so den selbstgegebenen und statutengemässen Auftrag, «das kulturelle Geschehen der Stadt Wil zu bereichern», vollumfänglich. Hier wurden Türen einen Spalt weit aufgestossen. Hinter zwölf konnten die Wilerinnen und Wiler in musikalische und atmosphärische Welten eintauchen.

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